Fotos „Erfurt damals & heute“: Gutes muß nicht teuer sein!

WEIMAR. (fgw) Der Verlag „Bild und Heimat“ hat im Frühjahr einen sehr schönen Bildband über Erfurt, eine der ältesten Städte Deutschlands, herausgebracht.


Dieser Band vereint knapp 50 Foto-Paare mit Erfurt-Ansichten im Wandel der Zeiten. Während die „Heute"-Ansichten zu etwa einem Drittel in den Jahren 2000-2010 und zu zwei Dritteln in den Jahren 2011-2016 entstanden sind, sind die historischen Aufnahmen zeitlich leider sehr ungleichmäßig verteilt. Lediglich ein einziges Foto stammt aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, entstanden 1910. Die Zwischenkriegszeit wird lediglich durch vier Fotos aus den 1930er Jahren widergespiegelt, die 1940er Jahre fehlen ganz. Immerhin 13 Fotos künden von den 1950er Jahren, während wieder nur ein einziges - aus dem Jahre 1960 - für das nachfolgende Jahrzehnt steht. Die 1970er Jahre sind durch 14, die 1980er durch neun Fotos vertreten. Und weitere fünf stehen für die 1990er Jahre.

 

Thematisch eingeordnet sind diese Foto-Paare in drei „städtische Räume": die Stadtmitte auf etwa über 70 Seiten sowie den Süden und den Norden auf zusammen knapp 30 Seiten.

 

Alle Fotos künden vom vielfältigen architektonischen Reichtum aus 1250 Jahren Stadtgeschichte. Viele der markanten Gebäude sind unmittelbar verbunden mit dem längerem Wirken herausragender Persönlichkeiten wie Martin Luther (Augustinerkloster) oder Freiherr von Dacheröden (das gleichnamige Haus am Anger). Sie künden aber nicht minder auch von nur kurzen Begegnungen in oder mit dieser Stadt: so die erste Frau im Kosmos, die Sowjetbürgerin Valentina Tersschkowa (Thüringenhalle) oder das historische Treffen von Willi Stoph mit Willy Brandt (Hotel Erfurter Hof) betreffend.

 

Für die Rolle und die Besonderheiten Erfurts stehen des weiteren u.a. der Hauptbahnhof (mit dem Schmidtstedter Kreuz), das Kaufhaus am Anger, das Hauptpostamt, die Kurmainzische Statthalterei, der Juri-Gagarin-Ring (Erfurts Magistrale), der Kaisersaal (dorthin hatte Napoleon anno 1808 zum Fürstenkongreß geladen), die Krämerbrücke, der Fischmarkt mit dem Rathaus (diese Fotos zieren auch die Buch-Vorderseite), Domplatz mit Dom und Severi-Kirche, die Zitadelle Petersberg, die Synagoge, das iga- bzw. ega-Gelände, das Eissportzentrum, das Schloß Mohlsdorf, der Flughafen, der Zoopark (immerhin der drittgrößte Zoo Deutschlands - wer hätte das vermutet?) und nicht zuletzt Wohngebiete wie das Andreas-Viertel oder Erfurt-Roter Berg. Abgerundet wird der Band dankenswerterweise durch ein Register zum schnelleren Auffinden der Abbildungen.

 

Zu jedem der Foto-Paare hat Daniela Grosch knappe, aber informative Bildkommentare verfaßt. Leider sind diese mitunter inhaltlich zu sehr dem heutigen Zeitgeist verpflichtet, gerade wenn es um die 1970er und 1980er Jahre geht.

 

Dennoch: Alles in allem liegt mit diesem sehens- und ansehenswerten Fotoband eine gediegene und überaus geschmackvoll gestaltete Buchproduktion vor: Empfehlenswert sowohl für gestandene Erfurter als auch für Besucher dieser Stadt.

 

Erstaunlich ist, das muß unbedingt gesagt werden, der unglaublich niedrige Verkaufspreis von nur 9,99 Euro. Und dieser unterstützt mit seiner (unausgesprochenen) Aussage „Gutes muß nicht teuer sein!" die Hochschätzung des Rezensenten für die vorliegende Publikation aus dem Hause „Bild und Heimat".

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

ERFURT. Damals & heute. Bildband. Mit einemVorwort von Daniela Grosch. 112 S. m. zahlr. Fotos. Hardcover. Verlag Bild und Heimat. Berlin 2017. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95958-073-1

 



 
15.07.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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