Eine gute Handreichung für Pflege und Abschied in Würde

WEIMAR. (fgw) Was tun, wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig, gar dement, werden, wenn deren Lebensende unmittelbar bevorsteht? Wie kann man ihnen und sich selbst einen Abschied in Würde gewährleisten?


Um diese und andere damit zusammenhängende Fragen geht es in einem Leitfaden „Die Eltern im Alter begleiten". Dieser versammelt in fünf Kapiteln Beiträge von 24 SPIEGEL-Autoren, 18 Frauen und sechs Männer.

 

Die Beiträge sind einerseits berührende Erlebnisberichte bzw. Fallbeispiele von Betroffenen, den Pflegebürftigen und ihren Angehörigen, wie auch von Pflegern bzw. Interviews mit diesen. Obwohl die praktische Pflege und das Pflegerecht im Mittelpunkt stehen, wird erfreulicherweise die Frage nach der Sterbehilfe nicht verschämt ausgeklammert.

 

Breiten Raum nehmen andererseits Informationen über die wichtigsten Dokumente zur individuellen Vorsorge ein - von der Patientenverfügung über die Vorsorge- und Betreuungsvollmacht bis hin zum Testament. Gerade dieser Teil, das Kapitel V „Dossier", erweist sich als eine gute und für jeden verständliche Handreichung, als Leitfaden für eine wirklich gute humane Pflege. Letztlich für ein gutes Leben für alle, die so oder so mit Pflege zu tun. Ein wichtiger Kapitel-Abschnitt ist daher zurecht überschrieben mit „Besser vorsorgen als nachärgern" (S. 240ff).

 

Die auf die Betroffenen und ihre Familien zukommenden Probleme emotionaler, organisatorischer, juristischer und nicht zuletzt finanzieller Art werden einfühlsam und sachkundig angesprochen. Und es werden mögliche Lösungen aufgezeigt. Lobenswert ist, daß es auch um die selten ausgesprochene Frage geht, wie man eine osteuropäische Hilfskraft legal und menschenwürdig einstellt.

 

Für freigeistige Leser sicherlich von besonderem Interesse, neben dem Dossier, dürfte das Kapitel III „Letzte Hilfe" sein. Im Abschnitt „Besuch von Dr. Tod" (S. 167ff) findet sich per Porträt eines anonymisierten Sterbehelfers ein Plädoyer dafür, ehrlicher über das Sterben „durch fremde Hand" zu reden. Ergänzt wird das durch Tipps zur Sterbebegleitung sowie eine kurze Geschichte des Bestattens.

 

Bedauerlich ist jedoch, daß die Herausgeber vom SPIEGEL zwar auf die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin oder sogar die Verbraucherzentralen verweisen, wenn es um notwendige Dokumente geht, mit keinem Wort aber die DGHS, die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben, erwähnen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Markus Deggerich & Susanne Weingarten (Hrsg.): Die Eltern im Alter begleiten. 266 S. geb.m.Schutzumschl. Deutsche Verlagsanstalt. München 2019. 20,00 Euro. ISBN 978-3-421-04848-6

 



 
13.05.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ