Fantasy-Abenteuer um das ominöse Juwel der Finsternis

WEIMAR. (fgw) Die Wienerin Mara Lang hat heuer den ersten Band („Das Juwel der Finsternis“) eines zweiteiligen Fantasy-Romans vorgelegt. Die Protagonisten gehören zwei gegensätzlichen Gruppen an: Da ist zum einen die Sklavin Kea, die dem Volk der Shedi – das sind Gedankenformer – angehört. Da ist zum anderen Thronfolger Prinz Zadjan aus dem Volk der Atrouner, das die Shedis unterworfen hat und in Bergwerken ausbeutet.


Kea wurde als Kind und Halbwaise mit ihrer Mutter in ein solches Bergwerk verschleppt. Etliche Jahre hat sie da inzwischen nach den sogenannten Zorkat-Kristallen schürfen müssen. Denn nur mit diesen können sich die Herrschenden vor den Gedanken-Einflüssen der Shedis schützen. Wenn man Gedankenformung mit Manipulation übersetzt, weiß man, worum es geht. Und so liefern tatsächlich die Unterdrückten ihren Unterdrückern selbst das Material, durch das sie beherrscht werden.

 

Bei Ausflügen im Bergwerk hat Kea einen Riß im Gestein entdeckt, durch das sie „Sonnenlicht" schnuppern kann. Und dort traf sie eines Tages auf Nakush. Beide können sich zwar nicht richtig sehen, doch spüren, und zwischen beiden entwickelt sich eine scheue Jugendliebe. Nakush ist übrigens der Sohn eines Führers der Shedi-Rebellen. Sein Vater wurde bei einer Aktion, bei der der Atrouner-König getötet wurde, gefangen genommen und soll demnächst hingerichtet werden.

 

Just zu dieser Zeit haben sich ein benachbartes Reich und die Rebellen zu einem Bündnis gegen die Atrouner bereitgefunden. Diese wollen nun per Verhandlungen den Frieden und damit ihre unumschränkte Macht erhalten. Und das in einer Situation, in der die künftige Herrschaft nach dem Tod des Königs ungewiß ist: Der Thronfolger will nicht an die Macht, dafür aber sein jüngerer Bruder um so mehr, der dazu noch von der Mutter protegiert wird.

 

Zwecks Machterhalt und für „erfolgreiche" Friedensverhandlungen benötigen nun die Atrouner die Fähigkeiten der Shedis. Und so wird Gilreth - übrigens ein Magier -, der Berater der Königsfamilie in die Bergwerke entsandt. Dort soll er zwei Shedis auswählen, die für die Zwecke der Herrschenden brauchbar sein könnten. Es werden aber schließlich mit Kea sogar drei junge Leute ausgewählt. Darunter auch Avaril, der Kea von Grund auf haßt und fortan jede Gelegenheit nutzt, ihr zu schaden.

 

Kea weigert sich zunächst gegen ihre Aufgabe, zumal sie dann ja Nakush nicht mehr treffen kann. Gilreth hat für die drei Shedis ein Ausbildungsprogramm entwickelt, das diese nicht nur zu dienstbaren Lakaien formen soll, sondern das ihnen dazu noch ein gehörig Maß an dem für ihre Mission notwendigem Wissen vermitteln soll. Auch hier zeigt sich Kea lange Zeit widersetzlich.

 

Am Königshofe trifft sie aber auf Palis, einen „Rittmeister". Dieser junge Mann übt einen ungeahnten Reiz auf die Sklavin aus, die sich ebenfalls - trotz aller Liebe zu Nakush - zu ihm hingezogen fühlt. Wer aber ist bloß dieser Palis, der sich scheinbar alles leisten kann und der trotz aller Eigenmächtigkeiten nie bestraft wird?

 

Die Situation spitzt sich langsam zu: weniger wegen Keas Verhalten (die nach wie vor stets eine Flucht plant), nicht nur wegen zahlreicher Attacken der Rebellen und nicht nur Avarils Intrigen. Denn am Königshof geschieht eines Tages etwas Seltsames, das aber geheim gehalten wird - Kea aber war Augenzeuge. Das zeitweilig „gebannte" sogenannte Juwel der Finsternis, das für „das Böse" steht und das größte Macht verleiht, wird freigesetzt.

 

Vor diesem Hintergrund treten nun beide Königssöhne, Gilreth, die drei Shedis nebst bewaffneter Eskorte die Reise zum Verhandlungsort mit den Abgesandten des Nachbarreiches an. Attackiert werden sie dabei von den Rebellen. Richtig gefährlich aber wird es, als auf dem gesamten Wege unheimliche magische Mächte sich ihnen entgegenstellen. Und viele Opfer fordern. Welche Konflikte sich da auftun, das kann man sich kaum vorstellen. Dabei gerät auch Kea immer wieder in Lebensgefahr und wird vor allem bösen Verdächtigungen ausgesetzt.

 

Sowohl bei den Königlichen als auch bei den Rebellen stellt sich immer wieder die Frage, warum man in Fallen gelaufen ist bzw. warum Angriffe ins Leere gingen. Es kann sich hier wie dort nur um Verrat handeln. Doch wer ist, wer sind die Verräter? Das bleibt bis zum Ende dieses Bandes offen. Dazu paßt, daß es in beiden Lagern zwischen den Akteuren offene, wie versteckte persönliche Animositäten, Rivalitäten und Eitelkeiten gibt, die die jeweilige Sache durchaus ernsthaft gefährden. Mehr noch als der Gegner selbst. Und zusätzlich stehen sich in beiden Lagern noch Kräfte gegenüber, die einerseits am Überkommenen - wie Strukturen und Ritualen - festhalten wollen oder die andererseits nach neuen Lösungen suchen...

 

Wie aber wird Keas Abenteuer ausgehen? Was wird aus ihrer Liebe? Und vor allem: Wer ist eigentlich wer? Wer trägt welches Geheimnis mit sich herum? Es bleibt also spannend! Und da das alles von Mara lang richtig gut fabuliert und erzählt ist, kann man - selbst wenn man kein besonderer Freund von Fantasy ist-, nur auf die baldige Fortsetzung hoffen.

 

Die Autorin hat das alles selbst so formuliert, wenn sie einen ihrer Protagonisten sinnieren läßt:

 

„Nichts fügte sich mehr zusammen, mit jeder neuen Information wurde alles noch komplizierter, noch undurchsichtiger." (S. 276)

 

Und genau das macht den Reiz bei der Lektüre dieses Fantasy-Romans aus!

 

Aber, nein, das macht nur einen Reiz aus. Denn es gibt ja noch etwas weiteres Rätselhaftes: Jedem ihrer Kapitel hat Mara Lang einige Zeilen einer ganz anderen Erzählung vorangestellt. Eine Erzählung, die nicht mit der eigentlichen Handlung korrespondiert. Oder es nur so aussehen lassen soll?

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Mara Lang: Das Juwel der Finsternis. Roman. 368 S. Klappenbroschur. Verlag DrachenStern im Bookspot-Verlag. Planegg 2019. 12,95 Euro. ISBN 978-3-95669-120-1

 



 
19.10.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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