Ein zwar spannender, aber nicht überzeugender Krefeld-Krimi

WEIMAR. (fgw) „Seidenstadt-Leichen“, so nennt sich ein Kriminalroman aus der Feder von Ulrike Renk, die in ihrer Kurzbiographie wegen eines historischen Romans als „Bestsellerautorin“ vorgestellt wird. Doch der jetzt von ihr vorgelegte Krimi bestätigt wieder einmal die alte Weisheit, daß Quantität zu oft nicht mit Qualität einhergeht.


Dabei ist die erzählte Geschichte durchaus spannend geschrieben. Ja, aus ihr hätte sogar ein formidabler Krimi werden können. Wenn denn die Autorin sich Mühe gegeben hätte und den „Aufhänger" auch stimmig verarbeitet hätte. Und so können der Kriminalfall, die Ermittlungen und die handelnden Charaktere einfach nicht überzeugen. Schade. Mehr noch: ärgerlich!

 

Denn im Klappentext heißt es vielversprechend:

 

„Hauptkommissar Jürgen Fischer ist gerade von Münster nach Krefeld versetzt worden, als mehrere Schaufensterpuppen in der Stadt wie Mordopfer an einem Tatort arrangiert werden. Da ist ein Spaßvogel am Werk, denkt die Polizei, bis an der Mühle am Engelsberg eine echte weibliche Leiche ohne Kopf liegt. Die Identität der toten Frau ist nicht geklärt und ihr Auffinden erinnert an die Schaufensterpuppen. Gibt es einen Zusammenhang?" Just zu der Zeit wird eine weitere Frau als vermißt gemeldet und eine andere, eine Joggerin, überfallen, aber nicht getötet. Und schließlich verschwindet auch noch Kommissarin Sabine Thelen - was längere Zeit in ihrer Dienststelle gar nicht auffällt.

 

Die Ermittler in diesem doch komplexen Fall sind der schon erwähnte Jürgen Fischer, Sabine Thelen (die aus privaten Gründen länger vom Dienst befreit war) und Stephan Mertens sowie ein jüngerer Kollege.

 

In Verdacht gerät der Geschäftsmann Daniel Steinbach, doch die kopflose Leiche ist nicht seine Frau. Später sogar noch Opa Schink, dessen Hund den Leichenfund gemacht hatte. Auch der alte Herr Schink verschwindet eines Tages und gilt der Polizei für einige Zeit sogar als Täter. Es stellt sich heraus, daß dieser ältere Herr ebenso wie das Ehepaar Steinbach beruflich mit den ganz speziellen Schaufensterpuppen zu tun hatte.

 

Verwirrend ist der Prolog, in dem eine „sie" eine Opferrolle spielt; dessen Handlungsmoment aber in keinem Zusammenhang mit dem Fall steht. Dieser zweite Handlungsstrang setzt sich häppchenweise auf vielen Seiten fort. Dies trägt zur Verwirrung des Lesers bei. So wie es insgesamt viele kleine Ereignisse gibt, die sich aber irgendwie doch tangieren. So das Beziehungsgeflecht um Steinbach oder die Verwandtschaft von Opa Schink.

 

Irgendwie gerät dann aber Sabine Thelen in den Mittelpunkt des Geschehens, ist sie doch wie die drei weiblichen Opfer Joggerin und sieht wie diese den Schaufensterpuppen ähnlich.

 

Sind schon die zwei Handlungsstränge verstörend, so sorgen die vielen Andeutungen und Vermutungen, neben den jedoch gekonnt gelegten falschen Fährten für einige unnötige Verwirrung beim Leser. Auch sind die Darstellungen des Polizei-Alltags in vielen Details nicht stimmig. So taucht in Beratungen und sogar im Außendienst der „Polizeichef" auf. Obwohl es sich dabei eigentlich nur um einen Kriminaldirektor im Krefelder Polizeipräsidium handeln könnte oder gar nur um einen Kriminalrat.

 

Vor allem aber ist die Auflösung des Falles insgesamt wie die der einzelnen Beziehungsgeflechte einfach nur unglaubhaft und kommt zu deutlich als künstlich konstruiert herüber. Das betrifft voll und ganz auch den Täter und dessen Motivation. Das alles ist alles andere als „lebendig", wie im Klappentext verkündet, sondern einfach nur „hölzern".

 

Noch etwas mindert das Lesevergnügen, den Lesefluß: Das ist die Komma-Setzung, besser die Nichtsetzung. Das ist mehr als ärgerlich, weil das auf unzählig vielen Seiten, oftmals sogar mehrfach, vorkommt. Daneben hat die Autorin noch ein Bindestrich-Problem.

 

Alles in allem: Ein Ärgernis hoch drei. Schade um das hier bedruckte Papier, schade um die vergebenen Chancen. Hier hätte das Verlags-Lektorat kritischer sein müssen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Ulrike Renk: Seidenstadt-Leichen. Niederhein-Krimi.248 S. Paperback. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2017. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2152-5

 



 
29.11.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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