HLS-Titelthema: „Wie die DGHS mit einer Behörde kämpft“

WEIMAR. (fgw) Wiederum pünktlich zum Quartalsbeginn ist dieser Tage die neueste Ausgabe der DGHS- Vierteljahreszeitschrift „Humanes Leben – Humanes Sterben“ (HLS) mit dem Titelthema „Sterben nicht genehmigt – Wie die DGHS mit einer Behörde kämpft“. Die DGHS - das heißt ausgeschrieben Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. - versteht sich als Menschenrechts- und Patientenschutz-Organisation sowie als Bürgerrechtsbewegung.


Mit dem Titelthema befaßt sich eingehend ein Interview des Humanistischen Pressedienstes mit DGHS-Vizepräsident Rechtsanwalt Prof. Robert Roßbruch: „Die Handlungsweisen passen nicht zu einem liberalen Rechtsstaat". Darin wird vor allem der Frage nachgegangen, wie es derzeit mit den Anträgen auf Suizidmittel bestellt ist, die an das Bundesinstitut für für Arzneimittel und Medizinprodukte gestellt worden sind. Prof. Roßbruch vertritt einige der Antragsteller rechtlich. Befragt, welche Entscheidung er vom Bundesverfassungsgericht bezüglich der Verfassungsbeschwerden gegen den StGB-Paragraphen 217 erwarte, verweist Roßbruch auf vier mögliche Optionen. Seinen eigenen Standpunkt legt er wie folgt dar: „...dass es in einem liberalen und freiheitlichen Rechtsstaat jederzeit möglich sein muss, einem Leben, dem aller Sinn, alle Freude, alle Schönheit und Würde abhandengekommen ist,mittels professioneller Hilfe ein selbstbestimmtes und humanes Ende zu ermöglichen, ohne dass der professionelle Helfer befürchten muss,sich aufgrund seiner Hilfe strafbar zu machen." (S. 4-7) Dieses Interview findet Ergänzung durch weitere Informationen und Pressestimmen.

 

Gleich mit drei Beiträgen, ebenfalls zu Rechtsfragen, meldet sich in dieser Ausgabe DGHS-Präsident Prof.Dr.Dr. Birnbacher zu Wort. In seinem Editorial heißt es u.a.: „Seit längerem wird darüber diskutiert, die Idee der Vorausverfügung für Lebensphasen, in denen jemand nicht (oder nicht mehr) einwilligungsfähig ist, über den Bereich der ärztlichen Behandlung hinaus fruchtbar zu machen. Eine von diesen Erweiterungen ist die Möglichkeit, vorsorgliche Wünsche an eine spätere pflegerische Versorgung zu äußern. (...) Ist das, wie Kritiker befürchten, der Einstieg in eine „fremdnützige" Forschung, die die in besonderer Weise Hilflosen und Ohnmächtigen zu Versuchskaninchen im Dienste anderer macht? Dieser Eindruck täuscht. (...) Schließlich besteht die Möglichkeit zu Festlegungen über eine spätere Teilnahme oder Nichtteilnahme an medizinischen Forschungen auch bereits bei der Patientenverfügung in ihrer „klassischen" Form." (S. 3)

 

Auf neue Entwicklungen in den USA, wo entsprechende Initiativen weitergehender sind als hierzulande, geht der Präsident in seinem Artikel „Verfügungen für die Spätphase dementieller Erkrankungen" ein. (S. 8-9). In einem weiteren Beitrag meldet sich Birnbacher noch zur aktuellen Organspende-Diskussion, angestoßen von Gesundheitsminister Jens Spahn, zu Wort und erklärt: „Auch jetziges Verfahren widerspricht bereits dem Selbstbestimmungsrecht!" (S.10)

 

Um Rechtliches geht es ebenfalls in der Kolumne von Manfred von Lewinski: „Selbstbestimmung im Sterben versus Lebensschutz". Lewinski plädiert hier u.a. für eine ergebnisoffene Suzidpräventionsberatung und meint zusammenfassend: „Müssten Sterbewillige damit rechnen, dass man sich mit ihrem Sterbewunsch nicht ergebnisoffen auseinandersetzt, würden sie diese Beratung eher meiden. Ein wichtiges Stück praktischen Lebensschutzes wäre damit vertan." (S. 33-34)

 

Schließlich geht Rechtsanwalt Dr. Oliver Kautz noch der Frage nach, wem die elektronischen Daten und Benutzerkonten eines Verstorbenen gehören würden. Was den digitalen Nachlaß angeht, faßt er prägnant so zusammen: „Mit der Entscheidung des BGH ist endlich klargestellt, dass die Erben die Rechtsnachfolge in den digitalen Nachlass des Erblassers antreten,die Dienste-Anbieter die Daten zur Verfügung stellen müssen und die Rechte der Kommunikationspartner des Erblassers dem nicht entgegenstehen.Diese Entscheidung entbindet die Betroffenen nicht davon, bereits zu Lebzeiten ihren digitalen Nachlass zu organisieren." (S. 14-15)

 

„Essen gegen das Vergessen" so ist ein sehr informativer Beitrag von Manuela Hauptmann überschrieben, in dem sie sich der Frage zuwendet, ob mit der richtigen Ernährung auch gegen Demenz und Alzheimer vorgebeugt werden könne. Sie bejaht dies weitgehend, fügt aber hinzu: „Es gibt kein Patentrezept, um sich vor der Alzheimer-Krankheit zu schützen. Aber eine abwechslungsreiche mediterrane Küche,viel Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, das Gehirn beanspruchen und auch mal die Seele baumeln lassen, können einen vorbeugenden Effekt haben." (S. 12-13)

 

In den ständigen Rubriken „Aus dem Vereinsleben" und „Aus den Regionen" finden sich Beiträge über das Engagement des ostdeutschen Entertainers Beppo Küster für die DGHS, über die Arbeit von Helga Liedtke als Kontaktstellenleiterin in Hessen sowie über Veranstaltungen in Berlin, Nürnberg und Storkow (Mark).

 

Nicht fehlen dürfen auch die anderen ständigen Rubriken „Blick über die Grenzen" (nach Australien, Belgien, Frankreich, Schweiz und Spanien), „Leserbriefe" und „Für Sie gelesen" (mit Rezensionen von Brigitte Scheele, Siegfried R. Krebs und Wega Wetzel). Hinzu kommen wie immer umfangreiche Informationen über bevorstehende DGHS-Veranstaltungen.

 

Doch nicht nur die Texte sind in dieser Ausgabe ansprechend, diese Feststellung gilt gleichermaßen für die von Oliver Kirpal besorgte Bildauswahl.

 

Mehr Informationen zur DGHS und ihrer Zeitschrift sind auf deren Homepage zu finden.

 

 

Siegfried R. Krebs

 



 
30.09.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ