Höllenwut und ein Mißverständnis - so ist Palmers dritter Fall

WEIMAR. (fgw) Der Gmeiner-Verlag hat jetzt Bruno Heinis dritten Roman um die Kaufhausdetektivin Palmer, die partout nicht bei ihrem Vornamen genannt werden will, vorgelegt. Und wiederum ist dem Schweizer ein echter Thriller gelungen.


Ja, Palmer ist lediglich Kaufhausdetektivin, aber in Luzern hat sie mittlerweile einen besonderen Nimbus. Gelang es ihr doch durch private Ermittlungen zwei aufsehenerregende Kriminalfälle glücklich zu lösen - im Gegensatz zur eigentlich zuständigen Polizei. Allerdings geriet sie dabei jedesmal selbst in höchste Lebensgefahr. Palmer hatte sich auch deshalb mit aller Kraft verausgabt, weil es sich bei beiden Opfern um enge Freundinnen handelte.

 

Und nun dies. Elisa Wirtz, die sich im Endstadium einer Krebs-Erkrankung befindet, bittet die ihr unbekannte Palmer um Hilfe. Die junge Frau gibt an, von einem in der Schweiz lebenden milliardenschweren russischen Rohstoffhändler Sergej Rjabow (von Heini grundsätzlich aber Sergey geschrieben) vergewaltigt worden zu sein. Dieser habe die Untat sogar mit versteckter Kamera gefilmt. Alle Anzeigen bei der Polizei und alle Hilferufe an die Medien seien aber von jenen abgeblockt worden. Nicht nur das, man verdächtigte sie stattdessen selbst nun der Verleumdung und beabsichtiger Erpressung... Elisa Wirtz will aber Gerechtigkeit und das noch vor ihrem baldigen Krebstod. Sie hatte in der Presse über Palmer und ihre detektivischen Spitzenleistungen gelesen. Palmer als letzter Strohhalm...

 

Nach einigen Zögern willigt Palmer ein, sich Elisa anzuhören. Sie ist aufgrund ihres Gerechtigkeitssinns voller Empathie für die junge Frau. Doch sie lehnt den Auftrag ab, u.a. mit der Begründung, daß es sich in den von ihr gelösten Fällen um enge persönliche Freundinnen gehandelt habe.

 

Aber was muß Palmer nur kurze Zeit später feststellen? Elisa hat erneut mit der Presse gesprochen und durch diese mitgeteilt, daß sich die berühmte Detektivin Palmer ihres Falles annehmen werde. Palmer ist wütend und jetzt erst recht ablehnend. Doch der Pressebeitrag sorgt dafür, daß ihr vom Kaufhaus fristlos gekündigt wird. Was jetzt? Geldsorgen drohen und da ist ja noch die Idee von Alex, ihrem Freund, sie solle sich doch wegen ihrer Begabung endlich als Detektiv selbständig machen.

 

Doch es bleibt nicht bei der Kündigung. Rjabows Leibwächter/Chauffeur spricht deutlich Drohungen aus. Dann aber geschieht das: Elisa verschwindet spurlos aus ihrer Wohnung. In der sieht es nach einem heftigen Kampf aus, bei dem auch viel Blut geflossen ist. Elisas Blut, wie die Polizei feststellt. Elisa ist wohl entführt worden. Aber von wem? Von Rjabow? Palmers Vorsprachen bei der Polizei, bei der sie über Elisas Auftragswunsch berichtet, werden ebenfalls abgeblockt.

 

Palmer fühlt sich nun aber doch verantwortlich, Elisas Schicksal aufzuklären und zu ihrer Befreiung beizutragen. Die Polizei ermittelt zwar auch in Rjabows Richtung, doch der hat ein wasserdichtes Alibi. Palmer ihrerseits ermittelt in viele Richtungen; alle möglichen verdächtigen Spuren führen ebenfalls ins Leere.

 

Da taucht plötzlich Elisas Bruder, äußerlich ein ausgesprochener Paradiesvogel, auf. Dieser motiviert Palmer auf sehr einnehmende Weise noch intensiver nach seiner Schwester zu suchen. Beim ersten Kontaktgespräch werden die beiden jedoch von Alex beobachtet, der die Situation völlig mißversteht und Palmer die Freundschaft aufkündigt.

 

Palmer wird mutiger und wagt sich sogar auf Rjabows Luxusgrundstück und kann mit diesem tatsächlich unter vier Augen sprechen. Aber natürlich gibt er gar nichts zu. Als Rjabow dann bei einem Joggingausflug zu Tode kommt - ein Auto hat ihn im Wald mit voller Wucht überfahren, stellen sich für Palmer neue Fragen. So diese: Was ist, wenn Rjabow zwar ein Vergewaltiger, aber kein Entführer ist? Dank seiner Milliarden kann er die ihn anklagende junge Frau viel wirkungsvoller mundtot machen. Aber wenn er doch der Entführer ist, was geschieht dann nun mit Elisa? Muß sie jetzt irgendwo elendiglich verhungern und verdursten? Schlimm kommt es auch noch für Palmer, als ihr die Polizei unterstellt, sie könnte ja den Russen getötet haben.

 

Natürlich kann Palmer auch ihren dritten Fall erfolgreich lösen. Doch da ist plötzlich nichts mehr so wie es anfänglich schien. Der Leser dürfte durchaus von der überraschenden Wendung im Entführungsfall mehr als verblüfft sein. Dennoch ist diese absolut logisch und nachvollziehbar. Daß Palmer letztlich sogar noch den Beweis für die Vergewaltigung finden kann, ist aber eigentlich mehr von Belang. Das gilt auch für die Tötung Rjabows. Dafür aber klärt sich das Mißverständnis von Seiten Alex' auf...

 

Wieder einmal Spannung pur und das gut komponiert erzählt. Dafür gebührt Bruno Heini Lob und Dank. Aber es gibt diverse Schwächen, was den Russen und seine Familie betrifft. Das ist wohl der „im Westen" üblichen Unkenntnis russischer Geschichte und Lebensweisen etc. geschuldet. Da ist gerade der skizzierte Lebenslauf Rjabows und seiner Eltern unglaubwürdig. Das zeigt sich sogar in einem solchen Detail, daß Heini die Ehefrau Rjabow nennt, während es korrekt Rjabowa heißen muß. Und dann erst ihr (Phantasie-)Vorname „Yurika", der angeblich in Rußland weit verbreitet sei... Das ärgert jeden Leser, der sich nur ein bißchem mit Russischem auskennt.

 

Schlimmer aber noch und sehr ärgerlich ist, daß Heini sich in etlichen Passagen überaus russophob ausläßt. Solchen Zeitgeist sollte man als seriöser Autor einfach nicht bedienen, zumal der Fall an sich das gar nicht nötig hat.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Bruno Heini: Höllenwut. Thriller. Taschenbuch. 278 S. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2640-7

 



 
07.05.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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