Der „Leberkäs-Porno“ – eine Krimigroteske vom Feinsten

WEIMAR. (fgw) Als Nicht-Bajuware möchte man sich tatsächlich vor (geistigem) Vergnügen auf die in Krachledernen steckenden Oberschenkel klopfen. Und vor Begeisterung dann auch noch einen Schuhplattler aufs imaginäre Parkett hinlegen. Selbstverständlich mit einer Leberkäs-Semmel in der Hand. Warum? Weil die Lektüre von Heinz von Wilks Kriminalroman „Leberkäs-Porno“ dazu auf positiv magische Weise animiert.


Wobei, die Bezeichnung dieses Buches als Kriminalroman ist aber eine sachlich-nüchterne Untertreibung. Denn in Wirklichkeit hat Heinz von Wilk eine Kriminalkomödie vorgelegt. Nein, selbst das trifft es nicht so recht. Dieser Roman ist alles in allem eine Krimi-Groteske, aber eine vom Allerfeinsten.

 

Der Roman ist von A bis Z herzerfrischend zu lesen, nicht nur wegen der humorvollen Sprache an sich. Dazu tragen auch die Anspielungen auf Krimi-Filme und -serien ebenso bei wie die auf Akteure in solchen Streifen. Herzerfrischend sind nicht minder die kauzigen, schrägen, skurrilen Charaktere, denen der Protagonist dienstlich wie privat in und bei Rosenheim über den Weg läuft. Und die sich daraus ergebende Situationskomik. - Nur daß die televisionären „Rosenheim-Cops" („es gabat al Leich") nicht dabei sind.

 

Herzerfrischend ist vor allem, daß der Erzähler seine Leser stets direkt anspricht und das mit einem vertrauten „du" - so wie es in längst vergangenen Zeiten die wandernden Märchenerzähler taten. So wird also nicht etwa beispielsweise so formuliert: „Auer ißt eine Leberkäs-Semmel." Sondern: „Der Auer ißt eine Leberkäs-Semmel." Und nicht zuletzt erkennt der Leser Anleihen bei Johannes Mario Simmel („Es muß nicht immer Kaviar sein."), wenn ganz urplötzlich und mitten im Geschehen ein Rezept und dessen Zubereitung detailliert beschrieben werden. Rezepte, die sogar ein Nicht-Bayer problemlos nachkochen und mit lukullischem Genuß verspeisen kann.

 

Und dann ist da noch etliches an Wortwitz und Wortspielereien bzw. „Umschreibungen" (um nicht zu sagen: Lebensweisheiten) zu erwähnen. Vier Beispiele mögen genügen. Von den Kapitelüberschriften soll nur diese genannt werden: „Ehrlich währt am längsten - aber wer nicht bescheißt, der kommt zu nix." (S. 41).

 

Oder aus dem Text selbst dieses: „Du wirst es in dem Moment, wo du das liest, nicht für möglich halten, aber jetzt ist der Auer Max schon ein bißchen eingeschnappt. Er kann auch nicht über den Witz von der Friedl lachen, und das, obwohl er ihn nicht gekannt hat. Weil, er ist ja halber Österreicher, und tief in seiner Seele, da überwiegt das Österreichische in ihm. Warum ein halber Österreicher, fragst du mich? Wie geht denn das? Na ja, er ist ein halber Bayer, genauer gesagt, ein Rosenheimer durch seine Mutter. Und ein halber Österreicher durch einen guten Freund seines Vaters." (S. 151)

 

Oder aber dieses: „Ein schöner Rosenstrauß unter Liebenden wiederum ist eine vertikale Anfrage für eine horizontale Angelegenheit. Meistens jedenfalls." (S. 202) Oder das hier: „Ein paar junge Leute mit 'Migrationshintergrund', um das jetzt politisch korrekt auszudrücken..." (S. 207) Und von hier ist es dann nicht weit, wenn der Autor zur Beschreibung einer meist abwesenden Hauptfigur - der „Pornoqueen" - zu dieser ebenso köstlichen wie zutreffenden Formulierung kommt: „ausgeprägter Penetrationshintergrund der Sissi" (S. 239)...

 

Auf die -zigfache Situationskomik soll deshalb hier nicht weiter eingegangen werden. Ein Tip für neugierig gewordene potentielle Leser: Also, wo und wie die Friedl, des Auers Tante, die sterblichen Überreste ihres Otti aufbewahrt.

 

Und natürlich sind all die Figuren, mit denen sich der Auer in dieser Geschichte befassen muß, nicht nur durch zwielichtige Geschäfte miteinander verquickt, sie sind auch nicht das, was sie vorgeben zu sein. Dreck hat jeder am Stecken, denn Geld und unsaubere Geschäfte, stinken ja - sprichwörtlich - nicht.

 

Achso, und was mit dem Inhalt dieses Buches? Der ist so köstlich zu lesen, daß dem Rezensenten eine knappe Beschreibung nicht gelingen will. Daher soll ausnahmsweise der Klappentext in voller Länge bzw. prägnanter Kürze zitiert werden:

 

„Nacktes & krumme Deals. Max Auer, 45, ledig, Top-Ermittler, wird bei der Münchner Sitte gefeuert - weil er zur falschen Zeit die falschen Dinge gesehen hat. Er zieht zu seiner Tante Friedl nach Rosenheim. Zur gleichen Zeit produziert Sepp Glasl auf dem Samerberg seine »Leberkäs-Pornos« - Hardcore-Streifen für den asiatischen Markt. Sissi, die Porno-Queen, verknallt sich in einen korrupten Bänker. Und Max Auer findet sich mitsamt Tante Friedl in einem Sumpf aus nacktem Fleisch und krummen Deals wieder."

 

Nur so viel noch: Max Auer hatte einen inoffiziellen Ermittlungs-, äh, Suchauftrag erhalten. Was er dabei findet und wen er dabei noch findet, gar wiederfindet, das mag jeder selbst lesend ergründen. Und natürlich auch das WIE der letztlichen Auftragserledigung. Und daher möchte der Rezensent nochmals vollumfäglich zitieren, nun aber aus dem Nachwort:

 

„Vielleicht willst du jetzt wissen, wie es weitergeht. Mit dem Max, der Rosi, der Friedl, dem Manni und all den anderen. Was wird aus den Immobiliengaunereien? Wer hat jetzt eigentlich die Schuld an Ottis Tod? Nun, ich kenne die Geschichte und werde sie dir bestimmt bald erzählen. Aber jetzt muß ich weg." (S. 311)

 

Das ist dann wieder wie in früheren Zeiten, als der wandernde Märchenerzähler erschöpft war und so seine Zuhörer zum Wiederkommen einlud. Und der sich auf diese Weise sein karges Brot, ein wenig Speck und sauren Wein verdienen mußte.

 

Also, Herr von Wilk, lassen Sie den zeitgenössischen Leser nicht zu lange warten! Nicht nur wegen der Frage, ob der zwangspensionierte Polizist vielleicht nun künftig als lizensierter Privatdetektiv ermitteln wird. Oder ob er ganz privat im privaten Umfeld „Inkasso" in Friedls Namen betreiben wird.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heinz von Wilk: Leberkäs-Porno. Kriminalroman. 312 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2019. 15,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2435-9

 



 
21.03.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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