Es ist leider nur eine Herz-Schmerz-Schmonzette geworden

WEIMAR. (fgw) Tereza Vanek hatte mit ihren ersten beiden historischen China-Romanen über das Ende der Qing-Zeit Maßstäbe gesetzt. Maßstäbe, an denen sie sich seither messen lassen muß. Und denen sie seit ihrem dritten Roman (der bereits auf Taiwan spielte) und erst recht jetzt mit dem ersten Band einer Taiwan-Trilogie („Sturm über Formosa“) nicht mehr gerecht wird.


Dieser jüngste Roman ist leider nur ein bemüht konstruiertes Sammelsurium aus zu vielen Zufällen, die kombiniert mit zu vielen Unstimmigkeiten, einfach vor zu viel Herz-Schmerz triefen. Schade, denn der historische Hintergrund hat es durchaus in sich. Und der dürfte für den mitteleuropäischen Leser sogar von Interesse sein, weil hier und heute viel zu unbekannt.

 

Mitte des 17. Jahrhunderts hatte die Qing-Dynastie der Mandschu die bislang in China herrschende Ming-Dynastie abgelöst. Reste der Ming-Getreuen unter Führung des Feldherrn Zheng Chenggong setzten sich daher nach verlorenen Schlachten auf die seinerzeit noch überwiegend von indigenen Stämmen besiedelte Insel Taiwan ab und errichteten dort ein kurzzeitiges Königreich. Aber dort hatten kurz zuvor schon die Holländer Fuß gefaßt und nach Vertreibung der Portugiesen ein eigenes Kolonialregime errichtet.

 

In diese Endzeit der holländischen Kolonialherrschaft und des Sieges der Festland-Chinesen unter Zheng (den die Europäer Koxinga nannten) hat Tereza Vanek ihre Romanhandlung angesiedelt.

 

Darin geht es primär um das Schicksal (und die ungewöhnlichen Liebesbeziehungen) zweier sehr junger und sehr unterschiedlicher Frauen.

 

Da ist zum einen die patrizische Kaufmannstochter Griet Verhoeven, später verehelichte van Maas, aus Rotterdam. Da ist zum anderen Yu Qianqian, die künstlerisch begabte Tochter einer Mingtreuen Adelsfamilie aus Nanjing. Griet ist von Naturell her eher burschikos, eigensinnig, selbstbewußt und praktisch veranlagt, alles andere als ein Mädchen, das nur auf eine gute Partie wartet. Qianqian dagegen ist auf klassisch-chinesische Art gebildet (Kalligraphie und Malerei) und eine Träumerin. Nicht nur durch ihre Herkunft, sondern auch noch durch die damals übliche Abbindung (sprich Verstümmelung) der Füße vornehmer Mädchen ist sie weltfremd und stets auf fremde Hilfe angewiesen.

 

Tereza Vanek erzählt in epischer Breite, warum und wie es die beiden Frauen nach Taiwan verschlägt und von wem sie jeweils begleitet werden. Außerdem wie sich dort ihr Leben gestaltet und mit welchen Widrigkeiten sie in ihren jeweiligen Milieus konfrontiert werden. Ferner wem sie dabei begegnen, wie sie einander selbst begegnen und wie sie schließlich gemeinsam ums Überleben kämpfen. Erzählt wird aber auch, mit welcher Arroganz und Ignoranz die holländischen Kolonialverwalter, insbesondere auch die christlich-weißen Heilsbringer (in Person eines Missionars) oder die subalternen Landsknechtstypen der einheimischen Bevölkerung, sei es Chinesen oder Indigene, begegnen. Und wie solche Überheblichkeit zur Niederlage der Holländer führt.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Tereza Vanek: Sturm über Formosa. Roman. 516 S. Klappenbroschur. Edition Carat im Bookspot-Verlag. Planegg 2020. 14,80 Euro. ISBN 978-3-95669-141-6

 

 



 
20.09.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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