Das Ritual der Vereinigung als Inhalt von Naturreligionen

WEIMAR. (fgw) Naturreligionen bestehen zumeist aus Lust am Leben (und einem herzlichen Lachen dazu). Viele, vor allem jüngere Menschen im Hier und Heute, interessieren sich daher für deren Mythen, Riten und Rituale. Man möchte diese neuerwecken bzw. hat sich bereits im 19. Jahrhundert künstlich welche geschaffen.


Doch wie soll das gerade bei all der Verklemmtheit zustande kommen, die teilweise noch in unserer Gesellschaft herrscht? Die Distanz vor dem nackten Körper des Gegenübers ist einprogrammiert und wird erst mit der Zeit und angstfreien Erfahrung langsam abgebaut. Die schützenden Hüllen fallen und der Mensch wie er ist, steht vor einem - Naturreligion hat viel mit Ehrlichkeit zu tun. Im folgenden eine unbefangene Betrachtung von außen auf die verkündeten „Essentials":

 

„Und dann machen sie eine Orgie, geilen sich aneinander auf und bumsen wie die Wilden miteinander...", hört man mehr oder weniger laut wispern von Jugendschützern...

 

Das Gegenteil ist der Fall: Bei einem unbekleideten Ritual, sofern es sich nicht um kommerzielle oder andere betrügerische Aktionen handelt, steht die sexuelle Spannung im Hintergrund. Sie interessiert nicht, da die (wenn es gelang) aufgebaute Energie einen viel höheren Reiz ausübt. Sexualität transformiert sich in diesem Fall von selbst, die Freude an der Schönheit eines nackten Körpers überwiegt den Reiz der Hormone.

 

Beschreiben kann man dieses Gefühl, welches in einem solchen Ritual unter freiem Himmel entsteht, nur schwer. Man sollte es einfach selbst erlebt haben. Wer dann einmal mitten drin gesteckt hat, hat damit auch einen großen Teil der kollektiven Tabu-Programmierung der „herrschenden Moral" hinter sich gelassen, welche nur „angezogen" zu wirken scheint. Nur zwingen sollte man sich nicht zur Nacktheit - allein freien Willens sollte man diesen Weg beschreiten.

 

Schauen wir als Nur-Beobachter in die Geschichte menschlicher Gesellschaften: Vom Anbeginn der Welten steht die Verschmelzung zweier Gegensätze an erster Stelle jeglichen Lebens und ganz besonders mystischer Arbeit. Fruchtbarkeit ist überlebensnotwendig. Heute aber wird die Fruchtbarkeit des Menschen zur Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht auf unserer Mutter Erde. Wissenschaftler finden heute heraus (als hätte man das nie gewußt), daß freie Sexualität gegen verschiedene Krankheiten das beste Mittel ist.

 

Was durch den Geschlechtsverkehr (von Naturreligiösen schlicht und direkt als „Ficken" benannt) entsteht, entstehen kann, weiß man sicherlich. Zumindest auf der rein „materiellen Ebene". Doch was passiert auf der „anderen Seite des Zaunes"? Daß Frauen und Männer zwar Menschen, doch an sich nicht gleich, sind, beweisen ein Blick in den Spiegel und eine nähere Betrachtung von Wahrnehmungen und Gefühlswelten der beiden Geschlechter. Auch wenn dies Genderwahnige Emma-nzen absolut nicht wahrhaben wollen.

 

Richtig ist vielmehr: Erst Mann UND Frau ergänzen einander zum Menschen. Wie manchem ebenfalls bekannt sein dürfte, tragen wir ja alle männliche und weibliche Seelenanteile in uns, die unsere Persönlichkeit prägen und in den meisten Fällen alles andere als ausgewogen sind (gleichgeschlechtliche Sexualität soll hier und im weiteren außer Betrachtung bleiben).

 

Beim „Ficken" nun verschmelzen weibliche und männliche Energien zu der des Menschen. Das mag sich simpel anhören. Doch die Folgen in diesem Bereich des Lebens sind den wenigsten bekannt: Es entsteht ein „Energiekörper" - der sogenannte Dritte, der eine Eins ist. (Eins und Eins gleich Eins = Mathematik der Sexualität) Und dieser Dritte ist ziemlich lebendig, wie Paare feststellen können, die weniger auf die seelischen, als auf die körperlichen Reize hörten und die zu früh miteinander das Lager teilten.

 

Das Ergebnis erschreckt meistens beide Partner so stark, daß sie voreinander davon laufen, da der (unbekannte) Dritte eben eine „energetische Verschmelzung" der beiden ungleichen (Seelen-)Partner darstellt.

 

Diese Verschmelzung kann man sich zunutze machen, heißt es. Denn in den alten magischen Traditionen und Mysterien gehört das (teilweise noch heute) zum ganz alltäglichen Leben.

 

Diese rituelle Vereinigung verlangt von beiden Partnern jedoch vollkommene Beherrschung. Um diesen Akt richtig zu vollziehen, müssen beide Partner die Kraft des Blicks, des Gedankenlesens sowie die Herrschaft über das innere Feuer besitzen, heißt es weiter. Denn diese Fähigkeiten seien notwendig, um den sexuellen Instinkt beherrschen zu können. Beide Partner müssen dabei aber vollkommen nackt sein: Denn wie am Tage der Geburt soll der Körper von jeglichem Beiwerk befreit sein.

 

Auch die Wahl des Ortes sei wichtig, er sollte einem Feenkreis ähnlich sein. Das wäre im Idealfall eine Waldlichtung, wie man sie gelegentlich antreffen kann, und die mit wilden Gräsern bewachsen ist. Der liegende Mann soll dabei soweit wie irgend möglich den Boden berühren. Der Nacken, das Rückgrat und die Fersen müssen mit der Erde eins sein. Während der Vereinigung mit dem Partner unternimmt die Frau dagegen alles, um jegliche Berührung mit dem Boden zu vermeiden.

 

Daher sollte an diesem Ort ein altar-ähnliches Möbel (wobei auch eine Decke ausreichend sein kann) aufgestellt werden, auf den er sich legt und durch den sie schließlich selbst zum lebenden Altar wird. Dieser Altar bzw. dieses seltsame Ehebett soll sich nach der transversalen Achse des Sonnenaufgangs und -untergangs richten.

 

Naturreligiöse sagen dazu: Beide Partner fixieren mit ihrem Blick die Sterne. Sobald ihre Hände ineinander verschränkt sind, dürfen sich die Körper nicht mehr bewegen. Ihre Atmung soll durch Handdruck gleichgeschaltet werden. Dieser Druck der Hände gegeneinander läßt alle Muskeln der Körper spielen. Für den Mann besteht die Kunst darin, seinen Orgasmus unter äußerster Willensanspannung so lange wie möglich hinauszuschieben - mit Hilfe von Ruhepausen, und mittels bestimmter Muskelanspannungen. Die Frau verhält sich ihrereseits so, daß sie gleichzeitig vom physischen Körper ihres Partners wie vom Wunsch nach vollkommener körperlicher und psychischer Sättigung getragen wird.

 

Der Blick, der das Himmelsgewölbe fixiert, bringt die Körper dagegen in eine Art senkrechtes Gleichgewicht, der die Waagrechte ausgleicht, die durch den liegenden, schwebenden Rücken der Frau gebildet wird.

 

Dieser Ausgleich der Gegensätze soll etwa zwei bis fünf Stunden dauern. Die Frau wird dabei vollkommen erschöpft, und die Rückkehr zu den normalen Lebensgewohnheiten kann meist erst nach Ablauf eines Mondes erfolgen. Für die Dauer einer Woche würden die beiden Beteiligten in einem Zustand außergewöhnlicher Klarheit bleiben, heißt es weiter.

 

Nachdem diese rituelle Vereinigung einmal vollzogen worden ist, trennen sie sich, um sich nie mehr wiederzusehen.

 

WAS? Dieses Paar wird sich nach dem Austausch der Kräfte nie wieder sehen?!?

 

Betrachten wir uns hingegen den alltäglichen Umgang mit der Sexualität, so könnte der erste Trugschluß zu einer Entheiligung dieses Liebesrituals führe. Doch nach den alten Lehren ist der Augenblick so heilig wie das ganze Leben. Was für uns Heutige doch nicht so verständlich sein dürfte.

 

Sexualität ohne Liebe führt aus dem Gleichgewicht heraus, so lautet doch der Warnruf diverser „Schützer"! Auch mit Hinweisen auf Verantwortungslosigkeit, Unmoral und vor allem Geschlechtskrankheiten.

 

Aber, das solle man bedenken: Wie in allen spirituellen (Hoch-)Kulturen steht auch in diesem Fall die Befriedigung der Frau an erster Stelle und eben nicht der lechzende Trieb des Mannes, seine überschüssige Spermien-Energie loszuwerden.

 

 

Siegfried R. Krebs

 



 
23.04.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ