Der Auer-Max und die Silikon-Wally im Babylon Rosenheim

WEIMAR. (fgw) Vor einem Jahr gab der Rezensent seiner Hoffnung Ausdruck, Heinz von Wilk möge seinem Krimi „Leberkäs-Porno“ recht bald einen weiteren Roman gleicher Güte folgen lassen. Und... Heinz von Wilk hat diese Erwartung nicht enttäuscht, denn mit „Babylon Rosenheim“ ist ihm erneut eine Krimi-Groteske vom Feinsten gelungen.


Und auch für den vorliegenden zweiten Band gilt die Feststellung: Die Bezeichnung dieses Buches als Kriminalroman ist jedoch eine sachlich-nüchterne Untertreibung. Denn in Wirklichkeit hat Heinz von Wilk eine Kriminalkomödie vorgelegt. Nein, selbst das trifft es nicht so recht. Dieser Roman ist alles in allem eine Krimi-Groteske, aber eine vom Allerfeinsten.

 

Auch „Babylon Rosenheim" ist von A bis Z herzerfrischend zu lesen, nicht nur wegen der humorvollen Sprache an sich. Dazu tragen auch diverse Anspielungen auf Krimi-Filme und -serien ebenso bei wie die auf Akteure in solchen Streifen. Selbstverständlich gibt es wieder etliches an Wortwitz und Wortspielereien bzw. „Umschreibungen" (um nicht zu sagen: Lebensweisheiten) zu lesen.

 

Herzerfrischend sind nicht minder die kauzigen, schrägen, skurrilen Charaktere, denen der Protagonist, der Ex-Polizist Max Auer, in Rosenheim über den Weg läuft. Und die sich daraus ergebende Situationskomik. - Nur daß die televisionären „Rosenheim-Cops" („es gabat a Leich") nicht dabei sind.

 

Herzerfrischend ist aber vor allem, daß und wie der Erzähler seine Leser stets direkt anspricht und das mit einem vertrauten „du" - so wie es in längst vergangenen Zeiten die wandernden Märchenerzähler taten. Mit gleich zwei Nachworten endet der Roman und man fühlt sich auch da wieder wie in jenen Zeiten, als der wandernde Märchenerzähler irgendwann erschöpft war und so seine Zuhörer zum Wiederkommen einlud. Und der sich auf diese Weise sein karges Brot, ein wenig Speck und sauren Wein verdienen mußte und konnte.

 

Und nicht zuletzt erkennt der Leser wiederum Anleihen bei Johannes Mario Simmel („Es muß nicht immer Kaviar sein."), wenn ganz urplötzlich und mitten im Geschehen ein Rezept und dessen Zubereitung detailliert beschrieben werden. Rezepte, die sogar ein Nicht-Bayer problemlos nachkochen und mit lukullischem Genuß verspeisen kann.

 

Achso, und was ist nun mit dem Inhalt dieses Buches? Der ist so köstlich zu lesen, daß dem Rezensenten eine knappe Beschreibung einfach nicht gelingen will. Es soll aber dennoch versucht werden:

 

Eines schönen Tages wird Früh-Pensionär Max Auer - „der Auer Max" wie ihn der Erzähler stets nennt - beim Frühstück vom Liebhaber seiner Tante Friedl mit einem Zeitungsartikel konfrontiert. Darin heißt es, im Inn habe man eine seltsam verschnürte Leiche gefunden. Das Opfer habe zu einer erfolgreichen Geldräuberbande gehört.

 

Wie sich später herausstellt, gehörten der Bande insgesamt drei Männer an und die Millionenbeute ist bis heute nirgends aufgetaucht. Eines der Bandenmitglieder, ein gewisser Günter Laim, ist auf der Flucht. Auf der Flucht nicht nur vor der Polizei, denn vor allem wird er von Killern einiger Unterwelt-Bosse gejagt. Denn die erfolgreichen Coups des Trios waren eben nicht auf eigenem Können gegründet. Es gab Auftrag- und Tippgeber, denen die ausführenden Räuber nun einiges an Geld schulden. Und eben jenes Günters Gschpusi, die bewußte Silikon-Wally, lebt in Rosenheim und betreibt dort eine gut frequentierte Nachtbar.

 

Die Wally bekommt alsbald bedrohlichen Besuch vom „schönen Adi", der den Günter aufspüren soll. In ihrer Not bittet die Frau, die wegen ihres naturbelassenen Körperbaus auch als das achte Weltwunder bezeichnet wird, den Auer Max über den aus dem „Leberkäs-Porno" bekannten „Chili" um Hilfe. Der sagt schließlich auch zu. Vor allem motiviert ihn Wallys Erscheinung und er versucht, auf eine ganz besondere Weise bei ihr zu landen. Doch kurz vor dem Erfolg nimmt die Wally auf seinem Handy einen Anruf der „Nutella-Rosi" - Auers Liebster - an. Die Katastrophe auf gleich drei Seiten kann man sich lebhaft vorstellen. Im Folgenden hat der Auer Max alle Hände voll zu tun, die zarten Liebesbande wieder zu knüpfen. Diese Stunden in Wallys Wohnung sind ein markantes Beispiel für die einzigartige Situationskomik aus der Feder Heinz von Wilks.

 

Ein anderes solches Beispiel ist die Folterszene des „schönen Adi" in „Chilis" Etablissement. Wobei es eigentlich gar keine Folterungen gibt. Die spielt sich nur im Kopfe des bedauernswerten Mannes ab. Allerdings befördert durch dessen diverse Errungenschaften in Schönheitssalons, sodaß er doch „Federn lassen muß". Nebenbei, dem Auer haftet in Unterweltkreisen ein gar schrecklicher Ruf an, auf den hier aber nicht eingangen werden soll.

 

Die Wally will nun nur noch mit ihrem Günter - und den Millionen - ins Ausland, was der Auer Max eigentlich nicht gutheißen kann. Aber, es gibt immer auch ein Aber. Der Auer findet einen Ausweg, der alle Seiten zufriedenstellen dürfte. Zum einen bekommt er dadurch die Gelegenheit, sich wieder bei der Rosi ins Bett zu legen. Zum anderen weiß er nun, wer die Hintermänner des Räubertrios sind. Die jedoch konnten noch nie von der Polizei überführt werden. Aber der Auer hat eine Idee, die auch genial gelingt und die sich die Polizei uneingeschränkt auf die eigenen Fahnen festen darf. Mit der Dingfestmachung der Bosse ist für den Auer der Gerechtigkeit genüge getan, also kann er die Wally und ihren Günter doch ziehen lassen. Zumal ja die Beraubten alle gut versichert waren.

 

Es gibt aber noch wesentlich mehr an Ereignissen und Dialogen zu lesen. Auch bleiben Fragen offen bzw. werden angedeutet, sodaß Heinz von Wilks dritter Streich wohl bald seinen Weg zu einer erwartungfreudigen Leserschaft finden dürfte.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heinz von Wilk: Babylon Rosenheim. Kriminalroman. 282 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 15,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2688-9

 



 
18.07.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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