fowid über die Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland

WEIMAR. (fowid/fgw) Unter der freien Wohlfahrtspflege wird im Allgemeinen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) verstanden. Mitgliedsverbände sind die Arbeiterwohlfahrt, der Deutsche Caritasverband, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.


Bei fowid heißt es dazu u.a.:

 

Der Deutsche Caritasverband und das Diakonische Werk der EKD sind die größten Einrichtungen dieser Art. Mit jeweils ca. 617.193 (Stand 2014) bzw. 464.828 Mitarbeitern (Stand 2015) beschäftigen sie ca. 63 Prozent der Menschen, die in der Wohlfahrtspflege insgesamt (1,724 Mio. Menschen) arbeiten. Von den Ehrenamtlichen sind nur ca. 43 Prozent bei Caritas und Diakonie tätig. (...)

 

Zusammen erwirtschaften die gemeinnützigen Einrichtungen einen geschätzten Jahresumsatz von rund 55 Milliarden Euro, mehr als die Branchen der Textil- und Bekleidungsindustrie oder das gesamte Gebrauchsgütergewerbe.* Jedoch unterscheiden sich die fünf Sozialverbände von privaten Unternehmen dahin gehend, dass niemand die genauen Umsätze und die Kassenlage der Wohlfahrtsimperien kennt. Es sind keine Unternehmen, die in ihrer Gesamtheit agieren und geführt werden, sondern viele rechtlich eigenständige Kreis- und Landesverbände sowie unabhängige Trägergesellschaften, die ihre Ergebnisse nicht offen legen müssen. (...)

 

Gemeinsam ist allen Wohlfahrtsverbänden ihre finanzielle Abhängigkeit vom Staat. Die Leistungen der Freien Wohlfahrtspflege werden über verschiedene Arten und Kostenträger (Krankenkassen, Pflegeversicherung, staatliche Sozialleistungen, öffentliche Zuwendungen, Spenden usw.) finanziert. Da für die verschiedenen Tätigkeitsbereiche unterschiedliche Mischfinanzierungen vereinbart und geleistet werden, sind zusammenfassende Aussagen kaum möglich. Bei den beiden größten konfessionellen Verbänden handelt es sich dabei um zweistellige Milliardenbeträge.

 

Der größte Teil der Finanzierung stammt aus Entgelten für Leistungen aus der gesetzlichen Kranken- und die Pflegeversicherung. Dabei werden die Zahlungen zwischen den Kostenträgern (GKV, GPV, PKV) und den Leistungserbringern verhandelt, die durch die Zuzahlungen der Versicherten (2008 waren dies ca. 5,3 Mrd. Euro) ergänzt werden. Leistungsentgelte werden z.B. in Krankenhäusern, Heimen und Kindergärten erhoben. Die Nutzer müssen diese selbst zahlen oder bekommen diese von öffentlichen Leistungsträgern erstattet.

 

Die öffentlichen Mittel unterteilen sich in direkte Zuwendungen und indirekte Hilfen. (...)

 

Die konfessionellen Verbände erhalten darüber hinaus von ihren Kirchen Geld aus Kirchensteuermitteln. In "Caritas und Diakonie in Deutschland" (Dr. Carsten Frerk, 2012) stellt der Autor fest, dass die Kirchen lediglich 1,8 Prozent zur Finanzierung von Caritas und Diakonie beitragen (sogenannte "Kirchenquote"). Bei einem geschätzten Jahresumsatz bei Caritas und Diakonie von rund 45 Mrd. sind das etwa 830 Mill. Euro. Diese fließen vor allem in "missionsnahe" Bereiche, wie die Finanzierung von Kindergärten, Palliativ-Pflegeheime und in den Bereich Hilfe für behinderte Menschen.

 

Die Katholische Kirche gibt an, etwa 8-10 Prozent der Kirchensteuermittel an das katholische Hilfswerk zu zahlen. Im Geschäftsbericht 2015 der Caritas werden 11,84 Mio. Euro als kirchliche Zuschüsse deklariert. Im Geschäftsbericht 2015 der Diakonie liest man dagegen nur: "... Die Zuwendungen stammen im Wesentlichen aus dem öffentlichen und kirchlichen Bereich. Im Vergleich zum Vorjahr konnten sich die Zuwendungen in 2014 um 0,97 Mio. EUR erhöhen...". Leider keine Zahlenangaben. Auch bei den Erträgen tauchen keine kirchlichen Zuschüsse auf. Die EKD nennt zumindest bei ihren Ausgaben eine Größenordnung: "... gefolgt von der gemeindediakonischen Arbeit, zu der auch die evangelischen Kindertagesstätten zählen, mit 2,5 Milliarden Euro...", eine Summe, in der allerdings auch die staatlichen Zuschüsse enthalten sind.

 

Somit stellt sich das Finanzierungsgefüge der Wohlfahrtsverbände in etwa so dar: ca. 70 Prozent Leistungsentgelte, 15-18 Prozent öffentliche Zuwendungen, etwa 8-12 Prozent aus eigenen Erträgen, 2 Prozent Spenden und die beiden kirchlichen Verbände erhalten ca. 2 Prozent aus den jeweiligen "Kirchensteuern". (...)

 

(SRK)

 



 
13.12.2016

Von: SRK
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ