Hochzeitstrubel sowie Cosplayer und Morde auf Norderney

WEIMAR. (fgw) Die ostfriesische Insel Norderney hat es der Rheinländerin Anja Eichbaum angetan. Im Jahre 2017 siedelte sie hier ihren ersten Kriminalroman »Inselcocktail« an. Und heuer ist mit »Inselaffäre« eine darauf Bezug nehmende Fortsetzung erschienen.


Die Rheinländerin Daniela hatte hier seinerzeit während eines aufsehenerregenden Kriminalfalls Frank Prinzen kennen- und auch lieben gelernt. Nun wollen beide auf Norderney heiraten und auf der Insel ihre gemeinsame Zukunft verbringen. Für die Hochzeitsfeier haben sich übrigens sogar der Inselpolizeichef Martin Ziegler und seine Leute einige besondere Einlagen einfallen lassen.

 

Doch vor dem großen Tag geschieht das: Der alteingesessene Hilmar Hansen wird auf seinem Gartengrundstück tot aufgefunden. Und zwar kopfüber in einer Regentonne steckend. Ein unglücklicher Unfall oder ein Fall für die Mordkommission? Verdächtig sind die Umstände durchaus, denn Hansen war nicht unbedingt beliebt. Vor allem aber kriselte es in seinem Umfeld, zwischen seiner verwitweten Schwägerin Anneliese und einer eifersüchtigen alten Freundin, namens Ingrid Folkerts.

 

Doch es bleibt nicht bei dem einen rätselhaften Todesfall. Unmittelbat vor dem Hochzeitsakt wird der Polizei das Auffinden einer Leiche am Strand gemeldet. Es handelt sich um eine der beiden Frauen aus Hansens Umfeld... Da deutet alles eindeutig auf einen Suizid hin. Durch die Ermittlungen kommt Ziegler aber nicht dazu, als Trauzeuge zu wirken. Und während der Trauung selbst wird noch eine weitere Leiche gemeldet. Doch dabei handelt es sich lediglich um einen Schabernack, der mit einem dritten Erzählstrang dieses Krimis zu tun hat.

 

Also, neben den breiten Raum einnehmenden Hochzeitsfeierlichkeiten und dem eher familiären Drama um Hilmar Hansen geht es in diesem Roman noch um die 16jährige Berufsschülerin Melanie »Milli« Stöcker. Diese bereitet gemeinsam mit ihren Freunden und unterstützt durch ihre Lehrerin Sonja Mirschel als schulisches Projekt ein Cosplayer-Fotoshooting vor. Warum und weshalb, das wird dem Leser detailliert erläutert. Milli hat häusliche Probleme, denn ihre Mutter leidet unter schlimmen Psychosen und das Mädchen muß neben der Schule noch den gesamten häuslichen Alltag meistern. Da aber dieses Fotoshooting in den sogenannten sozialen Medien „gepostet" wurde, bevölkern nun massenhaft vom Festland angereiste Cosplayer die Insel und erschweren so die polizeilichen Ermittlungen.

 

Und dann geschieht am Abend des Hochzeitstages noch ein wirklich schlimmes Verbrechen: Man findet Milli am Strand. Sie ist erwürgt worden. Wie sich später herausstellt, war sie schwanger. Als Ziegler ihrer Mutter diese schlimme Nachricht überbringen will, findet man die Frau in ihrem Hause tot auf. Auch sie ist keines natürlichen Todes gestorben.

 

Wer also hat Milli getötet? Und dazu noch die Mutter? Und warum? Kommt der Mann in Frage, der das Mädchen geschwängert hatte? Die Polizei sucht hier die Antworten in der Vergangenheit von Mutter und Tochter Stöcker.

 

Von Anfang an stellt sich den Ermittlern die eine große Frage, ob all diese Todesfälle zusammenhängen. Oder handelt es sich dabei doch um zwei verschiedene parallele Ereignisse? Selbst Zieglers Freundin, die Ärztin Anne, stellt sich dieser Frage:

 

»„ Was ist denn dieses Wochenende auf der Insel los? Ist das Zufall? Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Aber wie soll das gehen? (...) Ein Toter im Regenfaß und ein totes Mangamädchen. Das kann nichts miteinander zu tun haben. Oder etwa doch?"« (S. 292)

 

Antworten gibt es so bald keine. Aber schließlich führen die polizeilichen Ermittlungen doch zum Ziel, auch wenn dabei noch andere Personen in Lebensgefahr geraten...

 

Garniert wird dieser große komplexe Handlungsrahmen noch durch einige kleine, aber durchaus notwendige und das Ganze bereichernde Einschübe: Zu nennen wären Danielas Ausrutscher bei ihrem Junggesellinnenabschied, die Mißgunst eines Kollegen in Zieglers Dienststelle und vor allem die Figur der Renate Lichterfeld von der Auricher Mordkommission. Letztere ist der Unsympath in Person.

 

Anja Eichbaum ist es in diesem voluminösen Roman gelungen, drei unterschiedlichste Handlungsstränge auf kongeniale Weise zu verknüpfen. Wobei eigentlich jeder einzelne Strang eine vollgültige Erzählung hätte abgeben können. Besonders hervorzuheben ist das Schicksal von Mutter und Tochter Stöcker, das Anja Eichbaum voller Empathie und überaus glaubhaft darzustellen vermag. Und für die notwendige Spannung zwischendurch sorgen etliche gut gesetzte „Cliffhanger".

 

Dieser fulminante Krimi kann daher nur wärmstens empfohlen werden.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Anja Eichbaum: Inselaffäre. Kriminalroman. 476 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2576-9

 



 
27.05.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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