Ein Feuerwerk aus Ideen, Überraschungen und Verblüffungen

WEIMAR. (fgw) Die Wienerin Mara Lang hat nunmehr den zweiten Band („Der Atem des Lichts“) ihres zweiteiligen Fantasy-Abenteuers vorgelegt. Dessen Protagonisten gehören zwei gegensätzlichen Gruppen an: Da ist zum einen die Sklavin Kea, die dem Volk der Shedi – das sind Gedankenformer – angehört. Da ist zum anderen Thronfolger Prinz Zadjan aus dem Volk der Atrouner, das die Shedis unterworfen hat und in Bergwerken ausbeutet.


Der erste Band („Das Juwel der Finsternis") endete für den Leser mit diesen Fragen:

 

Wie aber wird Keas Abenteuer ausgehen? Was wird aus ihrer Liebe? Und vor allem: Wer ist eigentlich wer? Außerdem: Wer trägt welches Geheimnis mit sich herum? Denn Autorin Mara Lang hatte das alles selbst so formuliert, wenn sie im „Juwel" einen ihrer Protagonisten sinnieren ließ: „Nichts fügte sich mehr zusammen, mit jeder neuen Information wurde alles noch komplizierter, noch undurchsichtiger." (S. 276) Mit solcher Einstimmung geht der Leser also an die Lektüre der Fortsetzung heran.

 

Allen Widrigkeiten zum Trotz erreichen Zadjan und Kea gerade noch rechtzeitig die Stadt, in der die Friedensverhandlungen mit dem gegnerischen Bengiren-König stattfinden sollen. Doch zuvor war überraschenderweise Nakush, Keas Jugendliebe und inzwischen ein Shedi-Rebellenführer, im Biwak der Atrouner aufgetaucht. Er will Kea dazu bringen, diese Verhandlungen scheitern zu lassen. Die steht jetzt vor einem grundlegenden Konflikt:

 

„Shedis oder Atrouner? Nakush oder Zadjan? Zwei Männer, zwei Welten, zwei Forderungen. Und sie hing hilflos dazwischen. Wie eine Puppe in den Händen zweier streitender Kinder." (S. 31)

 

Auch wenn Kea es nicht wollte, die Verhandlungen scheitern. Nicht zuletzt durch das Einwirken des „Schattenmannes", ein Shedi auf seiten des Bengiren-Königs. Vor allem aber, weil die Bengiren gar keinen Frieden wollten. Doch als Vorwand dient dies: Kea wird vor aller Augen als Shedi und Gedankenformerin denunziert. Sie soll daher getötet werden. Mit Zadjans Hilfe gelingt ihr die Flucht, doch bald schon werden beide gestellt und es kommt zu mörderischen Kämpfen. In diesen spielt urplötzlich Zadjans Gibbon Fé eine ganz besondere und überraschende Rolle.

 

Auf der Flucht nehmen Zadjan und Kea dazu Kontakt zu einem Hexer auf, der die Zadjan umklammernde Magie bannen soll. Der Hexer fordert als Lohn das „Juwel der Finsternis"...

 

Nach dem Scheitern der Verhandlungen und geglückter Flucht entsagt Zadjan zugunsten seines Bruders dem Thron. Nun aber verlangt dessen Mutter Keas Tod. Doch bevor Zadjan und Kea fliehen können, wird das Mädchen von Nakush entführt. Nakush will sie ins geheime Lager der Shedis bringen. Doch Zadjan ist wachsam und begibt sich auf Spurensuche - und legt selbst welche. Es gelingt Nakush jedoch Zadjan zu überwältigen. Auf Befehl der Shedi-Clanmutter soll der Prinz aber nicht sofort getötet werden.

 

Befand sich Kea bislang in einem Zwiespalt, so erkennt sie nun, daß Nakush keinesfalls der liebende und aufrichtige Mann ist, den sie seit Kindertagen zu lieben glaubte. Hinzu kommt, daß Zadjan ihr inzwischen erstmalig von seiner Kindheit erzählt hatte.

 

Doch was dann in der verborgenen Welt der Shedis geschehen wird, das soll sich der Leser selbst erlesen. Ihn erwartet nun auf vielen Seiten ein brilliantes Feuerwerk aus Ideen, Überraschungen und jähen Wendungen sowie Verblüffungen und unerwarteten Erkenntnissen. So wie dies alles auch auf Kea einströmen wird. Was auf Kea, aber auch auf andere Personen, zukommen wird, das wird immer spannender, ja atemberaubender. Und es ist Mara Lang zu danken, daß sie das auch sprachmächtig darzustellen vermag.

 

Ja, die offenen Fragen finden nun Antworten. Antworten, denen sich nicht nur die beiden Protagonisten stellen müssen. Und ganz nebenbei gibt es auch noch eine Antwort auf etwas Rätselhaftes: Denn jedem ihrer Kapitel in beiden Bänden hat Mara Lang ja einige Zeilen einer ganz anderen Erzählung vorangestellt. Eine Erzählung, die nicht mit der eigentlichen Handlung korrespondiert. Oder es nur so aussehen lassen sollte? Nun aber ist der Leser auch in dieser Hinsicht wissender geworden.

 

Und was hat es nun mit dem bewußten Juwel auf sich? Was mit der Hexe? Und was mit dem jetzt titelgebenden Licht? Tja, das kann und darf sich jeder erlesen.

 

Mara Lang hat zwar Fantasy geschrieben, was nicht unbedingt zu den Vorlieben des Rezensenten gehört. Aber sie hat eben keine Fantasy um der Fantasy willen zu Papier gebracht. Nein, dieses Genre ist ihr nur Mittel, um eine nachdenklich stimmende Parabel über Mensch und Mitmensch, über menschliche Ordnungen, zu schreiben.

 

In diesem Sinne erteilt sie sogar Feministinnen, denen das Patriarchat ja die Wurzel allen Übels ist, eine Abfuhr, wenn bei ihr das Matriarchat der Shedis eben nicht als das an sich Gute dargestellt wird.

 

Und nebenbei erinnert das Verhalten der Shedi-Rebellen an die Kurden im Hier und Heute. Anstatt sich für ein friedliches Zusammenleben mit den anderen Ethnien auf gemeinsamen Territorien einzusetzen und auf Maximalforderungen zu verzichten, lassen sie sich immer wieder von fremden Mächten mißbrauchen...

 

Bei anderen Lesern werden sich sicher andere Assoziationen einstellen. Aber das ist auch gut und richtig. Gute Literatur soll ja nicht nur bilden, sondern sie soll doch vor allem unterhalten. Daher sind beide Bände dieses Fantasy-Abenteuers ohne Wenn und Aber zu empfehlen. Zumal trotz aller Pandemie-Beschränkungen dieser Tage der Online-Buchhandel voll funktionsfähig ist.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Mara Lang: Der Atem des Lichts. Roman. 312 S. Klappenbroschur. Drachenstern-Verlag bei Bookspot. Planegg 2020. 12,95 Euro. ISBN 978-3-95669-122-5

 

 



 
10.04.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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