Es luthert allerorten, aber kaum einer geht dort auch hin

WEIMAR. (fgw) Im Jahre 2017 luthert es allerorten, verkündigt von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ganz besonders von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM). Letztere predigt ja höchstverzückt ihre Luther-Jubel-Arien von den Kanzeln in den angeblichen lutherischen Stammländern Thüringen und Sachsen-Anhalt. All das noch finanziell (das ganz besonders) befeuert von einer kirchenhörigen Politik vom Bund herab bis zu den Gemeinden und exzessiv propagandistisch von den sogenannten Mainstream-Medien hochgepuscht.


Unbequeme Wahrheiten über den hochgejubelten Luther. Bildquelle: Giordano-Bruno-Stiftung (gbs)

Aber ist der Jubel unter den Massen des Volkes, das ja in den o.g. „lutherischen Stammländern" zu 70 bis 80 Prozent religionsfrei lebt, tatsächlich so euphorisch, wie es der Klerus und dessen dienstbare „Laien" vorverkündigt haben und weiterhin verkündigen?

 

Erinnern wir uns Schon beim sogenannten Kirchentag auf dem Weg, abgehalten vor einigen Wochen u.a. in Erfurt, Weimar und Jena, wurden nach (kleinlauten) Angaben der Veranstalter nur etwa knapp 30 Prozent der Eintrittskarten an den Mann bzw. die Frau gebracht. Man blieb meist in kleinem und kleinstem Stuhlkreise unter sich. Besonders auffällig übrigens in Leipzig, wo sich sogar der sächsische Ministerpräsident die Ehre zum Predigen gab.

 

Und heute am 19. Juli läßt eine Meldung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) - in dessen Gremien mehrere Kirchenvertreter sitzen, aber kein einziger Repräsentant der religionsfreien Bevölkerungsmehrheit - aufhorchen. In einem seltenen Fall von MDR-Realismus heißt es da unter der Überschrift „Reformationsschau in Wittenberg hofft auf mehr Besucher" u.a.:

 

„Die Weltausstellung Reformation in Lutherstadt Wittenberg hat deutlich weniger Zulauf als erwartet. Ursprünglich war für die gesamte Zeit mit einer halben Million Besucher gerechnet worden. Wie die Veranstalter in ihrer Halbzeitbilanz bekannt gaben, wurden bislang aber nur 70.000 Karten verkauft. Hinzu kämen 5.000 Saisontickets. Geschäftsführer Schneider äußerte sich aber optimistisch, weil die Besucherzahlen stetig stiegen. Die Veranstalter wollen nun Promo-Teams in die Innenstadt schicken. Sie sollen Wittenberg-Touristen gezielt auf die Reformations-Schau in den Wallanlagen aufmerksam machen..."

 

500.000 Besucher wurden zur Halbzeit erwartet, nur 70.000 Karten sind verkauft worden. Das sind also statt der hypothetisch möglichen 50 Prozent nur reale 14 Prozent - in Worten: VIERZEHN Prozent.

 

Da ist eigentlich wohl jeder Kommentar überflüssig. Aber es darf angemerkt werden, daß selbst dieses gravierende Zeichen von Nichtbeachtung der vereinten Lutherei ganz pfäffisch zu einem Erfolg umfunktioniert wird: Weil ja „die Besucherzahlen stetig stiegen". Aber ob die Promo-Teams, vulgo Drückerkolonnen, wirklich noch strömende Besucherzahlen herbeinötigen können? Das darf bezweifelt werden. Nicht bezweifelt aber darf wohl werden, daß die herrschende Politik großzügig die finanziellen Defizite des Wirtschaftsunternehmens EKM ausgleichen wird und künftige Missionierungsvorhaben freiwillig durch noch höhere Beträge fördern wird.

 

Auch so gar nicht zum Jubelfestjahr will eine andere Nachricht passen, die jetzt die lutherischen Kirchen im Sendegebiet des MDR kleinlaut zugeben mußten - und die auch dafür spricht, daß die massiven Missionierungsbemühungen nicht von Erfolg gekrönt sind. So heißt es, daß nach EKM-Angaben deren Mitgliederzahl anhaltend rückläufig sei. Aber man tröstet sich ganz pfäffisch, daß sie aber weniger gesunken seien als in den Vorjahren. Die EKM nennt für Ende 2016 eine Mitgliederzahl von fast (!) 732.900 Mitglieder, das sind 14.200 weniger als im Vorjahr.. Korrekter wäre daher wohl bei Mitgliederschwund die Formulierung weniger als anstelle von fast angebracht. Aber man fälscht ja zu gerne Niederlagen in Siege um...  Stimmen dürfte dagegen, daß der Mitgliederschwund primär dem demografischen Wandel geschuldet sei. Auch die Evangelische Landeskirche Anhalts, die neben der EKM im MDR-Sendegebiet agiert, verzeichnet ebenfalls weiter rückläufige Mitgliederzahlen; sie zählte nach eigenen Angaben zum Ende vergangenen Jahres rund 33.900 Mitglieder, d.h. 600 weniger als im Jahre 2015.

 

Siegfried R. Krebs

 



 
19.07.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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