fowid über Religionszugehörigkeiten in Deutschland 2017

WEIMAR. (fowid/fgw) Bei der Feststellung der Religionszugehörigkeiten in Deutschland zum Jahresende 2017 besteht die gleiche Gemengelage wie bisher: Einerseits überexakte Zahlen, andererseits veraltete Schätzungen aus denen sich dann erhebliche ‚Restgrößen‘ ergeben, deren Anteile dann auf eine geschätzte Bevölkerungszahl umgerechnet werden. Damit muss man leben, denn Genaueres gibt es nicht in Deutschland.


Bei fowid heißt es dazu u.a.:

 

Die Deutsche Bischofskonferenz nennt zum Jahresende 2017 genau 23.311.321 katholische Kirchenmitglieder, die Evangelische Kirche in Deutschland genau 21.535.858 Mitglieder der EKD. Diese Zahlenangaben beruhen auf den Angaben zur Religionszugehörigkeit in den staatlichen Melderegistern, die den Kirchen für ihre Mitglieder ‚überspielt‘ werden. Allerdings sind diese exakten Zahlenangaben zumindest auf Tausender abzurunden, da die staatlichen Melderegister eine Ungenauigkeit von bis zu drei Prozent aufweisen. (...)

 

Die Zahl der Mitglieder der römisch-katholischen Kirche verringerte sich (2017) aufgrund der Angaben der Melderegister um 269.000 Personen, die Zahl der EKD-Evangelischen verringert sich um 394.000. Für beide großen Kirchen zusammen ist das (2017) ein Mitgliederverlust von 663.000 Mitgliedern.

 

Der Rückgang der Mitgliederzahlen setzt sich aus vier Komponenten zusammen: 1. den Kirchenaustritten, 2. dem Bestattungsüberschuss (kirchliche Bestattungen vs. Taufen) 3. den Neuaufnahmen und 4. dem Saldo der Wanderungsbilanz. (...)

 

Insgesamt setzen sich die Trends für die beiden großen Kirchenverbände kontinuierlich fort. Der Anteil an der Bevölkerung hat sich von 55 Prozent (2016) auf 54 Prozent (2017) verringert. Bleiben diese Trends erhalten oder verstärken sich sogar (wie der Sterbeüberschuss bei den EKD-Evangelischen), so werden die Kirchenmitglieder der beiden großen Kirchenverbände voraussichtlich in den Jahren 2022/2023 den Anteil von 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland unterschreiten. (...)

 

Muslime

In den Melderegistern werden nur die Mitglieder der religiösen Körperschaften des öffentlichen Rechts erfasst. Die letzte belastbare Statistik zu der Anzahl der Muslime in Deutschland stammt aus der Volkszählung 1987. Damals wurden als „Angehörige der islamischen Religionsgemeinschaft" insgesamt 1.650.952 Personen gezählt. (...) Aufgrund mangelnder Daten wird die Schätzung/Hochrechnungen des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) im Bericht „Wie viele Muslime leben in Deutschland" (2016) verwendet. „Ergebnis ist, dass in Deutschland am 31. Dezember 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen muslimische Männer und Frauen lebten. Demnach sind von insgesamt 82,2 Millionen Einwohnern zwischen 5,4 und 5,7 Prozent muslimische Glaubensangehörige.

 

Kultur-Muslime

Um einerseits die Unterschiedlichkeit der Religionszugehörigkeitszuweisung im Islam zu berücksichtigen (Ist der Vater Muslim, sind auch die Kinder Muslime) und andererseits annähernd eine Vergleichbarkeit zu den Zahlenangaben der (christlichen) Kirchenmitglieder (mit der Möglichkeit des formalen Kirchenaustritts und der Konfessionsfreiheit) zu erreichen, hat die fowid-Gruppe sich darauf verständigt, nur die Muslime, die sich selbst als religiös bezeichnen, als konfessionsgebundene Muslime einzustufen. Die nicht-religiösen Muslime, die niemals religiöse Veranstaltungen besuchen, die sich aber aus Tradition, Lebensgewohnheiten u. a. m. als Muslime bezeichnen, sind entsprechend„Kultur-Muslime".

 

Wie hoch der Anteil dieser nicht-religiösen Kultur-Muslime ist, ergibt sich u. a. aus den Studien „Muslimisches Leben in Deutschland (MLD 2008)", des BAMF. Darin geben - mit unterschiedlichen Variationen aufgrund der Herkunftsländer - insgesamt 29 Prozent der befragten Muslime an, niemals religiöse Veranstaltungen zu besuchen, also auch niemals in die Moschee zu gehen. (...) Als Schlussfolgerung hat fowid sich entschieden, 20 Prozent der Muslime als nicht-religiöse Kultur-Muslime anzunehmen und sie entsprechend als Konfessionsfreie aus der Gesamtzahl der Muslime herauszurechnen. (...)

 

Sonstige Religionszugehörige

Diese Sammelkategorie erfasst alle Zählungen und Schätzungen von Mitgliederzahlen der vielen kleineren Religionsgemeinschaften in Deutschland. Dieser Erfassung widmet sich vor allem REMID (Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.) mit großer Gewissenhaftigkeit. Für die vielen kleineren Religionsgemeinschaften in Deutschland liegen jedoch für Ende 2017 (noch) keine Zahlen vor, sodass die Zahlenangaben auf dem Stand von 2016 und früher verblieben sind.

 

Mehr dazu auf der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

(CF/ES/MK)

 



 
09.10.2018

Von: (CF/ES/MK)
 
 
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