Eine Kritik an ARD-Nonnen-Schmonzette „Um Himmels Willen“

WEIMAR. (fgw) Der staatliche Fernsehsender ARD produziert gerade 13 Folgen für die 17. Staffel (insgesamt über 170 Folgen) der Nonnen-Sendung „Um Himmels Willen“.


(Bildquelle: reidy68. pixabay)

Es gibt dazu im Netz eine Übersichtsseite, auf der sich eine Menge Schauspielerinnen als christliche Burkaträgerinnen tummeln. Man kann sich über Folgen, Darsteller*innen und Videos informieren - nur unter die Oberfläche wird bei der ARD nicht geschaut. So etwas wie eine Besprechung der mittelalterlichen Verstrickungen oder gar eine Rechtfertigung für die Nonnen-Klamotte gibt die Site nicht her.

 

Dabei wäre es dringend nötig, den Muff von 1000 Jahren durchzulüften, der da verbreitet wird. Man stelle sich vor, eine staatliche Sendeanstalt in einem säkularen Staat hofiert den überkommenen Ausprägungen einer Religion - und die Allgemeinheit muss das zwangsfinanzieren.

 

Wie kann das sein?

 

Wer steckt hinter dieser Retro-Kutsche, die eine gefühlige heile Welt der Klosterfrauen vorspiegelt, wo in Wirklichkeit kranke, menschenverachtende Verhältnisse abgebildet werden? Wieso können die Macher unwidersprochen und unreflektiert so tun, als gäbe es einen Gott, und als wäre es irgendwie nett, dem zu dienen? Ist denen nicht klar, was für eine perverse Ideologie hinter den „Bräuten Christi" und ihrer mystischen Hochzeit mit einem religiösen Popanz steckt? Dass diesen ideologisch kastrierten Jungfrauen das Leben beschnitten wird, dass sie im Namen eines vermeintlichen Gottes und eines verlogenen „Heils" verführt, missbraucht und entmenscht werden?

 

Eigentlich ist es Skandal genug, dass der deutschen Bevölkerung der teuerste öffentlich-rechtliche Rundfunk der Welt aufgezwungen wird (ARD, ZDF, neun dritte Fernsehprogramme, 3Sat, Phoenix, Ki.Ka, ZDFneo, ZDFinfo, ZDFmediathek, funk, sonstige Digitalkanäle, Arte zu 50 Prozent und über 60 Hörfunkprogramme). In einer Zeit, wo die Konsumgewohnheiten von der TV-Glotze weg ins Internet abdriften, ist es platterdings unangebracht, immer mehr staatliche TV-Sender immer teurer zu alimentieren. Und hunderte von Millionen für Sport- und Showstars auszuwerfen. Und Staatsmittel rauszuhauen, um im Internet zu dilettieren. Und das Ganze mit zwangsweise eingetriebenen Geldern - sogar von Leuten ohne Fernseh- und Radiogerät. Und am liebsten noch teurer als die bisherigen acht Milliarden pro Jahr, mit automatischer „Gebühren"-Erhöhung.

 

Obendrauf kommt nun das Skandalon der zum Quotenmachen missbrauchten Nonnen, die in der echten Fassung schwerstens missbrauchte Menschen sind. Das sind Menschen, die bei lebendigem Leib einen überkommenen Mythos übergestreift bekommen - und der Mythos tut auch noch so, als hätten sie keine leiblichen Bedürfnisse. Wer kann es bloß verantworten, so einen Unfug, so einen Nonnen-Nonsens auf die Zuschauer loszulassen? Ist denn der Staatsfunk nicht zur Ausgewogenheit verpflichtet, wie es nachzulesen ist auf der ARD-Webpräsenz in „Aufgabe und Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks/der ARD"?

 

Dort steht auch, dass die Sender dem „Gemeinwohl verpflichtet sind und zur Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung leisten sollen". Was bitte ist an den Klosterleuten Gemeinwohl, Information, Bildung, Beratung, Kultur und Meinungsvielfalt? Das ist doch bloß Unterhaltung auf Kosten von Verdummung.

 

Und was ist mit dem Anspruch, die ARD stärke „die kulturelle Identität aller Bürgerinnen und Bürger im Land, weil sie in ihren Programmen Deutschland in seiner ganzen Vielfalt abbilde?" Dieses Abbild ist ein Zerrbild, weil allzuviele Sendungen christlich kontaminiert sind, während die religionsfreie Bevölkerungsmehrheit (ohne Karteileichen gerechnet) fast gar nicht repräsentiert wird.

 

Religionskritik findet in den Sendungen der Staatsanstalten so gut wie nicht statt. Dafür dürfen Religiöse mit ihrem „Gott" ständig wie mit einer Tatsache umgehen, wie ja auch bei „Um Himmels Willen". Selbst der Islam ist repräsentativ abgebildet; man darf wohl spekulieren, dass als nächstes die muslimische Burka-Truppe kommt, zum Thema „wir klöppeln unseren Gebetsteppich" oder so.

 

Traurig, dass man sowas eher zu erwarten hat als Aufklärung. Das Wort Aufklärung kommt in der Aufgabenbeschreibung des Staatsfunks gar nicht vor. Das Wort Indoktrinierung auch nicht, obwohl genau das kräftig versucht wird. Dutzende von Sendern bringen synchron die „Tagesschau", eine mit der Staatspolitik verfilzte Nachrichtensendung, deren Nachrichten vor allem aus Hofberichterstattung und Sensationsmache zusammengemischt sind.

 

Nochmal traurig, dass Zwangsabgaben zwar zu immer mehr Ausweitung führen, dass sie dem TV aber keinen Anreiz für Qualität geben. Es sei denn, man sucht die Qualität im Ideenreichtum beim Nachweis der Existenzberechtigung. Für die Selbst-Legitimation wird der öffentliche Auftrag jeweils passend gemacht:

 

- bei der Gründung der Anstalten war's die Knappheit der Frequenzen,

- wo das durch den Technikfortschritt entfällt

- und nun ein „unübersichtlicher Überfluss" herrscht, lautet das Credo: „Wir kuratieren für euch das Dickicht der Informationen."

 

So beschreibt das der Artikel „Demokratie in den Medien - Von Staatsrundfunk und Zwangsgebühr" in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 26.8.: „Nichts gegen Spaßköche und Heimatklänge, auch nichts gegen Arte und das Deutschlandradio. Doch wer behauptet, jeder müsse alles bezahlen, weil sonst das Gemeinwesen gefährdet sei, der verkauft die Bürger für dumm."

 

Apropos für dumm verkaufen, die Argumentation für öffentlich bezahlte Unterhaltung geht so, dass „politische oder gesellschaftliche Fragen durch Spielfilme häufig eindrücklicher dargestellt werden können, als durch eine reine Nachrichtensendung. Unterhaltungsshows, Filme, Serien und Talksendungen sowie unterhaltende Sendungen im Radio sprechen die Zuschauer- und Zuhörerschaft direkt an und vermitteln auf diese Weise gesellschaftlich wichtige Themen" (so in Aufgabe und Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks/der ARD).

 

Mit anderen Worten, die Zuschauer sind so doof, dass man ihnen die Information hinten reinschieben muss. Und man muss sie durch den „unübersichtlichen Überfluss" geleiten. Und ihnen so viel „Tagesschau" anbieten, dass sie kaum noch ausweichen können. Und ihnen eine Klosterfrauenbewegung unterjubeln, die dem letzten Trottel klarmacht, „mit Gott ist alles gebongt".

 

Himmel hilf.

 

 

Wilfried Müller

 

 



 
31.08.2017

Von: Dr. Wilfried Müller
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ