Der „Herr der Drohnen“ auf Serienmörder-Jagd in Hannover

WEIMAR. (fgw) Seit diesem Jahr zählt der Hildesheimer Peter Hereld zu den Autoren des Bookspot-Verlages. Und hat gleich mit seinem Debüt „Herr der Drohnen“ einen in jeder Hinsicht rasanten Thriller vorgelegt. Rasant nicht nur wegen des schnellen Hilfsmittels, den Drohnen, sondern vor allem durch eine in sich stimmige und sich stetig steigernde Handlung mit Spannungsmomenten, die fürwahr „unter die Haut gehen“.


Hannover im Hier und Heute: Simon Engels ist eigentlich in vielerlei Hinsicht ein Versager. Aber immerhin hat er aus seinem Hobby als „Drohnenpilot" eine einträgliche Beschäftigung machen können. Doch auch hierbei ging nicht alles glatt, kam er gar durch einen Groß-Auftrag mit dem Gesetz in Konflikt. Derzeit ist er daher nur für eine eher dubiose Privatdetektei als Schnüffler in Sachen Ehebruch tätig.

 

Und da kommt er auch recht bald wieder in die Bredouille. Ausgerechnet bei schlimmen Regenwetter soll er einen Mann beim Fremdgehen per Drohnen-Foto in flagranti erwischen. Doch aus lauter Langeweile beobachtet er alle beleuchteten Zimmer des Stundenhotels. Und dabei sieht er, wie ein Mann eine Frau bestialisch ermordet. In diesem Zusammenhang passieren gleich zwei Malheurs: Zum einen kracht die Drohne gegen das betreffende Zimmerfenster und stürzt dann ab, damit geht auch die Speicherkarte der Minikamera verloren. Zum anderen bemerkt der Mörder, daß er beobachtet wird und kann sogar feststellen durch wen. Denn Simons Auto nebst Kennzeichen ist leider zu deutlich für ihn zu erkennen.

 

Was tun - heißt es nun für beide Seiten. Simon eilt tatsächlich zur Polizei. Doch die Beamten wollen ihm einfach nicht glauben, zumal er keinerlei Beweise vorlegen kann. Und der Mörder, es handelt sich um den Schönheitschirurgen Dr. Raimund Krups, muß zunächst den Tatort schnellsten reinigen und dann die Leiche entsorgen. Vor allem aber will er den unliebsamen Zeugen beseitigen.

 

Auch wenn Simon auf der Polizeiwache abgewimmelt wird, schenkt ihm dennoch der junge Oberkommissar René Münck Glauben. Doch als der das Hotelzimmer in Augenschein nimmt, sind dort keinerlei Spuren zu erkennen.

 

Krups ist demgegenüber gewiefter und er kann über das notierte Kfz.-Kennzeichen dessen Halter feststellen. Flugs begibt er sich zu diesem, erkennt aber, daß dieser nicht der Detektiv sein kann. Dennoch tötet er den PKW-Besitzer. Krups konnte jedoch noch in Erfahrung bringen, was er wissen wollte. Doch Simon entkommt ihm in letzter Minute. Er hatte seinen Kompagnon besuchen wollen, traf aber nur doch dessen Leiche an und zog daraus seine (richtigen) Schlußfolgerungen.

 

Simon weiß sich da nur einen Rat. Er muß untertauchen und gleichzeitig den Mörder ausfindig machen. In seiner Not wendet er sich an Alex(andra) Feyndt, die junge Inhaberin einer Detektei, für die er auch schon mal tätig gewesen war.

 

Der neue Todesfall wird recht bald entdeckt und Münck kann nun offiziell und sehr ernsthaft die Ermittlungen aufnehmen. Aber dabei gerät sogar Simon durch verschiedene Umstände in Verdacht. Eher zufällig kommt jedoch etwas anderes in den Fokus der Kripo: In der Region sind in den letzten Monaten verschiedene junge Frauen spurlos verschwunden. Diese ähneln im Aussehen alle der Beschreibung, die Simon von „seinem" Mordopfer abgeben konnte. Man muß nun also von einem Serienmörder ausgehen.

 

Zurück zum untergetauchten Simon: Alexa ist zunächst hin- und hergerissen. Sie entscheidet sich jedoch bald, diesem nicht nur zu glauben, sondern vor allem dafür, ihm bei seiner Suche zu helfen.

 

Sowohl Alexa und Simon als auch Münck stoßen bei den jeweiligen Recherchen auf ein Dating-Portal, auf welchen alle spurlos verschwundenen Frauen auf Partnersuche unterwegs waren. Um dem Mörder eine Falle zu stellen, stellt Alexa sich als Lockvogel zur Verfügung. Sie verabredet sich mit einem verdächtigen Mann. Dieses Treffen soll Simon per Drohne beobachten. Doch ein Gewitterguß durchkreuzt diesen Plan. Und der Mann ist auch nicht der Gesuchte. Der aber hat sich jedoch zeitgleich ebenfalls wieder verabredet...

 

Fast wollen Simon und Alexa schon aufgeben, da bringt ein Zufall sie in Kontakt mit dem mordenden Arzt. Nun wird es gefährlich, ja sogar lebensgefährlich für Alexa. Diese wird als erstes einmal entführt. Simon bekommt das glücklicherweise noch rechtzeitig mit... Wie aber nun geht es weiter? Was unternimmt die Polizei, die wieder einmal eher nach Simon fahndet. Jetzt steigern sich Ereignisse und Spannung wirklich immer rasanter.

 

Was den Thriller ausmacht, das zeigt sich insbesondere in dem Psychogramm, das Hereld von dem in Serie mordenden Schönheitschirurgen sehr glaubhaft zeichnet. Warum wurde der zum Mörder, wo liegen die Ursachen, was ist der Auslöser für die einzelnen Taten? Das wird bereits frühzeitig angedeutet und schließlich immer komplexer erzählt. Ebenfalls frühzeitig wird offengelegt, wie der Arzt die Leichen auf geniale Weise verschwinden lassen konnte.

 

Wenn etwas negativ anzumerken ist, dann ist das nicht der Geschichte an sich anzulasten. Denn Hereld bringt hierin durchaus aktuelle Diskurse ein, wenn er indirekt - per Gedanken des Kommissars - für eine Totalüberwachung der Bevölkerung mittels einer DNS-Datenbank für alle Menschen hierzulande plädiert. Aber kann eine solche Datensammelwut wirklich Kapitalverbrechen verhindern? Wohl kaum!

 

Das führt zu einer weiteren kritischen Anmerkung, die mit dem Genre Krimi/Thriller generell zu tun hat: Warum muß es darin immer auch zu Liebesbeziehungen kommen, wie hier die zwischen Simon und Alexa? Wäre es nicht glaubhafter, wenn Hilfe und Unterstützung auf der Basis von Kollegialität, Freundschaft, Solidariät geleistet würden?!

 

Ein winzig kleiner Fehler geht aber zu Lasten von Autor und Lektorat: Auf Seite 143 stellt sich ein Polizeibeamter als „Polizeiwachtmeister" vor. Dieser Dienstgrad ist jedoch bei den bundesdeutschen Polizeien schon seit Jahrzehnten außer Gebrauch. Dennoch: Dieser eine Schnitzer mindert die Qualität absolut nicht, sorgt eher für ein amüsantes Grienen. Vielleicht aber war das sogar so beabsichtigt! Warum? Denn dieser Gesetzeshüter heißt Haarmann. Haarmann hieß aber auch ein Serienmörder der im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts, sein Unwesen in Hannover trieb. Und seinerzeit gab es noch Wachtmeister in Hülle und Fülle. Das aber nur nebenbei.

 

Man kann jetzt nur hoffen, daß von Peter Hereld recht bald weitere Spannungsliteratur im Boopspot-Verlag erscheinen möge.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Peter Hereld: Herr der Drohnen. Thriller. Klappenbroschur. 304 S. Edition 211 im Bookspot-Verlag. Planegg 2019. 12,95 Euro. ISBN 978-3-95669-128-7

 



 
16.12.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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