Als Adoptivkind auf der Suche nach eigenem Seelenfrieden

WEIMAR. (fgw) Die Schreib- und Trauertherapeutin Sandra Brökel ist ein Adoptivkind, das in ihrer neuen Familie in sehr behüteteten Verhältnissen aufwachsen konnte. Als Erwachsene aber begab sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln, nach den leiblichen Eltern. Sie wollte Antworten auf die Frage, warum man sie denn „fortgegeben“ habe. Davon insbesondere handelt ihr zweiter Roman „Pavel und ich“.


Dieses Buch erzählt zugleich die Entstehungsgeschichte ihres ersten (biographischen) Romans „Das hngrioge Krokodil" über den tschechischen Kinderarzt/Psychiater Dr. Pavel Vodák.

 

Sandra Brökel war bereits über 30, als sie sich zielgerichtet auf die Suche nach Mutter und Vater begab. Sehr feinfühlig beschreibt sie ihr Herantasten an beide. Und wie unterschiedlich sie dann von ihren leiblichen Eltern auf- und z.T. auch angenommen wurde. Sehr deutlich wird bei ihr der fortwährende Widerstreit zwischen Gefühl und Verstand.

 

Es ist gerade dieser Teil des vorliegenden Buches, der dessen Wert ausmacht. Selbst erlebte Lebensgeschichte wird hier sprachlich gut und nachvollziehbar erzählt. Den Motiven für die Freigabe zur Adoption kann sie Verständnis entgegenbringen. Und man versteht nun auch, warum sie ihren Beruf ergriffen hat und diesen mit Leidenschaft ausübt.

 

Bei ihren Recherchen zum Thema Adoption stieß sie seinerzeit auf ein Fachbuch aus der Feder von Pavel Vodák, allerdings nur in tschechischer Sprache vorliegend. Und da bei Sandra Brökel Zufälle fast normal sind, ergab es sich einen Tags, daß sie und Vodáks Tochter Pavla (in Deutschland Paula) Arbeitskolleginnen sind. Beide werden bald auch Freundinnen.

 

Was wiederum zur Spurensuche ins Böhmische, nach Prag, führte. Vodák selbst hatte umfangreiche Lebenserinnungen hinterlassen. Und Sandra Brökel machte es sich nun zur Aufgabe, gemeinsam mit Pavla den Lebensweg Vodáks nachzuvollziehen. Auch warum er 1970 mit Familie seine Heimat verlassen hatte. Heimat ist auch für die Autorin von Wert, allerdings versteht sie richtigerweise unter Heimat nicht nur einen geographischen Ort. Schließlich geht noch um Verlusterfahrungen der beiden Frauen Sandra und Pavla. Nicht zuletzt durch den Tod der Freundin aufgrund einer tückischen Krankheit.

 

Erlebbar wird daneben die Verschiedenheit von Mentalitäten. So wenn sich Sandra Brökel in ihrer doch vorhandenen westdeutschen Selbstgerechtigkeit über Begegnungen in Prag ausläßt. Man muß dazu nicht ihre doch leider typische westdeutsche Welt- und Geschichtssicht (Schlichtes gut und böse, und wir sind die Guten.) teilen. Aber zu loben sind ihr Schreibstil, ihre Erzählkunst, ihr Anregen zum Nachdenken.

 

Es ist übrigens gerade die Beschäftigung mit Pavel Vodák, die zu ihrem Seelenfrieden beigetragen hat.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Sandra Brökel: Pavel und ich. Autobiographischer Roman. 168 S. Klappenbroschur. Pendragon-Verlag. Bielefeld 2020. 15,00 Euro. ISBN 978-3-86532-673-7

 



 
09.05.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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