„Fjorgaar“ - ein exzellent geschriebener Debüt-Roman

WEIMAR. (fgw) Der Drachenstern-Verlag hat jetzt den Debüt-Roman der Fantasy-Autorin Dorothea Bruszies (geb. 1983) auf den Buchmarkt gebracht. Und dieser, „Fjorgaar. Der rote Vogel“ getitelt, ist einerseits exzellent geschrieben, überrascht und überzeugt andererseits durch die detail- und nuancen- bzw. facettenreiche Fabulierkunst seiner Autorin.


Dorothea Bruszies erzählt die Geschichte dreier junger Leute von Hier und Heute: Das sind Ben, Student der Mathematik, Arne, Student der Geschichte, und Liz, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet. Ben ist ein Findelkind und wurde daher mit neun Jahren adoptiert. Ihn sucht seit der Kindheit ein immer wiederkehrender Alptraum heim, in dem u.a. ein Waldsee und ein roter Vogel eine große Rolle spielen. Die Geschichte der drei Freunde setzt mit dem 22. Geburtstag Bens ein. Zu diesem bekommt er von seiner Adoptivmutter ein besonderes Geschenk: Zum einen ein ungewöhnliches Amulett, das mit seiner Hekunft zu tun haben soll, und zum anderen einen recht unverständlichen Brief des verstorbenen Großvaters.

 

Nach einigem hin und her gibt Ben dem Drängen seiner Freunde nach und sie begeben sich auf die Suche nach dem Haus, bei dem seinerzeit Ben und sein Großvater aufgefunden wurden. Sie finden es auch; Ben erkennt hier örtliche Details aus seinen Alpträumen.

 

Und da geschieht etwas Unerwartetes: Die Freunde gehen in das baufällige Haus und verschwinden spurlos. Als Ben ebenfalls ins Haus tritt fällt er durch ein Loch im morschen Boden... in eine ganz andere Umgebung. Und hier stößt er dann auch wieder auf Liz und Arne. Sie können sich das alles nicht erklären, befinden sie sich sich in menschenleerer Einöde und machen sich deshalb auf die Suche nach Eßbarem. Irgendwann stoßen sie auf Menschen, die nicht nur ein ihnen unbekanntes Idiom sprechen, sondern die auch noch sonderbar gekleidet sind. Arne dämmert es: Sie sind möglicherweise in einer anderen Welt angekommen, in der mittelalterlich-feudale Verhältnisse und Sitten herrschen müssen. Komischerweise aber gelingt recht bald eine halbwegs verständliche sprachliche Verständigung. Mit dem Trupp kommen sie zu einem großen Gehöft, werden dort aufgenommen. Und in Dienst genommen. Ganz wie mittelalterliche leibeigene Knechte und Mägde müssen sie nun harte Fronarbeit leisten und werden auch entsprechend in sackleinerne Gewänder eingekleidet. Dabei eignet sich der „Vorarbeiter" Bens Amulett an. Während Arne und Liz sich halbwegs in diese fremde Gemeinschaft einfügen, bringt sich Ben durch Leichtsinn und Unverstand immer wieder in Gefahr, wird schwerstens körperlich bestraft. Irgendwann bietet sich aber die Gelegenheit zu einer Flucht, einer erlaubten Abreise. Zuvor kann sich Ben wieder in den Besitz seines Amuletts bringen.

 

Das Bauerngut hat nämlich ein ganz besonderes Produkt als Ware anzubieten, die in der Hauptstadt des Reiches (Gaar heißt es, soviel haben die Drei erfahren) sehr begehrt ist. Und so machen sie sich mit auf den Weg in diese Hauptstadt, Schwarzfels genannt. Mit von der Partie ist auch der Barde Jasrin, der kurz zuvor im Gehöft angekommen ist. In Schwarzfels angekommen, bittet Jasrin die drei Freunde, ein von ihm entwendetes Säckchen aus der Fracht einem Gastwirt zu überbringen. Bei der Übergabe ereignet sich wieder etwas Unerwartetes, denn die Drei werden von Wachen festgenommen - wegen des Handels mit verbotenen Rauschmitteln. Man schleppt Ben, Liz, Arne und auch Jasrin vor den Herrscher dieses Reiches, den Alluhn. Beim Strafprozess anwesend ist auch dessen Berater Morbus. Dieser erkennt das Amulett... Und weiß um dessen Besonderheit und die seines Trägers...

 

Die vier Übeltäter werden zum Tode durch Verbannung verurteilt, zuvor müssen sie aber noch eine gewisse Zeit öffentlich am Pranger stehen.

 

In den Schwarzfels-Episoden werden erstmals diverse Fabelwesen eingeführt, die am Hofe des Herrschers wichtige Rollen spielen. Nach der Prangerzeit werden die Todgeweihten von solchen Fabelwesen auf ein Hochplateau, „das Schwarz" genannt, geführt. Dort sollen sie anderen Fabelwesen „zum Fraß vorgeworfen werden. Doch nun geschieht wiederum Unerwartetes: Denn Jasrin, der doch die Drei in Lebensgefahr gebracht hatte, wird hier dank einer unbekannten Waffe mehrfach zu ihrem Lebensretter. Und so entkommen alle vier dem unheimlichen Plateau und können sich auch noch durch weitere unwirtliche Gegenden durchschlagen. Sie wollen nach Süden, in das andere Reich dieser Welt, nach Fjor... Unterwegs bringt Ben sich und seine Begleiter durch seinen Leichtsinn noch mehrfach in Lebensgefahr. Dabei begegnet er einem weiteren Fabelwesen, das ihn aber wider Erwarten nicht tötet, sondern ihm etwas Unverständliches weissagt...

 

Währenddessen hat Morbus seine eigenen Pläne und ordnet diesen am Hofe des Alluhns alles andere unter...

 

Hier endet die Geschichte. Vorerst. Denn weiteres ist einem Folgeband vorbehalten.

 

Soweit diese Geschichte. Diese eine. Denn es gibt im Buche noch eine weitere! Diese, kenntlich gemacht durch eine andere Schriftart, verläuft parallel zu den Abenteuern, die Ben und seine Freunde in der Anderswelt erleben. Sie spielt sich in Fjor ab und die Protagonisten sind hier Arun und Timos, die der dort herrschenden Kaste angehören. Sie sind Freunde und zugleich Konkurrenten um höchste Ehren und Würden jener Gesellschaft. In dieser Parallelgeschichte erfährt der Leser mehr über diese Anderswelt; z.B. über einen Drachen, der jetzt aus drei Drachen besteht, über höhere Wesen etc. Dies alles aber soll hier nicht weiter ausgeführt werden, denn Ben und die Seinen wissen von alldem noch nichts.

 

Lobenswert ist nicht nur das erzählerische und sprachliche Vermögen der Autorin, sondern nicht minder die kunstvolle Verknüpfung der zwei, nein eigentlich sogar, drei Welten - Erzählstränge: der realen Welt im Hier und Heute und der zwei Handlungsstränge in der fiktionalen Welt.

 

Dorothea Broszies beherrscht die Feinheiten der deutschen Sprache und vermag so, Personen, Ereignisse und insbesondere Milieus poetisch-bildhaft zu beschreiben, zu zeichnen. Das kommt vor allem in den vielen kleinen und kleinsten Details zum Ausdruck und zum Tragen. Allerdings bleibt hier eine Frage offen. Hat die Autorin hier mal die Realität aus dem Auge verloren? Denn die Erdenmenschen aus der Gegenwart dürften doch alle Armbanduhren und Smartphones mit dabei gehabt haben... Wie wurde denn solchiges von den Personen aus der Vergangenheit aufgenommen?

 

Alles in allem liegt jedoch mit diesem Buch ein Fantasy-Roman vor, der durchaus in der Lage ist, Maßstäbe zu setzen. Man darf also überaus gespannt sein auf eine oder gar mehrere Fortsetzungen!

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

 

Dorothea Bruszies: Fjorgaar. Der Rote Vogel. Roman. 440 S. Klappenbroschur. Drachensternverlag im Bookspot-Verlag. Planegg 2018. 14,95 Euro. ISBN 978-3-95669-096-9

 



 
23.11.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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