Der Fluch des dritten Bandes trifft jetzt Walli Winzer

WEIMAR. (fgw) Aller guten Dinge sind leider doch nicht immer drei. Und diesmal hat es Maria Publig erwischt, deren aktueller Roman „Waldviertelfluch“ um die Hobby-Detektivin Walli Winzer nicht an die Qualität der beiden vorhergehenden (und wirklich spitzenmäßigen) Bücher anschließen kann. Leider. Enttäuschend. Schade. Überaus ärgerlich.


Dabei ist der Autorin „handwerklich" nichts vorzuwerfen. Nein, sie kann schreiben - abgesehen von der genderwahnigen Verhunzung der deutschen Sprache, und insbesondere Situationen, Milieus gekonnt und anschaulich beschreiben, gute Sätze bilden und glaubwürdige Dialoge formulieren. Nur an einer glaubhaften „Geschichte" mangelt es diesmal, so daß auch nur wenig Spannung aufkommt. Und das obwohl das vorliegende Buch mit einem gar köstlichen Geniestreich beginnt!

 

Walli Winzer (!) flaniert und flirtet bei einem Empfang mit Weinverkostung auf einem Weingut im Waldviertel. Sie ist da ganz in ihrem Element als großstädtische PR-Lady . Und just zu dieser Zeit kommt der Gastgeber und prominente Winzer-Funktionär (!) in seinem Weinkeller zu Tode. Wie sich sehr rasch herausstellt, ist der Mann, obwohl unbeobachtet, quasi vor aller Augen ermordet worden. Einschließlich denen der Polizei in Person des Oberst Dr. Ludwig Weichselbaumer vom Landeskriminalamt.

 

Was geschieht also in dieser Geschichte?

 

Wallis PR-Agentur hat den Auftrag übernommen, in Wien die Vernissage einer russischen Galerie zu organisieren. Und dort soll Riesling aus dem Waldviertel kredenzt werden. Deshalb läßt die Winzer sich bei einem Winzer sehen. Hier begegnet sie auch einer gewissen Olga Karnikoff, der Vertrauten eines russischen Oligarchen und vorgeblichen Kunstmäzens. Wobei diese Frau, wenn sie denn eine Russin sein soll, real Karnikowa heißen müßte... Nebenbei, weil die sehr attraktiveRussin ebenfalls mit dem Polizei-Oberst flirtet, erwacht in Walli verständlicherweise Eifersucht.

 

Da der zu Tode gekommene Winzer äußerst prominent war und sich bei der Party auf dessen Gut etliche Promis aus Politik und Wirtschaft tummelten, will Weichselbaumer jedwedes Aufsehen vermeiden und beauftragt Walli ganz offiziell mit dem inoffiziellen Ermitteln. Sehr zum Leidwesen des örtlichen Polizisten Sepp Grubinger. Doch es gelingt Walli heuer ewig lang nicht, irgendetwas Substantielles herauszubekommen: Also, wer beging den Mord? Was war das Motiv. Warum mußte auch die Witwe sterben?

 

Derweil streiten sich die beiden Söhne des Toten ums Erbe, während die Witwe sich merkwürdigerweise bedeckt hält. Bald darauf wird auch sie tot aufgefunden. Man erfährt dann einiges über die Probleme der Brüder. Natürlich ist eine Frau die Ursache ihres Zwists. In dieser Familie haben alle so ihre Geheimnisse. Das betrifft auch die Enkel. Insbesondere der Sohn des Haupterben will unbedingt Mitglied eines obskuren Männervereins werden. Und so tun sich weitere Konflikte auf, in die dessen Schwester sowie deren Freundinnen involviert sind.

 

Irgendwann gewinnt eine Schatulle aus dem Nachlaß des ermordeten Winzers große Bedeutung. Die aber wandert von Hand zu Hand. Welches Geheimnis kann deren Inhalt möglicherweise offenbaren? Eigentlich spannend das alles. Aber Spannung will einfach nicht aufkommen. Das Geschehen plätschert nur so dahin. Echten Lese-Genuß bereitet daher letztlich nur der sich durch alle drei Bücher hinziehende Erzählstrang zu Wallis Kater Filou.

 

Stattdessen arbeitet sich die Autorin wohl zeitgeistbedingt an Klischees ab und bedient mit der Person Olgas schlimmsten Antikommunismus/Antisowjetismus (Stichwort u.a. Gulag) und aktuelle Russophobie (kriminelle Oligarchen u.a.).

 

Und waren bis dato die diversen Charaktere in Publigs Büchern, auch im vorliegenden, stimmig, so trifft das auf Person und Lebenslauf der „Karnikoff" keinesfalls zu.

 

Wer zuvor mit wachsender Begeisterung die ersten beiden Bände („Waldviertelmorde", 2018, und „Killerkarpfen", 2019) gelesen und auf baldige Fortsetzung dieser spannenden, humorvollen und mit Esprit gesegneten 1a-Krimis gehofft hatte, der wird nun heuer um so mehr enttäuscht.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Maria Publig: Waldviertelfluch. Kriminalroman. 316 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2601-8

 



 
28.03.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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