Deftige Krimikost aus Rosenheim – aber einzigartig gut

WEIMAR. (fgw) „Drei Zimmer, Küche, Sarg“ ist nicht nur Heinz von Wilks dritter Krimi um den privatisierenden Ex-Bullen Max Auer, sondern zugleich sein 17. Buch überhaupt. Darin bestätigt Heinz von Wilk sein Alleinstellungsmerkmal als begnadeter Autor im Stile früherer Wander-Geschichtenerzähler. Seine Sprache ist deftig bodenständig und stets auf den Punkt kommend, also frei von jedweder Genderei und sprachpolizeilich verordneter „politischer Korrektheit“. Welch ein Kontrast zu der faden „Literatur von der Stange“. Kurz und bündig: Auch das 17. Buch aus seiner Feder ist einzigartig gut. Nicht zuletzt, weil es von der ersten Seite an fesselnd erzählt den anspruchsvollen Leser in den Bann zieht.


Der Rezensent weiß aber, daß die „Schreibe", der Erzählstil, des Heinz von Wilk durchaus polarisiert. Die einen lieben ihn, andere lehnen ihn ab. Aber seine deftige Krimikost ist allemal bekömmlicher als die als Krimis getarnte „Convenience Food" vom Grabbeltisch... Und der Rezensent bekennt, daß er direkt süchtig nach den Wilk-Büchern ist, denn er liebt schmackhafte natürliche Hausmannskost und verschmäht die künstlichen, gekünstelten, „Leckereien" aus der TK-Assiette.

 

Eigentlich dürften diese wertenden Sätze schon ausreichend sein für eine Besprechung auch des vorliegenden Bandes. Aber selbstverständlich soll hier doch noch eine kurze inhaltliche Vorstellung erfolgen.

 

Eines schönen Tages wird Max Auer vom Rosenheimer Baulöwen und Immobilienhai Schiermeier zu einem Gespräch gebeten. Auer soll den jüngeren Bruder des Unternehmers auslösen und befreien. Denn der jüngere Bruder ist aufgrund seines leichtlebigen Lebenswandels in die Fänge von Kredithaien geraten. Auer lehnt zunächst ab. Doch es soll bald anders kommen, denn seine Liebste, die Rosi, ist in Nöten. Also willigt Auer ein, damit die Rosi in Laden und Wohnung bleiben kann - eben jener Schiermeier ist ihr Vermieter. Und er macht sich auf den Weg nach Salzburg. Dort gelingt es ihm mit Hilfe von zweifelhaften Personen, den jüngeren Bruder zu befreien und ihn zurück nach Rosenheim zu bringen. Damit wäre die Geschichte eigentlich zuende.

 

Doch der Auer läßt sich zwar für seine Dienste bezahlen, aber er ist nie und nimmer käuflich. Und so beginnt, er Fragen zu stellen. Denn just zu dieser Zeit werden in mehreren Wohnungen des Schiermeier tote Jamaikaner, Frauen wie Männer, gefunden. Erschossen, was trotz gelegter Brände herauskommt. Welche Geschäfte betreibt der Schiermeier eigentlich? Und was ist wirklich mit dem jüngeren Bruder? Ach, hätte der Schiermeier doch bloß den Auer nicht beauftragt. Denn nun kommt vieles ans Licht. Auch der tödliche „Unglücksfall" des Mannes von Auers Tante Friedl. Und dann kommt auch noch die Silikon-Walli wieder ins Spiel, deren krimineller Lebensgefährte in Spanien ermordet wird...

 

Bei der Lektüre dieses Buches sollte man die ersten beiden Bände am besten bei der Hand haben. Denn nun klärt sich manches auf, was seinerzeit nur angedeutet war oder im Dunklen blieb.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollen die würzenden Zutaten in dieser deftigen, spannenden, vergnüglichen Krimikost: der schwarze Humor (ist nicht rassistisch gemeint, wie nun vielleicht gendernde Grünlinge meinen wöllten), die köstliche Satire, die Situationskomik und die skurrilen Typen allerorten. Dazu die vielen Anspielungen auf diverse TV-Sendungen (heuer Formate benamst), inklusive der Spitznamen darin (z.B. „Inkasso-Heinzi" oder „der Erichsen"). Besonders köstlich ist außerdem der österreichische Dialekt bei den Szenen in Salzburg. Diese Dialoge sollte man nicht leise lesen, sondern laut aussprechen. Erst dann entfalten die richtig ihre Wirkung, ihr Aroma.

 

Und was die Spitzen gegen die hierzulande grassierende gendernde politische Korrektheit angeht, so sind die nicht nur gekonnt formuliert, sondern zum Nachdenken anregend. Bravo, danke, lieber Heinz von Wilk.

 

Und der wäre nicht er selbst, wenn er nicht immer wieder als Ich-Erzähler erklärend in die Handlung eingreifen täte. Natürlich dürfen auch einige reale Küchenrezepte, geschickt in die Geschehnisse eingebaut, nicht fehlen.

 

Angedeutet wird, daß es aber immer noch kein Ende der Geschichte gibt. Nur Tante Friedls toter Ehemann soll endlich zur Ruhe kommen und nicht länger als Asche durch die Sanduhr auf dem Kaminsims rinnen. Also, freuen wir uns schon jetzt auf den vierten Max-Auer-Band.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heinz von Wilk: Drei Zimmer, Küche, Sarg. Kriminalroman. 282 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-0022-3

 



 
05.10.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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