Hasentod – ein neuer Fall für Fußpflegerin Konny Lorenz

WEIMAR. (fgw) Angelika Stucke kann's nicht lassen... Kann's nicht lassen, einen guten Krimi nach dem anderen zu schreiben: Skurril, humoristisch, spannend, amüsant, mit kauzigen Typen aus Fleisch und Blut, wie der kriminalisierenden Fußpflegerin Konny Lorenz und ihrem Freundes- und Kundenkreis aus dem Altenheim. Und wie schon bei den vorhergehenden Fällen sind sie alle bei der Aufklärung dem ermittelnden Kriminalkommissar immer ein kleines Schrittchen voraus.


Hasentod - ein irreführender Titel, auch wenn alles mehr oder weniger mit der Bestattung eines Kaninchenbratens beginnt. Alles spielt sich wieder in einem Dörfchen im niedersächsischen Leinebergland ab, wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2009. Der Rentner und Kaninchenzüchter Wilhelm Knackstedt muß erleben, daß seine mit ihm zusammenlebende Schwester seinen Lieblingsrammler geschlachtet hat und dieser bereits als Weihnachtsfestbraten hergerichtet ist. Diesen Frevel kann er nicht zulassen und so bittet er den jüngsten Sohn der Fußpflegerin Konny Lorenz um Hilfe: Dieser soll auf Knackstedts Grundstück ein Grab ausheben, damit der Rammler ein aus Sicht des Züchters würdiges Ende finden kann. Doch es geschieht etwas unerwartetes: Schon nach wenigen Spatenstichen stößt der Junge auf einen Schädel. Die herbeigerufene Polizei findet weitere Knochen und relativ schnell wird klar, um wen es sich handeln könnte. Denn 38 Jahre zuvor war im Dörfchen ein 16jähriges Mädchen verschwunden. In mehreren Rückblenden kommt das Geschehen vom August 1971 in Erinnerung, als das frühreife Mädchen fast jeden Mann des Dorfes verführt hatte.

 

Doch es gibt auch Zweifel an der Identität der Toten. Und kurze Zeit später wird eine weitere Frauenleiche im nahen Wald gefunden... Die Ermittlungen werden intensiviert...

 

Und zwischendrin immer das geballte Dorfleben: Konny Lorenz und ihre Familie, die Vorbereitungen einer Weihnachtsfeier im Altenheim. Allen lassen die Leichenfunde keine Ruhe, man stellt Mutmaßungen an, beginnt wieder zu kriminalisieren. Zumal auch Kriminalkommissar Harald Linden wieder mit von der Partie ist und Hobbydetektivin Konny um Hilfe bittet.

 

Wer die beiden Toten sind, wer als Mörder verdächtigt wird und wer schließlich beider Untaten überführt wird, das soll hier nicht verraten werden.

 

Angelika Stucke versteht es meisterhaft zu erzählen, Spannung aufzubauen und diese zu erhalten. Die Autorin kann mit Sprache umgehen und zeichnet so plastische Bilder von Charakteren und Landschaft. Man liest voller Spannung, kann sich vom Buch kaum lösen und immer wieder muß man über skurrile Situationen lauthals lachen. Hier sei besonders eine Szene erwähnt: Die Altenheimbewohner kommen auf Hintergründe für den ersten Mord und wollen warnen. Das Telefonnetz ist jedoch zusammengebrochen, tiefverschneite Wege und Dunkelheit stellen ein weiteres Hindernis dar, Busse fahren nicht mehr und ein Taxi aus der Kreisstadt zu rufen - ein Ding der Unmöglichkeit. Da kommt die zündende Idee: Im Heim gibt es Schlitten und einen nagelneuen Rasenmäher, so können sich drei der hochbetagten Rentner im atemberaubenden Tempo von vier Stundenkilometern auf den Weg zum Ort des Geschehens machen. Ähnlich gut die Szene, wie mit hexischer List, der Mörder zur Strecke gebracht wird... Schade, daß das Fernsehen die Krimis von Angelika Stucke noch nicht verfilmt hat...

 

Nebenbei, der Krimi beinhaltet sogar ein kleines Stück Kirchen- und Religionskritik. Die allesamt christlichen Rentner wollen die Weihnachtsgeschichte aufführen. Dazu heißt es auf S. 21/22: "...als der gewohnte Termin für die Weihnachtsfeier auf Antrag Gottfried Schusters auf den 6. Januar verlegt worden war. Der pensionierte Lehrer hatte angeführt, dass das Christuskind ja erst von den Heiligen Drei Königen seine Geschenke erhalten habe und dass es von daher stil- und sinnvoller sei, sich gegenseitig auch erst am 6. Januar zu beschenken. (...) 'Geschenke am 6. Januar! Was für eine aberwitzige Idee! Außerdem stimmt das mit dem Datum sowieso alles nicht. (...) Es gibt viele Quellen, die besagen, dass Jesus im Frühjahr geboren sein muss, denn wenn damals Hirten auf dem Feld gelegen haben sollen, dann war das ganz sicher nicht im Winter. Auch im Nahen Osten ist es für die Schafe und Hirten im Dezember zu kalt, um nachts draußen zu lagern. Die liegen dann alle schön im warmen Stall.'"

 

Fazit: Auf einen neuen Fall bin ich schon jetzt gespannt!

 

Siegfried R. Krebs

 

Angelika Stucke: Hasentod. Kriminalroman. 320 S. Hardcover. Zu Klampen Verlag. Springe 2012. 12,80 Euro. ISBN 978-3-86674-162-1

 



 
01.03.2012

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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