DGHS will wieder verstärkt als Lobbyorganisation tätig werden

WEIMAR. (fgw) Überpünktlich zum 1. April wird dieser Tage die neueste Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS) mit dem Titelthema „DGHS-Neuentwicklung: Internet-Abruf Ihrer Patientenverfügung über QR-Code möglich“ ausgeliefert. Die DGHS - das heißt ausgeschrieben Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. - versteht sich als Menschenrechts- und Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung.


Doch es ist nicht die Novität, die den Schwerpunkt dieser HLS-Ausgabe ausmacht. Bereits in seinem Editorial weist der neugewählte Präsident Prof. Dr. Birnbacher auf die erfreuliche Zunahme der Beitrittserklärungen im Januar und Februar hin. Und auch auf die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit, u.a. mit der Botschaft „Die sichere Patientenverfügung - DGHS".

 

„Was bewegt Dieter Birnbacher" - so ist das Interview überschrieben, das HLS-Chefredakteurin Claudia Wiedenmann mit dem Präsidenten führte. Birnbacher sagt darin u.a. diesen Satz, der sehr deutlich auch die Stimmung der Ehrenamtler und Mitglieder seiner Organisation wiedergibt: „Ich habe allerdings bereits in der Delegiertenversammlung, die mich gewählt hat, klar gesagt, daß wir die bisherige Zurückhaltung, was die Praktizierung von Sterbehilfe betrifft, aufgeben müssen - nicht heute unter dem Damoklesschwert des § 217 StGB, aber in einer nicht allzu weiten Zukunft, in der sich die seit langem liberalen Vorstellungen der großen Mehrheit hoffentlich auch in der Rechtspolitik niedergeschlagen haben." Birnbacher erläutert, was schon heute für die DGHS möglich ist: Das „...zielt auf einen Gesetzesvorschlag, der sich erstens auf die Regelung der Suizidhilfe beschränkt und zweitens eine realistische Chance hat, an die Stelle des gegenwärtigen § 217 StGB zu treten (...) Wir favorisieren eine Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch analog zur Regelung der Patientenverfügungen, mit einzuhaltenden Sorgfaltskriterien." (S. 4 - 5)

 

In diesem Zusammenhang sollten zwei Beiträge weiter hinten im Heft gelesen werden. So die „Klare(n) Worte" von Stephanie Dehne - für die SPD Mitglied der Bremischen Bürgerschaft - zum Thema „Sterbehilfe, Laizismus und Religion". Sie spricht sich darin vehement für die Durchsetzung der verfassungsmäßig gebotenen Trennung von Staat und Kirche/Religionen aus und sie fragt, ob die gegenwärtige Praxis menschenwürdig sei: „Steht es Politikerinnen und Politikern zu, die Entscheidung des oder der Einzelnen in einer solchen Frage zu begrenzen? Ich kenne die Gegenargumente zur Sterbehilfe, dennoch möchte ich für eine differenzierte Diskussion werben, möglichst abseits religiöser Argumente. Politik muß für alle gemacht werden, auch für die Menschen, die keiner Religion angehören." (S. 23) Hinzuzufügen wäre da nur, daß derzeit mehr als ein Drittel der Bevölkerung hierzulande keiner Religion mehr angehören... Auf S. 32 sind ein Beitrag von Oliver Kautz zur positiven Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes bezüglich des Erwerbs von Medikamenten zum Zwecke des Suizids und die daraufhin erfolgte Presse-Erklärung der DGHS zu lesen.

 

Auf den Seiten 6 und 7 erläutert Oliver Kirpal, was es mit der innovativen Mitglieder-Leistung, dem individuellen QR-Code, auf sich hat. Und auf den Seiten 8 und 9 gibt DGHS-Vizepräsident Volker Leisten Tips, wie man selbst das volle Potential der eigenen Vorsorge-Maßnahmen aktivieren kann.

 

Was die Pflegeversicherung künftig erstattet, darauf geht es in einem mit -we- gezeichneten Artikel „Fünf Pflegegrade sollen mehr Gerechtigkeit bringen." Darin eine Überblicks-Tabelle mit den diversen 2017er Leistungen dieser Versicherung in Euro. Wie sich Senioren vor Unfällen in der eigenen Wohnung schützen können, darüber schreibt Manuela Hauptmann auf den Seiten 12 und 13 („Gefahr in den eigenen vier Wänden größer als im Straßenverkehr").

 

Rechtsanwalt Oliver Kautz blickt in seinem Artikel auf den Seiten 14 und 15 nach Italien, wo die Rechtslage zur Sterbehilfe weiterhin ungeklärt und umstritten ist („Nach Suizidhilfe-Fall: Quo vadis, Italia?"). Einen weiteren „Blick über die Grenzen" gibt es auf S. 26 mit Nachrichten aus Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz und den USA.

 

Informativ fällt auch in dieser Ausgabe die Rubrik „Vereinsleben" aus (S. 23 - 25) mit Berichten in Wort und Bild aus Berlin, Köln, Potsdam und Hessen. Informiert wird hier ferner über den Kooperationsvertrag des HVD Bayern mit der DGHS. Der HVD Bayern übernimmt als Angebot für seine Mitglieder die Patientenschutz- und Vorsorgemappe der DGHS. Hingewiesen wird auf S. 34 des weiteren auf eine Kölner Podiumsdiskussion im April: „Mit Sterbefasten das Leben selbstbestimmt beenden? Medizinische und rechtliche Aspekte zum freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit."

 

Natürlich finden sich der aktuellen HLS die Standard-Rubriken, so der Veranstaltungskalender April bis Juni, die Leserbriefseite, der „Blick in die Medien", die Ausstellungs-Tips und die Rezensionen. Besprochen werden hier vier Bücher zu den Themen Menschenwürde, Ärztliche Suizidbeihilfe im Straf- und Standesrecht, Humanismus und Sterbehilfe sowie zum „guten Sterben".

 

Alles in allem: Die HLS 2-2017 ist inhaltlich - wie gestalterisch - rundum gelungen und sollte von ihren Lesern auch bei der Gewinnung neuer Mitglieder eingesetzt werden.

 

Mehr Informationen zur DGHS und ihrer Zeitschrift sind auf der Homepage zu finden.

 

 

Siegfried R. Krebs

 



 
25.03.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ