Ein weiterer Saarland-Krimi in bester Thriller-Qualität

WEIMAR. (fgw) Die gebürtige Saarländerin Greta R. Kuhn hat jetzt im Gmeiner-Verlag ihren zweiten, und wiederum fulminanten, Kriminalroman, „Goldene Bremm“ vorgelegt - erneut einen Krimi in bester Thriller-Qualität. In diesem Buch hat die von Frankfurt nach Saarbrücken versetzte junge Kriminalhauptkommissarin Veronika Hart ihren zweiten und dazu noch überaus komplexen Fall zu lösen.


Alles beginnt bei den Vorbereitungen für die Aufzeichnung einer TV-Talkrunde im Saarfernsehen, übrigens zum Thema „Frauen in Führungspositionen". Bei der Stellprobe, kurz vor der Aufzeichnung, bricht ein Kabelhelfer auf einem der Diskutantenstühle tot zusammen. Was zunächst als epileptischer Anfall scheinen könnte, wird sich später als raffiniert geplanter Giftmordanschlag erweisen. Veronika Hart ist übrigens als Teilnehmerin für diese Talkshow gebucht worden. Als Veronika Hart eintrifft, kann sie als Kriminalistin sich sofort ein Bild vom Vorfall machen. Was sie erstaunt, der Kabelhelfer saß auf dem für sie bestimmten Stuhl. Was für ein Zufall...

 

Schon bald darauf stellt sich aber heraus, daß der Tote keinesfalls Ziel des Anschlags gewesen sein kann. Daß dieser gezielt der Hauptkommisssarin galt.

 

Doch Veronika Hart kann darüber nicht weiter nachdenken, denn sie muß sich mit einer Mordserie an Prostituierten befassen. Diese Frauen wurden auf überaus brutale Weise getötet. Auch hier bleibt vieles lange im Dunkeln. Handelt es sich um einen Machtkampf zwischen Zuhälterclans? Bekannt ist, daß arabische Clans den bislang dominierenden russischen Clan vom „Markt" verdrängen wollen. Auch die Russen gehen davon aus. Erst später wird sich ergeben, daß hier ein heimischer Psychopath am Wirken ist, der diese Frauen „erlösen" will.

 

Währenddessen ereignen sich im Umfeld der Kommissarin rätselhafte Unfälle. Einer ihrer Kollegen hat einen Verkehrsunfall, den er zum Glück aber schwerverletzt überlebt. Zufall? Nein, sie selbst hatte das Dienstfahrzeug geordert, aber eben nicht selbst abgeholt. Schließlich wird ihr Lebensgefährte Francesco entführt und soll getötet werden. Bald darauf meldet eine von Veronikas Freundinnen einen seltsamen Einbruch in ihre Wohnung. Hier kann jedoch Schlimmeres verhindert werden.

 

Diese Vorfälle bestätigen die Vermutung, daß jemand es auf die junge Kommissarin abgesehen hat und unbedingt deren Tod will. Aber wer? Und warum? Veronika Hart tippt zunächst darauf, daß es mit Fällen in ihrem früheren Wirkungsort Frankfurt zu tun haben könnte.

 

Schließlich bekommt Veronika einen direkten Hinweis vom Urheber all dieser Anschläge auf sie und ihr Umfeld. Schlagartig wird ihr und ihren Kollegen bewußt, daß Veronikas erster Fall, geschildert in „Saarperlen", nicht abgeschlossen ist. Daß man seinerzeit nur den Erfüllungsgehilfen, nicht aber den Anstifter, fassen konnte. Und dieser Anstifter, dessen Pläne durch Veronikas Ermittlungen durchkreuzt wurden, hegt seither grenzenlosen Haß auf die Kommissarin...

 

Greta R. Kuhns „Dramaturgie" auch dieser Handlung ist exzellent, ist genial zu nennen. Zunächst bleiben Leser wie auch die Ermittler im Dunkeln. Dann aber ist der Leser bald im Vorteil, denn Puzzle-artig teilt die Autorin sehr frühzeitig ihm Detail für Detail zur Person des Täters, zunächst nur „sie" genannt, mit. Nur wenig später nennt die Autorin auch den Namen: Corinna Petrova.

 

Das Ergebnis dieser Dramaturgie ist, daß für den Leser nunmehr die Spannung darauf gerichtet wird, ob und wann und wie die Kriminalisten sich dem Verbrechen, also Täter und Motiv, nähern. Und im Gegensatz zu den Ermittlern weiß der Leser auch, daß es im Landeskriminalamt einen „Maulwurf" gibt, der auf der „Gehaltsliste" von Corinnas Petrovas Helfern, dem Zuhälter-Clan der Sokolovs, steht. Dieser „Maulwurf" wird aber als unliebsamer Zeuge bald von den Sokolovs getötet. Doch der Leser wird dann ebenso wie die Ermittler, nur zeitlich verschieden, noch davon überrascht, daß es einen zweiten „Maulwurf" gibt. Und der agiert sogar im engsten Umfeld von Veronika.

 

Ja, auch dieser außergewöhnliche Kriminalfall/-roman ist Greta R. Kuhn sehr gut gelungen. Nicht nur, weil die Spannung bis zuletzt erhalten bleibt, ja, sich sogar noch steigert. Sondern auch weil ihre Figurenzeichnungen, die Psychogramme ihrer Charaktere, sehr gut „ausgearbeitet" sind. Das betrifft zum einen die Protagonistin Veronika Hart, die sich hier bewähren muß, und die nach wie vor zu ihren Mitarbeitern finden muß. Das betrifft vor allem aber die Figur der Petrova. Hier zeichnet Greta R. Kuhn ein wirklich überzeugendes Psychogramm der rachedürstigen Frau, die andere Menschen mit Leichtigkeit manipulieren und zu Morden anstiften kann.

 

Für all das findet die Autorin gute Antworten, so daß der Leser nicht bloß Konsument eines Buches ist, sondern zum eigenen Nachdenken über solche leider durchaus realen Tatbestände angeregt wird. Dabei schont Greta R. Kuhn ihre Leser nicht, denn z.B. die Beschreibungen des Umgangs des Prostituiertenmörders mit seinen Opfern sind wahrlich nichts für schwache Nerven. Das gilt gleichermaßen für die Familienverhältnisse der Petrova und der Sokolovs.

 

Dem Rezensent bleibt nur, diesen gut „durchkomponierten" Roman mit den darin geschickt verknüpften Handlungssträngen zu loben und zu empfehlen.

 

Allerdings hat der Rezensent auch etwas zu bemängeln. Dies ist aber nicht Greta R. Kuhn anzulasten, sondern den hierzulande üblich gewordenen schludrigen und abenteuerlichen Transkriptionen russischer u.a. slawischer Namen, also der Wiedergabe des kyrillischen Alphabets.

 

Da wimmelt es von gleichzeitig gebrauchten „w" und „v", obwohl es im Kyrillischen nur einen ensprechenden Buchstaben gibt - mit dem Lautwert „w". Im Text heißt es richtig Wladiwostok und auch Plowdiw, aber stets falsch Sokolov und Petrova satt richtig Sokolow und Petrowa. Schlimm wird es dann mit dem inflationären Gebrauch des „y" wie bei Yuri oder Yevgeni. Richtig sind solche Namen mit Juri und Jewgeni zu transkripieren. Beim Namen Jegor tut die Autorin es dann komischerweise aber wieder richtig... Natürlich ist auch Corinna kein russischer Name, erst nicht ein dort unbekannter Buchstabe „c". Real wäre vielleicht Karina. Aber das „Corinna" mag man dem Umstand zugestehen, daß die Petrova in Westeuropa als „Model" gearbeitet hatte und dafür einen entsprechenden und „chicen" Künstlernamen brauchte.

 

Aber wie gesagt, diese Details tun dem Erzähltalent von Greta R. Kuhn und der Thrillerqualität ihrer Kriminalromane keinen Abbruch.

 

Achso, und was hat es mit dem Titel „Goldene Bremm" auf sich? Das ist schlicht und ergreifend der Name eines saarländisch-französischen Grenzübergangs.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Greta R. Kuhn: Goldene Bremm. Saarland-Krimi. 316 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2715-2

 



 
23.08.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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