fowid über den angeblich evangelischen Norden Deutschlands

WEIMAR. (fowid/fgw) Deutschland ist das einzige Land in Europa, das nicht von einer Mehrheitsreligion dominiert wurde, sondern in dem sich historisch zwei christliche Hauptdenominationen behauptet haben. Tendenz: Im Norden und Osten protestantisch, im Westen und Süden katholisch. Der evangelische Norden und Osten hat sich jedoch mittlerweile auf die Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen reduziert.


Die drei Stadtstaaten im Norden (Hamburg, Bremen und Berlin) sind, ebenso wie die Bundesländer im Osten, mittlerweile mehrheitlich konfessionsfrei. (...) ... daher beschränkt sich dieser Text auf die Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

 

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Um die Unterschiedlichkeit in der Religionslandschaft von Schleswig-Holstein anzudeuten seien die zwei Landkreise Dithmarschen sowie Pinneberg und die Landeshauptstadt Kiel kurz erläutert.

 

Der Kreis Dithmarschen liegt an der Nordsee, nördlich der Elbe und hat rund 134.000 Einwohner. Landwirtschaftlich geprägt („Kohltage" im September) hat es eine lange Geschichte der Unabhängigkeit und der Bauernrepublik, bei denen die Kirchenkreise das politische Gliederungsprinzip waren. Alltagssprache war lange Zeit das Plattdeutsche.

 

Im Zensus 2011 waren 69 Prozent der Bevölkerung evangelisch, 5 Prozent römisch-katholisch, 2 Prozent andere Christen und 24 Prozent Nicht-Christen. In allen Altersgruppen haben die evangelischen Kirchenmitglieder die Mehrheit.

 

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Im Kreis Pinneberg, nordwestlich an Hamburg anschließend, leben mehr als doppelt so viele Menschen (310.000) wie in Dithmarschen. Neben den bekannten Baumschulen hat der Kreis eine vielfältige Wirtschaftsstruktur, in der sich auch die Nähe zur Metropolregion Hamburg ausdrückt. Im Zensus 2011 waren 44,9 Prozent der Bevölkerung evangelisch und 44,1 Prozent Nicht-Christen. Rönisch-Katholisch sind 7 Prozent und andere Christen 4 Prozent.

 

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In der Landeshauptstadt Kiel (247.000 Einwohner) zeigt sich in der Gesamtverteilung eine Ähnlichkeit zu Pinneberg. 43,9 Prozent der Bewohner sind evangelisch, 41,9 Prozent Nicht-Christen. 8,5 Prozent sind katholisch und 5,6 Prozent andere Christen. Die Verteilung der Nicht-Christen/Konfessionsfreien ist jedoch gleichmäßiger als im Landkreis Pinneberg und hat mit zwei Gipfelpunkten im Geburtenzyklus eine Ähnlichkeit mit den evangelischen Kirchenmitgliedern. Das spricht dafür - als Hypothese - dass im städtischen Umfeld der soziale Druck (durch kirchliche Sozialeinrichtungen wie Kitas) die Kinder taufen zu lassen, nicht mehr vorhanden ist...

 

Mehr dazu und zu Niedersachsen auf der Webseite der Forschungsgemeinschaft Weltanschauungen in Deutschland.

 

 

Carsten Frerk

 



 
23.02.2018

Von: Dr. Carsten Frerk
 
 
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