Bei anderen gelesen: Zum polnischen Spielfilm »Klerus«

WEIMAR. (fgw) Die Tageszeitung „junge Welt“ veröffentlichte am 8. Oktober unter der Überschrift „Gleich nach dem Hochamt - Antiklerikalismus für alle: In Polen bricht der Spielfilm »Klerus« Besucherrekorde“ einen Beitrag ihres dortigen Korrespondenten Reinhard Lauterbach.


In diesem Artikel heißt es u.a.:

 

„Gniezno nordöstlich von Poznan gilt als »fromme« Stadt. Touristen kommen wegen der Kathedrale, in der der »Heilige Adalbert«, ein christlicher Missionar des 10. Jahrhunderts, begraben ist - in einem Sarkophag aus massivem Silber. Eine kunsthistorisch bedeutende Bronzetür aus dem späten 12. Jahrhundert erzählt in 16 Bildern die Geschichte seines Martyriums: Wie er den heidnischen Stämmen predigte, ihnen irgendwann auf den Geist ging, weshalb sie ihn umbrachten und ein gutes Geschäft machten - sie verkauften die Leiche gegen deren Gewicht in Silber an den bereits christlich gewordenen polnischen König Boleslaw den Tapferen. Soweit die Legende. (...) Die kürzlich erfolgte Renovierung der Kathedrale ist laut Schildern, die an der Wand hängen (müssen), zu 75 Prozent aus EU-Mitteln finanziert worden.

 

Das ist der gut katholische Schein. Aber das Multikino der Stadt zeigte am Sonntag den Film »Klerus« von Wojciech Smarzowski in sieben Vorstellungen, die erste um 11.15 Uhr. »Gleich nach dem Hochamt«, lachte eine Bewohnerin, die nach Karten anstand. »Klerus« erfüllt offenbar ein seelisches Bedürfnis großer Teile des polnischen Publikums: Einmal hinter die verschlossenen Türen der Sakristeien, Pfarrhäuser und Bischofsresidenzen zu schauen und sich anschaulich zu machen, was man sich ohnehin schon dachte. In fast 500 polnischen Kinos ist der Film vor etwas mehr als einer Woche angelaufen, und allein in den ersten drei Tagen wurden im ganzen Land über 935.000 Karten verkauft. Das gab es noch nie, seit die Filmwirtschaft Statistiken führt. (...)"

 

Zum Inhalt und den Reaktionen in Polen.

 

„Ob »Klerus« in Deutschland ähnlich einschlagen könnte wie in Polen, ist nicht sicher, obwohl er gutes Kino ist. Westlich der Oder ist die Kirche bescheidener geworden, sie rückt den Leuten nicht so permanent auf die Pelle, wie sie es in Polen tut. Das schürt in Polen einen Alltagsantiklerikalismus, wie er in Deutschland selten ist."

 

 

 

(SRK)

 

 

 



 
08.10.2018

Von: Reinhard Lauterbach / (SRK)
 
 
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