Bei anderen gelesen: Korea - ein vergessener Krieg

WEIMAR. (fgw) Die Wochenzeitung der DKP „UZ – Unsere Zeit“ veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 19. Mai zwei Beiträge über die Lage – und insbesondere über die geschichtlichen Hintergründe – auf der koreanischen Halbinsel. Aus dem bemerkenswerten Kommentar von Manfred Idler „Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag für die beiden Koreas“ soll an dieser Stelle etwas ausführlicher zitiert werden. Sind doch viele Fakten gerade hierzulande unbekannt.


Idler schreibt:

 

Ein dicklicher junger Mann nimmt in großer Pose eine Militärparade ab, eine Rakete steigt auf und stürzt ins Meer, eine Nachrichtensprecherin schnattert aufgeregt Unverständliches - das sind die Bilder von Nordkorea, die uns das TV ins Haus liefert. Fremd ist das und damit ein bisschen schaurig und auch komisch, wie alles was man nicht versteht. Es geht um Nordkorea.

 

Andersrum geht's auch, die Nordkoreaner könnten Haar- und Barttracht von Martin Schulz komisch finden oder mit einem Bild von Marietta Slomka, der ZDF-Domina mit dem hypnotischen Durchhalteblick, ihre Kinder erschrecken. So ein Gedankenspiel hilft gegen die Herrenmenschenmentalität, die viele Mitteleuropäer unterbewusst herumschleppen und die hochkommt, wenn es um die „Unterentwickelten" in Russland, Asien, Afrika geht. (Anmerkung des Freigeistes: So sollten denkende Menschen eigentlich immer ihnen vorgesetzte Weltbilder hinterfragen.)

 

Die Politik der Führung Nordkoreas lässt sich nicht von den historischen Erfahrungen trennen, die das koreanische Volk im 20. Jahrhundert gemacht hat. Da sind vor allem die 45-jährige Besetzung durch Japan, die Teilung der Halbinsel nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders der verheerende Krieg mit den USA von 1950-1953, der nicht in einem Frieden, sondern in einem Waffenstillstand endete.

 

Einen Tag vor dem Ende des Krieges gegen Japan verfügte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Asien, General Douglas MacArthur, dass die Regierungsgewalt auf dem Territorium Koreas südlich des 38. Breitengrades unter seiner Oberaufsicht auszuüben sei. Die USA errichteten eine Militärregierung und schoben mit Syngman Rhee eine Marionette in den Vordergrund, deren Hauptqualifikation blutrünstiger Antikommunismus war. Er stützte sich auf die besitzenden Schichten, deren Angehörige größtenteils mit den Japanern kollaboriert hatten. (...)

 

Nördlich des 38. Breitengrades übernahmen- im Süden Ende 1945 verbotene- Volkskomitees die Verwaltung. In ihnen hatte die 1946 gegründete Kommunistische Partei Koreas großen Einfluss, da ihrem Führer, Kim Il-Sung, der schon seit den dreißiger Jahren als Partisan gegen die japanischen Okkupanten gekämpft hatte, auch nationalistische Kräfte große Achtung entgegenbrachten. Durch die Verbesserung der Versorgung, Entmachtung der Quislinge der Japaner und Aufteilung von Großgrundbesitz an kleine Bauern, auch durch die Gleichstellung der Frauen und andere Maßnahmen erlangte die Partei schnell das Vertrauen des Volkes.

 

Als Syngman Rhee im August 1948 die Republik Südkorea ausrief, antwortete der Norden im September mit der Gründung der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (KDVR). Beide Teile erhoben den Anspruch, für ganz Korea zu sprechen. Vom Süden ausgehend, kam es zu ständigen militärischen Provokationen, und als Syngman Rhee im Mai 1950 im Süden eine Wahlniederlage erlitt, schien ihm die Zeit für den Krieg gekommen: Am 25. Juni besetzten südkoreanische Truppen die Stadt Haeju im Norden. Der Gegenschlag kam schnell und gewaltig: Nur sechs Wochen brauchte die Armee der KDVR, dann stand sie - vor allem im ländlichen Raum oft als Befreier begrüßt - schon weit im Süden. Einzig die Hafenstadt Pusan war noch in der Hand der südkoreanischen Armee.

 

Aber Syngman Rhees Rechnung, dass die USA ihn stützen würden, ging auf. Die USA nutzten die Situation, dass die Veto-Macht UdSSR den UN-Sicherheitsrat wegen Nichtberücksichtigung der Volksrepublik China boykottierte, und setzten in einer Dringlichkeitssitzung die Resolution 85 durch, die ihnen die Handhabe bot, unter der Maske der Vereinten Nationen in den Konflikt einzugreifen. Nur Jugoslawien stimmte gegen die Resolution. Den US-Präsidenten Harry S. Truman benannte der Rumpf-Sicherheitsrat zum Verantwortlichen für die Durchführung des Beschlusses. Unter dem Kommando MacArthurs begann eine barbarisch geführte Gegenoffensive mit Napalm-Flächenbombardements, die nordkoreanische Armee wurde bis fast zur chinesischen Grenze zurückgeworfen. (...)

 

US-General Curtis LeMay, der die Bombardierungen befehligte, schrieb in seinen Memoiren: „Wir haben fast jede Stadt, gleich ob in Nord- oder Südkorea, niedergebrannt ... Wir haben über eine Million Zivilisten getötet und mehrere Millionen vertrieben mit den unvermeidlichen tragischen Folgen." (Anmerkung des Freigeistes: Und in gleicher Weise sorgten / sorgen die USA seither für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie in Indochina, im Nahen Osten und anderswo.)

 

Im Sommer 1953 wurde endlich, gegen den Willen Syngman Rhees, ein Waffenstillstand abgeschlossen. (...) Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. Faktisch sind die beiden Staaten auf der Halbinsel also noch immer im Kriegszustand. Und die US-Truppen sind nie abgezogen. 27 Basen mit 28000 Mann unterhält die US-Armee bis heute in Südkorea, die mit ständigen Manövern die KDVR provozieren. (Anmerkung des Freigeistes: Die sowjetischen Truppen im Norden sind hingegen bereits 1948 abgezogen worden.)

 

 

(SRK)

 



 
21.05.2017

Von: Manfred Idler / SRK
 
 
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