Ein Toter im Whirlpool – und das soll Wellness-Urlaub sein?

WEIMAR. (fgw) „Frau Maier macht Dampf“ - so heißt der neueste Krimi von Jessica Kremser. Es ist der fünfte Band einer Reihe; allerdings der erste, den der Rezensent zu Augen bekam. Und da soll sofort ein erstes Wert-Urteil abgegeben werden: Dieser Krimi liest sich höchst vergnüglich und macht dazu neugierig auf die vorhergehenden Bände!


Die Heldin, Frau Maier, ist eine nicht gerade auf Rosen gebettete Rentnerin. Sie muß ihre karge Rente durch gleich drei Putzstellen aufbessern. Naja, und - ganz wichtig für Neuleser- nebenbei betätigt sich die Katzen-Mama noch als eine „Miss Marple" in tiefster bayerischer Provinz.

 

Zum nun vorliegenden Buch heißt es seitens des Verlages im Klappentext:

 

„Frau Maier ist nicht gerade begeistert, als ihre Freundin Elfriede sie von einem Wellnessurlaub in der Steiermark überzeugen will. Was bitteschön soll denn die Katze eine ganze Woche lang ohne sie machen? Erst, als sie erfährt, dass ausgerechnet in dem Hotel, in das sie fahren soll, kürzlich seltsame Dinge passiert sind, wird sie hellhörig und lässt sich doch überreden. Dort angekommen, muss sich Frau Maier erst einmal mit Bademänteln, Beautybehandlungen und Barhockern vertraut machen."

 

Zu den seltsamen Dingen gehört insbesondere, daß der Hotel-Direktor vor geraumer Zeit spurlos verschwunden ist. Und daß der neue Direktor, sein Bruder, nicht vom Fach ist. Frau Maier will es also wissen! Da es sich bei dem Wellness-Urlaub um den Gewinn in einem Preisausschreiben handelt, den Freundin Elfriede nicht verfallen lassen will, kann Frau Maier auch unbesorgt die Reise antreten. Nebenbei, es ist ihr erster Urlaub überhaupt!

 

Im Hotel angekommen, muß sie sich erst einmal an diese Lebenswelt der gehobenen (ominösen) Mittelschicht gewöhnen. Was ihr nicht leicht fällt. Abgesehen von den kulinarischen steierischen Freuden im Hotelrestaurant.

 

Neugierig wie sie ist, stellt sie von Anfang an Fragen. Eckt dabei insbesondere bei der Kosmetikerin, der „giftgrünen" Gerti, an. Außerdem fühlt sie sich verfolgt von einem Mann von stattlicher Statur. Da passiert es: Bereits am zweiten Tag traut sie sich mutig, in den Außen-Whirlpool - von ihr nur Kochtopf genannt - zu steigen. Das erhoffte Vergnügen vergeht ihr aber gleich wieder, als sie darin einen toten Mann entdeckt. Bei dem Toten handelt es sich um den Buchhalter des Hotels... Zunächst wird ein Unfall vermutet, denn der Mann war Diabetiker. Oder war es Selbstmord? Bald deuten alle Indizien jedoch auf eheliche Probleme hin. Also wird die Ehefrau des Buchhalters unter Mordverdacht verhaftet.

 

Der neue Direktor entschuldigt sich wegen dieses Ungemachs persönlich bei Frau Maier, in der er eine Pensionswirtin vermutet. Lehnte Frau Maier Wellness bis dahin als unnötig ab, so weckt dieser mysteriöse Todesfall ihren detektivischen Instinkt. Könnte der etwa mit dem Verschwinden des Direktors zu tun haben? Jetzt wächst in ihr tatsächlich ein Wohlbefinden.

 

Ihr „Stalker" erweist sich bald als Privatdetektiv, der beauftragt worden war, verdächtige Geschäfte im Kosmetik-Bereich aufzuklären. Wer ihn beauftragt hatte, das soll nicht verraten werden. Das stellt sogar einen Geniestreich der Autorin dar. In Verbindung damit ereignet sich ein Mordanschlag auf Maier selbst: Sie traut sich inzwischen mutig allein in die Sauna, genießt das Schwitzen sogar. Doch, was ist das? Die Tür ist von außen verriegelt worden! Zum Glück war der Detektiv sorgenvoll auf der Suche nach Frau Maier und kann sie noch rechtzeitig retten.

 

Das ist es aber nicht allein. Der Frau Maier mit ihrer guten Beobachtungs- und Kombinationsgabe fällt auf, daß die Hausdame des Hotels - von ihr nur Hausdrachen genannt - überaus rüde mit den aus Bosnien stammenden Zimmermädchen umgeht. Auch mit ihr, als sie Fragen stellt. Eines der Mädchen bricht ihr Schweigen und wendet sich eines Abends vertrauensvoll an Frau Maier. Und ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden.

 

Nun MUSS Frau Maier einschreiten und Licht in all diese Vorfälle bringen, das ist sie sich und dem Mädchen schuldig. Der Privatdetektiv ist mit von der Partie, obwohl sein eigener Auftrag erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Frau Maier ist instinktiv auf der richtigen Spur: Das Verschwinden des Direktors, der Tod des Buchhalters und nun auch das Verschwinden des Mädchens hängen zusammen! Dahinter muß ein wirklich großes Verbrechen resp. Geschäft stecken. Frau Maier liegt richtig. Was auch die Gegenseite erkennt. Also soll auch sie spurlos verschwinden...

 

Da wird es richtig spannend. Der Krimi entwickelt sich zum Thriller. Natürlich kann Frau Maier gerettet werden. Aber WIE, das mag sich ein jeder selbst erlesen. Auch das Motiv für die Morde und Anschläge. Nur soviel: Das alles ist keinesfalls künstlich konstruiert, sondern widerspiegelt durchaus große und menschenverachtende „übliche Geschäfte" in „Europa".

 

Jedenfalls findet alles ein gutes Ende. Der Direktor lädt Frau Maier wegen all des Ungemachs sogar auf einen Wiederholungs-Urlaub auf Kosten des Hauses ein. Sie nimmt gerne an. Doch zunächst will sie so schnell wie möglich wieder nach Hause zu Freunden und Katze.

 

Zum vergnüglichen Lesen trägt nicht zuletzt eine weitere köstliche Idee der Autorin bei. Jedem Tageskapitel hat sie Zitate einer (fiktiven) Frau Dr. Vita Wohlleben aus einem (ebenso fiktiven) Handbuch für Wellness-Einsteiger vorangestellt. Und was Frau Maier dazu denkt und tut...

 

Danke, Frau Kremser, für dieses Buch und Ihre Protagonistin! Der Rezensent kann also diese Ihre gesamte Krimi-Reihe nur wärmstens anempfehlen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Jessica Kremser: Frau Maier macht Dampf. Kriminalroman. 280 S. Taschenbuch. Pendragon-Verlag. Bielefeld 2021. 13,90 Euro. ISBN 978-3-86532-766-6

 



 
10.09.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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