fowid zu einer Studie über konfessionsfreie Indentitäten

WEIMAR. (fowid/fgw) Zu dem Drittel der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland, die keiner Kirche angehören, liegen kaum detaillierte Erkenntnisse vor, welche weltanschaulichen Auffassungen und wertebezogenen Orientierungen in der Gruppe der Konfessionsfreien verbreitet sind.


Daraufhin begann im vergangenen Jahr erstmalig eine wissenschaftliche Befragung. Sie widmete sich dieser Fragestellung unter dem Titel „Konfessionsfreie Identitäten", die von vier renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt worden ist. Die Studie unter federführender Leitung der Psychologin Dr. Tatjana Schnell (Universität Innsbruck) wurde in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Dänemark durchgeführt. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor. Dazu heißt es bei fowid u.a. weiter:

 

...Menschen ohne Zugehörigkeit zu einer Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft blieben bisher bei der empirischen Sozialforschung weitgehend unbeachtet. Es ist aber wichtig, dass die Existenz, die Relevanz und die Interessen von konfessionsfreien Menschen auch zunehmende Aufmerksamkeit in der Wissenschaft finden und entsprechend empirisch untersucht werden. Diese Untersuchungen sind nun europäisch vergleichend und auf Dauer in die universitäre Forschung eingebettet. Für den praktischen Humanismus, der sich an Menschen in allen Lebenslagen richtet, ist verlässliches Wissen über Konfessionsfreie erstrebenswert, um Angebote an Dienstleistungen und Unterstützung durch konfessionsfreie Organisationen gezielt weiterzuentwickeln. (...)

 

Das Wissen und das Bewusstsein von der Vielfalt weltanschaulicher Auffassungen, Praktiken und Werteorientierungen sind notwendig für eine Demokratie. Erstmals sollten hier eingehender die lebensweltlichen Identitäten von Menschen ohne Konfessionszugehörigkeit betrachtet werden. (...)

 

Bei bisherigen psychologischen Studien wurden weltanschauliche Fragen nur in Form von „Religion" oder „Spiritualität" einbezogen. Menschen wurden nur danach beurteilt, ob und wie stark sie über religiöse Überzeugungen, Erfahrungen, Handlungen verfügen. Das Nichtvorhandensein wurde nicht als forschungswürdig angesehen. Dabei können nicht-religiöse und nicht-spirituelle Haltungen mit ganz unterschiedlichen Positionen verknüpft sein. Dies bezieht sich nicht nur auf eine gänzliche Ablehnung von Religion, sondern kann auch ein alternatives Lebenskonzept sein, über dessen Verbreitung und persönliche Ausgestaltung noch sehr wenig bekannt ist. (...)

 

Speziell wurde in der Studie auch die Zugehörigkeit zu säkularen Organisationen erfragt. Gibt es Unterschiede zwischen den „organisierten" Säkularen und den „unorganisierten"? Diese Frage muss noch aus den ermittelten Daten geklärt werden. Doch es gibt kleinere bis größere Unterschiede zwischen den organisierten Konfessionslosen in ihren Auffassungen zu Lebenszufriedenheit, Wissenschafts- und Technikorientierung und Humanismusorientierung...

 

Mehr dazu ab der Webseite der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland.

 

(ES/SRK)

 



 
11.07.2017

Von: ES / SRK
 
 
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