Der „Klimawandel“ überwuchert die Leiche am Juister Strand

WEIMAR. (fgw) Kriminelles auf Juist... Eigentlich geht es auf der beliebten kleinen ostfriesischen Ferieninsel Juist beschaulich zu. Fernab des Stress' von Großstädten genießen hier in noch überschaubarer Zahl Urlauber Meeresrauschen und Sonnenuntergänge.


Doch der in Medien und Politik vielbeschworene Klimawandel macht auch vor Juist nicht halt. Wissenschaftliche Studien und Pläne der Landespolitik gehen davon aus, daß Juist in allzunaher Zeit überflutet werden könnte. Daher müßten die Deiche erhöht werden. Was nun aber die Hotelliers und Pensionsbesitzer nicht freut, denn dann könnten sie ihren Gästen keinen freien Blick mehr aufs Wattenmehr bieten. Das Thema Klimawandel trennt also die Insulaner in zwei Fraktionen: Pro oder kontra Deicherhöhung. Bei der jüngsten Bürgermeisterwahl hat der Sprecher der Kontra-Fraktion, der Hotelier Willi Felthuis, den Sieg davongetragen, wenngleich mit nur einer Stimme Mehrheit.

 

Und nur kurze Zeit später wird am Strand eine Leiche aufgefunden. Es ist Willi Felthuis. Er ist aber nicht ertrunken, sondern erstochen worden. Und der Fundort ist nicht der Tatort. Nun schlagen die Wellen hoch. Wer könnte diese Untat begangen haben? Gegner hatte Feldhuis ja viele. Sehr viele. Aber wer seiner politischen Gegner würde zu solch extremen Mitteln greifen?

 

Zur Aufklärung des Falles werden die Auricher Hauptkommissarin Tanja Itzenga und ihr Kollege Ulfert Ulferts auf die Insel geschickt. Dort führen sie mit allen möglichen Verdächtigen oder zumindest potentiellen Zeugen viele Gespräche. Oder Befragungen. Bald schon kristallisiert sich für sie etwas heraus, das dem Leser bereits seit dem Prolog und den ersten Kapiteln bekannt ist: Felthuis kam im Domizil einer Jugend-Umweltschützergruppe ums Leben. Sie haben damit zwar mit dem Tötungsverbrechen zu tun, doch sie schafften die Leiche weg - das Meer sollte sie wegschwimmen. Das natürlich verkompliziert alle Ermittlungen. Einige Insulaner haben in der Tat etwas gesehen bzw. bemerkt, doch sie schweigen oder halten dies nicht für relevant. Dafür werden den Kriminalisten diverse Hinweise auf einen Mitbürger gegeben, der dort in jeder Hinsicht ein Außenseiter ist. Und zwischendurch hat der Autor noch einige kurze Kapitel eingestreut, in denen zwei Menschen „fremdgehen". Wer aber sind diese? Dieser Strang bleibt der Kommissaren verborgen...

 

Alles in allem: Der Leser ist den Kriminalisten zumeist mindestens einen Schritt voraus, was doch einen ganz besonderen Reiz hat.

 

Doch schließlich lüftet sich das Dunkel. Offenbar werden Täter und Motiv! Und auch die Verwicklungen so einiger Menschen in den doch insgesamt komplexen Fall. Wenngleich überwiegend nur auf Umwegen, so zählt letztlich der Erfolg. Und die Jugendlichen kommen so mit einem „blauen Auge" davon, das soll hier schon vermeldet sein dürfen.

 

Was bis hier recht „langweilig" scheinen mag, beginnt im relativ langen Prolog allerdings wie ein Thriller: Denn dem Leser wird in aller Deutlichkeit das elendige Sterben des Felthuis beschrieben, auch die Reaktionen eines dabei anwesenden maskierten Mannes.

 

Noch so manches andere kann für den Leser reizvoll sein: Neben den typisch friesischen Namen vor allem die Diskussionen in der Jugendgruppe - nicht nur ums Thema Leichenentsorgung - und ebenso die Debatten unter den Juister Honoratioren. Dazu werden noch viele Nebenfiguren eingeführt, die die temporäre Inselwelt auf die eine oder andere Weise bereichern und die mitunter sogar hilfreiche Bemerkungen machen.

 

Was allerdings stört und mitunter sogar deutlich nervt: Der Krimi ist über lange Strecken zu „theorielastig", was das Thema Klimawandel angeht. Hier hat der Autor einfach des Guten zu viel getan! Weniger wäre mehr bzw. besser gewesen. Schließlich soll das Buch doch ein Krimi sein und keine „grüne Abhandlung"...

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Hardy Pundt: Strandleiche. Küsten-Krimi. 348 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2018. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2341-3

 

 



 
21.08.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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