HLS aktuell: Robert Roßbruch zum künftigen Weg der DGHS

WEIMAR. (fgw) Wie schon gute Gewohnheit geworden, konnte auch zu diesem Quartalswechsel die aktuelle Ausgabe der DGHS-Vierteljahreszeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS) ihre Leserschaft erreichen. Die DGHS - das heißt ausgeschrieben Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. - versteht sich als Menschenrechts- und Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung. Schwerpunktmäßig geht es in der Heft-Ausgabe 4-2020 um das 40-jährige Jubiläum der DGHS und verbunden damit um den künftigen Weg der Organisation.


In seinem Editorial geht DGHS-Präsident Prof.Dr.Dr. Dieter Birnbacher zuvor aber nochmals auf eine wichtige Thematik ein, wenn er u.a. schreibt:

 

„...das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende Februar dieses Jahres hat die Rechtslage vor 2015 wiederhergestellt und damit den über vier Jahre verschlossenen Notausgang einer Selbsttötung erneut geöffnet. (...)

In der Praxis steht der Notausgang allerdings erst halb offen. Zwei Barrieren stehen weiterhin im Wege. Erstens das berufsrechtliche Verbot einer ärztlichen Beteiligung an der Selbsttötung durch die 10 Landesärztekammern, die die vom Deutschen Ärztetag 2011 beschlossene Verbotsempfehlung übernommen haben. (...)

Zweitens lässt sich auch nach dem Urteil das in der Schweiz zur Herbeiführung eines schnellen und leichten Todes bewährte Mittel Natriumpentobarbital in Deutschland immer noch nicht legal beschaffen.

Der gegenwärtige Rechtszustand ist nicht nur halbherzig, sondern glatterdings unlogisch. Wenn der ehemalige § 217 StGB verfassungswidrig ist, weil er die Wahrnehmung des Grundrechts auf selbstbestimmtes Sterben effektiv verschließt, sind auch diese weiteren Hürden mit der Verfassung nicht vereinbar und müssen abgebaut werden." (S. 3)

 

Daher hat die DGHS im September vor der Bundespressekonferenz einen eigenen Gesetzesvorschlag zur Freitodbegleitung präsentiert. „Wir brauchen eine Klarstellung im Betäubungsmittelgesetz", heißt es in einem diesbezüglichen redaktionellen Beitrag auf S. 13.

 

Die Patientenschutz-Organisation wartet aber nicht ab, sondern verbessert regelmäßig ihre Dienstleistungen. Daher werden auf S. 12 die beiden neuen Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle vorgestellt, die dort speziell mit dem Thema Sterbebegleitung befaßt sind. Und Oliver Kirpal geht auf den S. 14 und 15 das neueste Serviceangebot, die App „Lebenszeichen" ein.

 

„Die DGHS wird 40!" - so hat Wega Wetzel einen kurzen Rück- und Ausblick auf die Geschichte des am 7. November 1980 gegründeten Vereins überschrieben. Darin stellt sie die aus diesem Anlaß herausgegebene Festschrift vor, die ab 15. November kostenfrei - so lang der Vorrat reicht - bei der Geschäftsstelle erhältlich ist. (S. 4 - 5)

 

Die Geschichte der DGHS wird auch in den ganz persönlichen Erinnerungen des Zwickauers Rolf Knoll lebendig, der vor 30 Jahre als erster DDR-Bürger nicht nur Mitglied, sondern auch erster ostdeutscher Ehrenamtler dieses Vereins wurde. (S. 33-34)

 

Wie aber soll es nach dem bahnbrechenden Urteil des Verfassungsgerichtsurteils mit der DGHS, ihrer Programmatik, ihren Angeboten weitergehen? Vizepräsident Prof. Robert Roßbruch hat sich darüber Gedanken gemacht. In diesen geht es konkret um die zukünftige programmatische und strategische Ausrichtung der Organisation, die sich auch in einer überarbeiteten Satzung widerspiegeln muß. Darin geht er u.a. auf die Kennzeichen einer solchen Neuausrichtung ein, verbunden mit den Fragen „Wenn nicht wir, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann denn?" (S. 6 - 11)

 

Gerade dieser Grundsatzartikel - einen Monat vor der turnusmäßigen Delegiertenkonferenz - kündet nicht nur von Verantwortungsbewußtsein, sondern vor allem von gewonnener Transparenz. Stellt doch Roßbruch seine Gedanken und Vorschläge nicht nur dem doch überschaubaren Kreis der Ehrenamtler vor, sondern auf diesem Wege allen Mitgliedern.

 

Trotz all dieser umfangreichen Schwerpunkt-Berichterstattung sind in dieser Ausgabe ohne Einschränkung auch die üblichen Rubriken zu finden. Mit Beiträgen aus Bad Dürrheim, Freiburg, Köln und Nürnberg wird über die Arbeit der DGHS in den Regionen berichtet. Der „Blick über die Grenzen" schaut nach Italien, Japan, Österreich und in die Schweiz. Dazu gibt es den „Blick in die Medien", Leserbriefe und Ausstellungstips. Abschließend werden noch von Siegfried R. Krebs und Wega Wetzel fünf für DGHS-Mitglieder interessante Bücher vorgestellt.

 

Mehr zur DGHS und der HLS gibt es auf deren Webseite zu lesen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 



 
30.09.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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