DGHS und HLS voller Optimismus: Sommer mit Aussicht

WEIMAR. (fgw) Trotz anhaltender pandemiebedingter Einschränkungen im Wirtschaftsleben konnte auch zu diesem Quartalsbeginn die aktuelle Ausgabe der DGHS-Vierteljahreszeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS) ihre Leserschaft erreichen. Die DGHS - das heißt ausgeschrieben Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. - versteht sich als Menschenrechts- und Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung. Schwerpunktmäßig geht es in der Heft-Ausgabe 3-2020 verständlicherweise erneut um den Paragraphen 217 StGB und das dazu verkündete Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG).


Vor zu hohen Erwartungen und zugleich vor möglichen Fallstricken warnen allerdings der Schweizer Ludwig A. Minelli (Gründer von Dignitas) und Rechtsanwalt Wolfgang Putz. Minelli geht in seinem Artikel auf den bundesdeutschen Drang nach gesetzlicher Begrenzung von Freiheit ein. Bezugnehmend auf das Urteil des BverfG schreibt er u.a. über diejenigen Personen:

 

»... die sich anmaßen, andere darin zu bevormunden, wie diese sich in einer der persönlichsten Lebensfragen zu verhalten hätten, und die demzufolge die Würde jener beeinträchtigen, denen sie Vorschriften zu machen versuchen. Sie wären gut beraten, sich folgenden Satz aus dem vorgenannten Entscheid des Bundesverfassungsgerichts zu verinnerlichen:

 

„Die Entscheidung des Einzelnen, dem eigenen Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, entzieht sich einer Bewertung anhand allgemeiner Wertvorstellungen, religiöser Gebote, gesellschaftlicher Leitbilder für den Umgang mit Leben und Tod oder Überlegungen objektiver Vernünftigkeit. Sie bedarf keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung, sondern ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren."

 

Dennoch hat gewissermaßen ein Wettrennen um eine gesetzliche Regelung der Suizidhilfe in Deutschland eingesetzt. Der Bundesgesundheitsminister ist zwar durch die dringlichere Aufgabe der Bewältigung der Covid-19-Situation absorbiert, doch im Bundestag haben sich wieder überparteiliche Gruppen gebildet, die an Gesetzesvorschlägen werkeln. Doch auch außerhalb des Parlaments gibt es vielfältige Bemühungen, der vom Bundesverfassungsgericht bestätigten Freiheit auf dem Wege eines Bundesgesetzes unterschiedlich enge Grenzen zu setzen.« (S. 7-9)

 

Und Wolfgang Kautz merkt in seinem Kommentar zu solchen Bestrebungen sarkastisch an: „Danke - lieber § 217 StGB!" und stellt die Frage, was denn nun das Urteil des BVerfG bewirkt habe, da ja der § 212 StGB nach wie vor Bestand habe. Und er gibt zu bedenken:

 

»Richtig hat das Bundesverfassungsgericht erkannt, dass die verbreitete Verweigerung von Suizidhilfe durch Ärzte überhaupt erst den Bedarf für Sterbehilfeorganisationen schafft.« (S. 10-11)

 

Wie wichtig nicht nur deshalb Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten sind, darauf verweist DGHS-Präsident Prof.Dr.Dr. Dieter Birnbacher in seinem Editorial:

 

»...was wir über die Lücke wissen, die zwischen der Bekanntheit von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht in der Bevölkerung und ihrer tatsächlichen Verbreitung besteht. Es gibt kaum noch Bürger, die noch nicht von der Möglichkeit einer Patientenverfügung gehört haben. Aber 2019 sagte in einer repräsentativen Umfrage nur jeder zweite der Befragten mit über 60 Jahren, dass er eine Patientenverfügung besitze. (...) gleichzeitig zeigen Erhebungen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, dass nur die Hälfte der Patienten, die in Deutschland auf einer Intensivstation liegen, über eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht verfügt.« (S. 3)

 

Weil man nicht immer alles vorhersehen kann, auch nicht das neuartige Corona-Virus, hat die DGHS sehr rasch drei Varianten für eine diesbezügliche Ergänzung der Patientenverfügung erarbeitet. Darüber schreibt Kontaktstellenleiterin Christine Hucke auf den Seiten 4 bis 6. Auf Seite 6 weist die HLS-Redaktion noch auf die DGHS-Mitgliederleistungen „Anruf gegen unbemerktes Sterben" und „Bevollmächtigten-Börse" hin.

 

Auf die Lebensversicherung im Erbrecht und damit verbundene Gestaltungsmöglichkeiten und Risiken geht Rechtsanwalt Dr. Oliver Kautz in seiner monatlichen Kolumne ein (S. 14-15). Und über den positiven Effekt des Lachens schreibt Manuela Hauptmann auf den Seiten 12-13.

 

Trotz der Pandemie-Situation fehlen Berichte aus den Regionen nicht ganz, sie kommen aus Berlin, Köln und der Eifel, Mainz und Saarbücken. Informiert wird ferner über den neuen Arbeitskreis Freitodbegleitung und die Broschüre zum Thema Sterbefasten.

 

Selbstverständlich gibt es auch den „Blick in die Medien" und den „Blick über die Grenzen", letzterer mit Nachrichten aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Nicht fehlen dürfen die Leserbrief-Seite sowie die Austellungstips. Vier neue Bücher werden besprochen von Siegfried R. Krebs, Wega Wetzel und Claudia Wiedenmann.

 

Abgerundet wird die aktuelle Ausgabe auf den Seiten 33 und 34 durch Auszüge aus einem Buch von DGHS-Mitglied Brigitte Sattelberger, in denen sie Geschichten vom Umgang mit Abschieden und dem, was nach der Trauer kommt, erzählt.

 

Mehr Informationen zur DGHS und ihrer Zeitschrift sind auf deren Webseite zu finden.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

 



 
02.07.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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