Beiderseits der Förde wird nun grenzüberschreitend ermittelt

WEIMAR. (fgw) In seinem jüngsten Krimi „Fördelüge“ führt Harald Jacobsen zwei Protagonisten aus vorhergehenden, in Schleswig-Holstein spielenden, Kriminalromanen zusammen. Und dazu wird rings um die Flensburger Förde nun sogar gemeinsam grenzüberschreitend ermittelt.


Der eine dieser Protagonisten ist Hauptkommissar Frank Reuter. Der hat seinen Dienst im Kieler Landeskriminalamt quittiert und ist ab sofort in der Flensburger Polizeidirektion für Fälle zuständig, die sich beiderseits der deutsch-dänischen Grenze ereignen. Deutscherseits muß er diesbezüglich mit der Hauptkommissarin Sonja Martenson zusammenarbeiten, die dem Leser bereits im Krimi „Fördekartell" begegnet ist. Bei seinem Dienstantritt wird ihm auch schon seine dänische Partnerin, May-Britt Oldsen, mit Dienststelle in Sonderborg vorgestellt.

 

Während Frank Reuter sich in Flensburg erst noch einrichten muß - einschließlich Wohnungssuche, hat es May-Britt Oldsen schon mit einem ersten grenzüberschreitenden Fall zu tun. In einem dänischen Ferienhaus ist ein etwa 50jähriger Deutscher namens Klaus Paulsen, in Schleswig wohnhaft, erstochen aufgefunden worden. Dieser Paulsen ist Vertreter einer kleinen Firma, die u.a. mit Rohstoffen und Düngemittel zu tun hat und die seiner Frau Meike gehört.

 

Gefunden wurde der Tote von Astrid Terpe, Inhaberin einer Reinigungsfirma, die diverse Ferienhäuser betreut. Bald schon bereut aber diese Frau, der Polizei den Leichenfund gemeldet zu haben. Und sie wendet sich deshalb sofort an einen ihrer Geschäftspartner, der ein nahegelegenes Hotel betreibt. Dieser Hotelier veranstaltet für gutbetuchte Kunden vor allem aus Deutschland Drogen-Parties, bei denen auch Prostituierte zum Einsatz kommen. Wie man später erfährt, geht es dort nicht vordergründig um Drogenhandel, sondern noch um ein ganz anderes, noch lukrativeres Geschäftsmodell. Paulsen war hierfür der Lieferant der Drogen und die Terpe fungierte als Zwischenhändlerin.

 

Wer kann ein Interesse an der Ermordung Paulsens gehabt haben? In Verdacht gerät zunächst dessen Frau, gegen die nicht nur das Produktionsprofil ihres Unternehmens spricht, sondern auch deren persönliche Vorgeschichte mit ihrem vorhergehenden Ehemann. Und da kommt nun der andere Protagonist aus Jacobsens Krimis, der Flensburger Privatdetektiv Henrik Bargen, ins Spiel. Er soll zum einen die Unschuld von Meike Paulsen beweisen und zum anderen helfen, Täter und Motiv für die Mordtat zu ermitteln. Bargen nimmt den durchaus lukrativen Auftrag an und macht sich zunächst ein Bild vor Ort. Dazu mietet er sich ebenfalls ein Ferienhaus, begegnet dabei zunächst Astrid Terpe und stößt - eher zufällig - bald auch auf den dubiosen Hotelier und dessen Parties. Aber dort erkennt man ihn als nichteingeladenen „Schnüffler"...

 

Sowohl die Ermittlerteams um Frank Reuter und May-Britt Oldsen als auch Henrik Bargen stochern lange im Dunkeln, finden keine Antworten auf die durchaus richtig gestellten Fragen. Dänischerseits behindert sogar die Kopenhagener Drogenfahndung die Mordermittlungen. Währenddessen spitzen sich die Differenzen zwischen der Terpe und dem Hotelier zu. Diese Frau bekommt immer stärkere Gewissensbisse und will aus dem Drogengeschäft aussteigen. In dieses hatte sie ja nur deshalb eingewilligt, weil die eigentlichen Geschäfte so schlecht liefen und sie eigentlich vor dem Bankrottt stand bzw. steht.

 

Die Polizei „schießt" sich derweil immer mehr auf Meike Paulsen ein und kooperiert deshalb mit der Steuerfahndung. Letzteres, weil bezüglich der Dienstreisekosten und Vertragsabrechnungen von Klaus Paulsen dubiose Buchungen gefunden wurden: „falsch deklarierte Geldströme".

 

Da kommt es zu einem Brandanschlag auf das Unternehmen der Meike Paulsen. Sie selbst wird dabei ohnmächtig in der Nähe des Brandherdes aufgefunden. Die Polizei vermutet nun noch vorsätzlichen Versicherungsbetrug durch die Unternehmerin. Nun erweitert sich Bargens Auftrag auf Klärung dieses Tatbestandes.

 

Da die Drogenfahndung inzwischen den Hotelier und dessen Handlanger beweiskräftig festnehmen konnte, gehen die Kriminalisten auf beiden Seiten der Förde mit neuem Elan an ihren Fall heran. Durch die Überprüfung der dubiosen Geldströme Paulsens, die auf eine Bank in Dänemark umgelenkt waren, stoßen sie endlich auf weitere Verdächtige. So u.a. auf den 19jährigen Drogensüchtigen Jasper Krogh. Dem legt man bei einer Vernehmung ein Foto Paulsens vor. Jasper gerät da außer sich und ruft nach seinem Stiefvater Aksel Krogh.

 

Das wirft neue Fragen auf. Eine erste Antwort wirst bzw. neue Fragen werfen eine Auskunft der dänischen Bank auf: Inhaber des Kontos, auf das die Zahlungen aus Deutschland eingegangen waren, ist nicht Paulsen sondern Aksel Krogh. Eine neue polizeiliche Frage lautet daher: „Vom Ablauf her ist Aksel Krogh also einen Tag nach dem Mord an Klaus Paulsen verschwunden. Abgetaucht nach einer tödlichen Auseinandersetzung?" (S. 243) Also waren womöglich beide Männer Geschäftspartner im Drogenhandel und gerieten über die Aufteilung des Gewinns in Streit?

 

Nebenbei kommen die Ermittler auch zu dem Schluß, daß Meike Paulsen weder mit dem Mord an ihrem Mann noch mit dem Brandanschlag zu tun hat, daß vielmehr „sie die einzige Person ist, die in diesem Fall nur Opfer ist".

 

Der wirkliche Täter und sein Motiv können dagegen durch vereinte Kräfte doch ermittelt und überführt werden. Mit großem Überraschungseffekt sowohl für Reuter und Oldsen als auch für Bargen. Es geht tatsächlich um ein deutsch-dänisches Drama, um das herum sich etliche andere Fälle gruppierten. Die ebenfalls alle aufgeklärt werden konnten.

 

Allerdings hat diese Geschichte nicht die gesellschaftskritische Brisanz wie die im „Fördekartell" erzählte. Dennoch ist die Idee, grenzüberschreitende Kooperation bei der Kriminalitätsbekämpfung zum Thema von Krimis zu machen, überaus löblich und kann für zusätzliches Lokalkolorit, verbunden mit weiteren Spannungselementen, sorgen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Harald Jacobsen: Fördelüge. Küsten-Krimi. 316 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2019. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2387-1

 



 
17.04.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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