Einige Lieblingsplätze zum Entdecken in Erfurt und Weimar

WEIMAR. (fgw) In seiner Reihe „Lieblingsplätze zum Entdecken“ hat der Gmeiner-Verlag nun auch einen Band über zwei der Thüringer Metropolen, Erfurt und Weimar, vorgelegt. Die Texte stammen aus der Feder von Birgit Poppe, während Klaus Silla für die fotografische Bebilderung gesorgt hat.


Vorgestellt werden 61 Erfurter und 28 Weimarer „Lieblingsplätze" in der für diese Reihe typischen Form: jeweils linkseitig ein aussagekräftiges Foto, rechtsseitig ein knapper Text. Ergänzt wird das durch einen kleinen Tip sowie die Kontaktdaten des vorgestellten Objektes: Adresse, Telefon, Internet.

 

Bei den vorgestellten „Plätzen" handelt es sich um kulturelle und museale Einrichtungen, Denkmäler, Restaurants und weitere markante Baulichkeiten in beiden Städten. Leider ist die Auswahl doch sehr subjektiv. Und der seit langem in Thüringen Lebende findet hier leider viele wirkliche Lieblingsorte von Einheimischen und auch Touristen nicht aufgeführt. Für Erfurt vermißt man beispielsweise das Haus Dacheröden oder den Kaisersaal. Da ist zwar auch von der Thüringer Bratwurst die Rede, keine Erwähnung findet dagegen etwas sehr Spezifisches wie die „Erfurter Puffbohne". Für Weimar vermißt man u.a. die Weimarhalle mit Park, die Cafés „1900" und erst recht das „Resi" (= Residenzcafé) oder den Tiefurter Park mit Schloßmuseum.

 

Dazu sind die vorgestellten Erfurter Lieblingsplätze absolut kirchenlastig, Säkulares, Freigeistiges findet man hingegen kaum. Das gilt ähnlich auch für Weimar: Goethe allerorten, aber kein Wort über Wieland (und das Wieland-Denkmal). Und wenn im Text über die Jahre 1945 bis 1989 gesprochen wird, dann in einem solch charakteristischen „Zungenschlag", den Einheimische so charakterisieren: „Da erklären uns Wessis, wie unser Leben gewesen ist. Und haben dabei von nichts eine Ahnung." Naja, kein Wunder, denn die Autoren dieses Bandes stammen schließlich vom Niederrhein... Der Verlag hätte dafür wohl doch besser Menschen aus Thüringen gewinnen sollen. Schriftsteller, Journalisten und professionelle Fotografen gibt es doch hierzulande zuhauf.

 

Aber es gibt nicht nur kritikwürdige Fehlstellen und Mängel. Es gibt wirkliche Glanzlichter, die Lieblingsplätze auch des Rezensenten und seines Freundeskreises abbilden: In Erfurt sind das u.a. der „BORN-Senfladen" (S. 65) und die Brauereigaststätte „Waldkasino" (S. 113). Oder in Weimar der „Kultur-Bahnhof" (S. 137; der Hauptbahnhof ist auch Domizil eines Jugend-Laientheaters) und die kleine Weimarer Kaffeerösterei mit Café (S. 159). Zu letzterer heißt es zu recht: „...ist eine der besten Kaffeeröstereien Deutschlands".

 

Obwohl oben einiges am vorgelegten Text kritisiert werden mußte, so gibt es andererseits auch richtig gute Passagen. Stellen, die nicht nur informativ sind, sondern durchaus als Satire aufgefaßt werden können. So heißt es z.B. zur „Bratwurst am Domplatz" (S. 21): „Natürlich hat auch die EU eine Verordnung für die originale Thüringer Rostbratwurst parat. So muß diese mindestens 15 Zentimeter lang sein, mittelfein und im engen Naturdarm, roh oder gebrüht und mit würziger Geschmacksnote. Glücklicherweise überließ man die genaue Zusammensetzung den örtlichen Metzgereien." (Nebenbei, hierzulande sagt man Fleischerei...)

 

Alles in allem gibt dieser Reiseführer den Besuchern beider Städte gute Tips für Besichtigungen und eine gute Einkehr, zumal gleich neben den ja sehr subjektiv ausgewählten „Lieblingsplätzen" viele weitere interessante Stätten gelegen sind.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Birgit Poppe und Klaus Silla: Lieblingsplätze zum Entdecken - Erfurt und Weimar. 192 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2019. 17,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2511-0

 



 
18.09.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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