Eine Weimarer WG, drei reizende alte Damen, Sanna und Lukas

WEIMAR. (fgw) Werbung gegenüber sollte man eigentlich immer mißtrauisch sein. Doch manchmal trifft sie tatsächlich den berühmten Nagel auf den Kopf: „Mit 'Graue Witwen' ist Heike Müller-Oswald ein tragikomischer Krimi voll schwarzen Humors und makabren Witzes gelungen“, schreibt der Verlag im Klappentext zu deren zweiten Roman. Und... nach überaus kurzweilig-vergnüglicher Sommerlektüre kann der Rezensent diesem werblichen Text tatsächlich weitgehend beipflichten.


Drei ältere Damen, die frühere Lehrerin Annelise, die einst als Operettensängerin brillierende Gudrun sowie die Bäuerin Marga, haben sich in Weimar zu einer Senioren-Wohngemeinschaft (WG) zusammengefunden und könnten eigentlich ihren Ruhestand in vollen Zügen genießen. Wäre da nicht Gustav Schütz, der das vierte Zimmer in dieser WG bezogen hat. Allerdings nicht auf Einladung der drei Damen: Gudrun hatte auf einer Dating-Seite im Internet gesurft und war dort auf Gustav gestoßen. Dieser wiederum auf kompromittierende Materialien über jene. Also erzwang er seinen Einzug und errichtete dort ein tyrannisches Regime und vergriff sich in aller Seelenruhe an der Habe der Frauen. Das ging so lange, bis er eines Tages Annelises Katzen vergiftete. Nun sannen sie gemeinsam auf Rache. Nein, ermorden wollten sie ihn beileibe nicht. Dennoch kam Gustav während eines Theaterbesuches der drei Damen zu Tode. Eben weil er im wahrsten Sinne des Wortes unersättlich war.

 

Die Ermittlungen der Kripo in Person des jungen Kommissars Lukas Engel ergaben in Verbindung mit den Befragungen von Gustavs Hausarzt und den Erkenntnissen der Rechtsmedizin, daß der Mann an einem selbst herbeigeführten Unfall verstorben sei. Noch während der ersten Ermittlungen taucht die Studentin Sanna auf, gewinnt sofort die Zuneigung der Seniorinnen und bekommt sofort Gustavs Zimmer als neues Heim. Und... der eigentlich sehr schüchterne Lukas verliebt sich auf den ersten Blick in Sanna. Was er zum Vorwand für weitere Ermittlungen, sprich Hausbesuche, in der WG nimmt.

 

Nur wenig später taucht ein verwahrloster Mann, Karl-Heinz Otto, auf, gibt sich gegenüber der allein in der Wohnung weilenden Gudrun als Gustavs Bruder aus und verlangt von dieser eine beträchtliche Summe Geldes, Ottos Vermögen... Als diese nicht gefügig ist, mißhandelt er Gudrun so schwer, daß diese ins Krankenhaus muß. Wiederum ein Anlaß für Lukas, intensiv in der WG zu ermitteln, diesmal wegen versuchten Raubüberfalls mit Körperverletzung. Karl-Heinz ist unersättlich, will seine Erpressung nicht beenden, so daß die drei Alten sich zu Wehr setzen. Wie das alles im einzelnen geschieht, soll nicht verraten werden, denn gerade diese Passagen sind voll des schwarzen Humors und komischer Elemente. Schließlich kommt auch Karl-Heinz zu Tode, wiederum ermittelt Lukas, stellt Zusammenhänge her, kann aber nichts beweisen. Seine Vorgesetzte Veronika Vogel schilt ihn bereits als Verschwörungstheoretiker. Und Lukas' Vorgehen stellt vor allem die junge Liebe zu Sanne auf schwerste Proben. Das Ergebnis der Ermittlungen, daß der stark alkoholisierte Karl-Heinz auch nur einem Unfall zum Opfer gefallen ist, könnte eigentlich alle beruhigen. Doch wie kann Lukas nun seiner Sanna (immer) wieder nahe kommen?

 

Nach all den Aufregungen begeben sich die drei alten Damen zu Margas Bauernhof. Marga ist als einzige keine Witwe, hat sich aber von ihrem brutalen Manne Bruno getrennt. Und dem paßt die Anwesenheit der drei Frauen nicht, absolut nicht. Als dann eines Tages Sanna und Lukas auf Besuch Dorf kommen, geschieht vor aller Augen ein dritter Todesfall. Unter den Augen des Kriminalisten kommt Bruno auf grausame Weise ums Leben. Sichtlich und eindeutig ein Unglücksfall. Nun endlich können sich Sanna und Lukas ihre friedliche Zweisamkeit gönnen. Denn die drei Damen lösen ihre Weimarer WG auf und leben fortan auf Margas Hof. Wo sie einige Wochen später Besuch von einer sinnierenden Veronika Vogel bekommen...

 

Mehr soll zum Inhalt wirklich nicht gesagt sein. Denn das Was hat es schon in sich. Es ist aber insbesondere das Wie, was diesen tragikomischen Krimi so lesenswert macht und für viel Kurzweil und Schmunzeln sorgt. Übrigens, dem eigentlichen Text ist eine „Warnung" vorangestellt - eine Erklärung dessen, was graue Spinnen in der Natur darstellen...

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heike Köhler-Oswald: Graue Witwen. Ein WEIMAR-Krimi. 176 S. Paperback. Verlag Bild und Heimat. Berlin 2017. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95958-088-5

 



 
26.06.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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