fowid geht dieser Frage nach: „Wer ist Kirchenmitglied?“

WEIMAR. (fowid/fgw) In verschiedenen Publikationen zur Abfolge eines Dreiklangs von Taufe, Erstkommunion und Firmung wird der Eindruck erweckt, dass diese drei Riten zusammen gehören. Taufen und Erstkommunionen werden ausführlich gewürdigt, während die Firmung nur nebensächlich dargestellt wird. Darin verbirgt sich eine Thematik, bei der die katholische Kirche in Deutschland ihren eigenen Katechismus verleugnet und das kanonische Recht nicht beachtet. In anderen Ländern, in denen es keine Kirchensteuerpflicht wie in Deutschland gibt, spielt diese Thematik keine Rolle.


Die Erstkommunion hat kirchenrechtlich keinerlei Bedeutung. Die normalerweise 9 Jahre alten getauften Mädchen und Jungen werden (wie in den Kirchlichen Handbüchern formuliert wird) „weiterhin nahezu ausnahmslos zur Erstkommunion geführt." Es ist zwar (theologisch) der Beginn des „Vernunftalters" und soll mit einer sehr kindgerechten Feier (mit Kerzen, Kleidern, Anzügen und Schmuckbändern) - traditionell im Klassenverband der 3. Grundschulklasse - die Kinder und die Kirchengemeinde beeindrucken, hat aber nichts mit der verantwortlichen und individuellen Entscheidung der Kinder über eine Kirchenmitgliedschaft zu tun.

 

Taufe und Firmung gehören, im Unterschied dazu, zu den sieben Sakramente der katholischen Kirche. Taufe, Firmung sowie Eucharistie sind dabei die „drei Sakramente der christlichen Initiation". Sie stehen in Deutschland auch in einem zivilrechtlichen Zusammenhang des Beginns der Kirchenmitgliedschaft und einer Kirchensteuerpflicht.

 

Dabei stellen drei Elemente einen verflochtenen Bezug zueinander her, zu denen auch staatliche Regelungen gehören. Der theologisch begründeten Taufe entspricht die kirchenrechtliche Regelung, dass sie den Beginn der Kirchenmitgliedschaft bedeutet, was zivilrechtlich die Folge der Kirchensteuerpflicht hat. So ist die rechtliche Situation in Deutschland.

 

Die Taufe eines Kleinkindes, das seinen eigenen Willen noch nicht äußern kann, wird mit dem elterlichen Sorgerecht begründet. So heißt es im Gesetz über die religiöse Kindererziehung (KErzG) in Artikel 1: „§ 1 Über die religiöse Erziehung eines Kindes bestimmt die freie Einigung der Eltern, soweit ihnen das Recht und die Pflicht zusteht, für die Person des Kindes zu sorgen."

 

Die Regelung in der Kirchensteuerordnung für die Erzdiözese Köln (denen die anderen Kirchensteuerordnungen entsprechen) besagt: „§ 5. Beginn der Steuerpflicht. Die Steuerpflicht beginnt mit dem ersten Tag des Monats, der auf die Aufnahme in die katholische Kirche und auf die Begründung des Wohnsitzes oder des gewöhnlichen Aufenthaltes im Sinne der §§ 8 und 9 der Abgabenordnung in der jeweils geltenden Fassung in dem im Lande Nordrhein-Westfalen gelegenen Anteil der Erzdiözese Köln folgt."

 

Diese Auffassung wird in das staatliche Kirchensteuergesetz (hier des Landes NRW) übernommen. Das Kirchensteuergesetz NRW sagt zur persönlichen Kirchensteuerpflicht: „II. Persönliche Steuerpflicht. § 3, (1) Kirchensteuerpflichtig sind alle Angehörigen der Katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Sinn der §§ 8 und 9 der Abgabenordnung im Land Nordrhein-Westfalen haben".

 

Daraus folgt die Frage: Wenn der Staat diese kirchenrechtlichen Regelungen im Sinne des Kirchenrechts übernimmt, wann die Kirchenmitgliedschaft nach innerkirchlichen Regeln tatsächlich beginnt oder endet - wann beginnt für den kirchenrechtlich Erwachsenen die Kirchenmitgliedschaft? Die Taufe ist erst der Beginn der „Initiation".

 

Firmung

Theologisch heißt es im Katholischen Erwachsenenkatechismus „Das Glaubensbekenntnis der Kirche" (1985)...

 

Mehr dazu auf der Web-Seite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

Carsten Frerk

 



 
27.09.2017

Von: Dr. Carsten Frerk
 
 
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