Allen sei eine fröhliche Wintersonnenwende gewünscht

WEIMAR. (fgw) Weihnachten (germ. wiha „geweiht“, „heilig“ und naht „Nacht“, „Nächte“, „geweihte Nächte“, die zwölf langen Nächte der Wintersonnenwende (Nordhalbkugel des Globus, beginnend ab 21./22.Dezember). Weihnachten ist deshalb nicht christlichen, sondern heidnischen Ursprungs, wie andere jahreszeitliche Festtage ebenso.


(Bildquelle: H. Jestrabek)

Trotzdem reklamieren die christlichen Kirchen „Weihnachten" als das Geburtstagsfest ihres legendären Religionsgründers Jesus am 25. Dezember, als „Christtag", bzw. „Hochfest der Geburt des Herrn".

 

Schon früh wurde dagegen die Vermutung geäußert, dass der Name vorchristlichen Ursprungs ist. Sebastian Franck 1538: „das dieser heydnisch nam [Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht etc." (Sebastian Franck: Germaniae chronicon Bern 1539).

 

Die Datierung auf den 25. Dezember erfolgte durch fromme Kleriker erst zu Beginn des 4. Jahrhunderts u.Z., also willkürlich und ohne wirkliche Kenntnis des Geschehens 300 Jahre zuvor!

 

Die Urchristen, die es doch eigentlich am besten wissen hätten müssen, feierten den Geburtstag von Jesus überhaupt nicht. Um 200 u.Z. feierten die christlichen Kirchen teilweise den 19.04., den 20.05. oder den 17.11. als Jesu Geburtstag. Das Fest Weihnachten ist erstmals im 2. Jahrhundert u.Z. in Ägypten gefeiert worden, als Geburtstag des Gottes Osiris, auch Aion genannt.

 

Die christliche Weihnachtsgeschichte dagegen ist noch nicht einmal in allen Evangelien (NT der Bibel) niedergeschrieben. Bei Markus wird von Jesus Geburt überhaupt nichts berichtet, Matthäus und Johannes sind mit Josefs Gefühlen und einer Fleischwerdung eines göttlichen Logos befasst. Nur Lukas beschreibt das populäre romantisch-idyllische Krippenspiel.

 

Bei den genannten Autoren handelte es sich allerdings nicht um die gleichnamigen Apostel. Die Jesus-Legenden wurden erst 40 bis 80 Jahre nach dem beschriebenen Kreuzigungstod aufgezeichnet. Vorher wurden sie nur mündlich verbreitet. Wie im alten Palästina üblich, mit immer mehr und ausgeschmückteren Wundergeschichten, Ergänzungen und Fabeln.

 

Historisch sind nicht nachweisbar: Maria, Josef, der Geburtsort Bethlehem, die mühselige Zimmersuche, der Stall, Ochse und Esel, Hirten und alle drei Könige. Nur die Volksbefragung der Römer gab es in Palästina. Allerdings zu anderer Zeit und in anderen Landesteilen.

 

Der biblisch beschriebene massenhafte Kindermord durch Herodes - auf den sich neuerdings katholische Fundamentalisten besannen und Glockenläuten für Ungeborene veranstalten (und Schwangerschaftsabbruch damit verteufelten) - ist erwiesenermaßen eine Geschichtslüge.

 

Historisch verbürgt ist aber dieses: Im Römischen Imperium wurde im Jahr im Jahr 274 u.Z. der Termin eines Festes festgesetzt auf den 25.Dezember, anlässlich einer Tempeleinweihung durch Kaiser Aurelian für „Sol Invictus", also für den „Unbesiegten Sonnengott". Er begründete damit einen offiziellen Schutzherren und Staatsgott.

 

Als das Christentum in Rom zur alleinigen Staatsreligion erhoben wurde (Ende 4. Jh. u.Z.) wurden alle Festtage des heidnisch-römischen Kults zu christlichen Kulten umgewandelt.

 

In den neu entstandenen christlichen Weihnachtskult flossen jetzt ein: das heidnische Fest der Wintersonnenwende, das Fest des Aion, eine mystische Darstellung der Geburt der neuen Sonne (Beschwörungsformel: „Die Jungfrau hat geboren, zu nimmt das Licht."), die Naturerscheinung, dass nach dem kürzesten Tag des Jahres die Sonne wieder länger scheinen wird und der Frühling naht, das Fest des Sol Invictus, die „Saturnalien", die noch einige Jahre vorher bei den Christen besonders verpönt waren, wegen ihres ausschweifenden Charakters.

 

Bei der Christianisierung Nordeuropas wurde dann auch noch das germanische „Julfest" - ebenfalls ein Wintersonnwendfest als Bestandteil des Sonnenkults - als christliches Weihnachten umgedeutet. Aus dem nordischen „Julkranz" wurde der Adventskranz.

 

Auch die Symbolik des Kerzenbaums, als Vereinigung von lebendem Licht (Flamme) und lebendem Grün (Nadelbaum), war verbreitet in vorchristlichen Kulturen und hat immer die Sonnwendfeier begleitet. Aus der Vorstellung, dass in der Zeit der Wintersonnwende die heidnischen Götter auf die Erde kämen, um „nach dem Rechten" zu sehen. Der ursprüngliche Mythos stellte sich vor, dass das „Muetesheer" während der „Zwölften" (zwölf Nächte um die Jahreswende) umginge.

 

Der Weihnachtsmann entstand aus dem „ruhmprächtigen" (althochdeutsch: ruotperecht) Gottvater Odin oder Wotan, verballhornt als „Knecht Ruprecht" (Der Knecht als Synonym für die in Knechtschaft genommene germanische Mythologie).

 

Trotz all dieser zweifelhaften Umstände, wurde Weihnachten aber dennoch ein sehr populäres Fest der Alltagskultur. Von den mythologischen Zusammenhängen befreit, wird es auch von der Zivilgesellschaft angenommen und gern ebenso von säkularen und freidenkenden Menschen als mittwinterliches Familienfest begangen. Säkulare Menschen sind überwiegend keine verbiesterten Feiermuffel und neigen eher zum Hedonismus.

 

 

Heiner Jestrabek

 

 



 
21.12.2018

Von: Heiner Jestrabek
 
 
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