Freimaurer, Elektrosmog, ein Profikiller und viel Sex dazu

WEIMAR. (fgw) Eine Neuerscheinung im Bookspot-Verlag – „Brudermahl - Ein „Freimaurer-Krimi“ - weckte große Neugier, doch schon nach wenigen Seiten enttäuschte dieses Buch ungemein. Einen unangenehmen Vorgeschmack gab es bereits mit der Autorenvorstellung im Klappentext; einfach zu marktschreierisch pries hier der Verlag seinen neuen Autor Guido Grandt an...


Worum geht es in diesem Buch, das auf der Schwäbischen Alb rund um Reutlingen spielt? Zunächst wird im eisig kalten Winter ein Toter in einem Flüßchen aufgefunden. Selbstmord, Unfall oder Mord? Noch ist nichts eindeutig für die Kriminalisten um Hauptkommissar Mark Brandner. Dieser ist „nebenbei" Mitglied in einer Freimaurerloge und erkennt in dem Todesfall die rituelle Hinrichtung eines Verräters. Aber wessen hatte sich der Tote, es handelt sich um einen Bankdirektor, schuldig gemacht? Kurz darauf wird noch ein Diplomingenieur ertrunken in seiner Badewanne aufgefunden - für Brandner, aber nur diesem, sind auch hier Hinweise auf Freimauerisches erkennbar. Was verbindet die Männer? Und: Mord-Motive sind einfach nicht erkennbar!

 

Derweil befindet sich der wackere Kriminalist in einer persönlichen Beziehungskrise. Just zu diesem Zeitpunkt begegnet er seiner verflossenen großen Liebe wieder, übrigens einer Halbrussin aus der Ukraine. Die wird schon kurz darauf Opfer eines Überfalls. Ebenso ein alter Bauer.

 

Aber noch erschließen sich den Ermittlern die Zusammenhänge nicht so richtig. Doch schält sich heraus: Es geht um Elektrosmog, die die Kälber des Bauern so verstrahlt haben sollen, daß sie total mißgebildet sind. Demnächst soll noch ein Funkmast neben einem Kindergarten errichtet werden. Diesem Skandal war der Diplom-Ingenieur auf der Spur und die Journalistin sollte seine Recherchen in die Medien bringen.

 

Doch was hat das nun mit den Freimaurern zu tun? Durch die Hinweise auf rituelle Tötungen gerät ein Logenbruder in Verdacht, der Mörder zu sein. Aber warum? Was hat das mit den verstrahlten Kälbern zu tun? Das bleibt unklar. Brandner steckt nun jedoch in der Bredouille, weil er ja selbst ein Logenbruder ist und demzufolge zu unbedingter interner Loyalität verpflichtet. Er gerät ins Zweifeln; erst recht als seine neue alte Flamme brutal überfallen wird. Brandner stellt den Rechtsstaat über Logenmitgliedschaft, wird selbst ausgeschlossen und „zum Abschuß freigegeben". Ein fast bis zu letzt anonymer Logen-Oberer verurteilt im weiteren auch die Journalistin zum Tode. Hierfür, wie bereits für die anderen Morde und Anschläge, hat er einen Profikiller, genannt „Bullterrier", engagiert. Dieser will vor der Tat aber noch seinen Spaß haben und vergewaltigt die Frau auf das brutalste.

 

Natürlich kommt es noch zu einem großen „Shot down", pünktlich um 12 Uhr mittags...

 

Breit werden in diesem Krimi dazu die heißen Liebesspiele des Kommissars und seiner wiedergefundenen Flamme ausgewalzt. Nicht minder die für den „Bullterrier" genüßliche Vergewaltigung.

 

Alles in allem ist hier alles „zu dick aufgetragen", kommt zu aufgebauscht, zu sensationsheischend, zu reißerisch daher. Insbesondere die Gruselstory der krebserzeugenden Abstrahlungen der Mobilfunkmasten ist mittlerweile zu unglaubwürdig. Grandt hat einfach zu oberflächlich dahingeschrieben. Bei aller Fiktion und notwendiger Spannung wirkt das zu realitätsfremd. Dazu sind auch noch viele Personen überzeichnet, sind dadurch zu unglaubwürdig. Und wenn dann noch Parallelen zwischen dem Mord am Diplom-Ingenieur und dem Jahrzehnte zurückliegenden Todesfall Uwe Barschel hergestellt werden, dann möchte man nicht mehr weiterlesen.

 

Was dieses Buch aber dennoch einigermaßen lesenswert macht, das sind die Passagen, in denen es um Geschichte, Rituale und Gepflogenheiten der Freimaurer geht (Selbst dann, wenn die beiden im Roman vorkommenden Logen reine Erfindungen des Autors sind). Deshalb sei hier besonders auf die Seiten 26 bis 29, 77 bis 80, 137, 150 bis 152, 168 und 169 sowie 199. Inwieweit diese Passagen aber realitätsnah sind oder einfach doch nur Klischees bedienen, das kann der Rezensent nicht sagen. Aber sie weisen in einer Weise sogar noch auf anderes hin: Auch die großen christlichen Kirchen stellen sich, wie die Feme der Freimaurer in diesem Roman, mit ihrer internen Gerichtsbarkeit über die „für alle Gesetze des Staates". Man denke da nur an die „Ahndungen" derjenigen Kleriker, die sich in Bundesdeutschland des Mißbrauches von Minderjährigen schuldig gemacht haben...

 

Jedes Kapitel wird übrigens mit einem Zitat eingeleitet, die überwiegend von bekannten, aber auch von weniger bekannten Freimaurern stammen: den Literaten Johann Wolfgang von Goethe, Mark Twain, Oscar Wilde, dem Abbé Louis Constant, von Benjamin Disraeli (einst britischer Premier), J. Edgar Hoover (jahrzehntelanger FBI-Chef) sowie Franklin D. Roosevelt und Woodrow Wilson (beide einstige US-Präsidenten).

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Guido Grandt: Brudermahl. Ein Freimaurer-Krimi. 245 S. Klappenbroschur. Bookspot-Verlag. Planegg 2019. 12,95 Euro. ISBN 978-3-95669-126-3

 



 
16.08.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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