In eigener Sache: Neue Humanismus-Anthologie erschienen

WEIMAR. (fgw) Eine jetzt von Siegfried R. Krebs in der edition Spinoza im Verlag freiheitsbaum vorgelegte Anthologie über Freidenkertum, organisierten Humanismus und Laizismus will den Grundstock für entsprechende regional-geschichtliche Untersuchungen für das Gebiet des heutigen Landes Thüringen legen. Mit Auszügen aus dem Vorwort möchte freigeist-weimar auf dieses Buch aufmerksam machen.


Eine umfassende Geschichte zum organisierten Humanismus, einschließlich der vielen freireligiösen, freigeistigen, freidenkerischen und laizistischen Strömungen ist noch nicht geschrieben, sieht man von Horst Groschopps Standardwerk „Dissidenten - Freidenkerei und Kultur in Deutschland" ab. Noch mehr fehlen Studien zu regionalen Entwicklungen, das betrifft auch nicht zuletzt Thüringen.

 

Doch Gotha in Thüringen spielte durch das hervorragende organisatorische und publizistische Wirken von Dr. Karl August Specht (1845-1909) eine zentrale Rolle bei der Gründung und Entwicklung des 1881 gegründeten Deutschen Freidenkerbundes. Darüber und über die Anfänge der Proletarischen Freidenker und des daraus hervorgegangenen Deutschen Freidenker-Verbandes geht es in zwei Gastbeiträgen von Waltraud Roth (1932-2011).

 

Seit den 1880er Jahren waren im Deutschen Reich auch etwa 40 freidenkerische Arbeitervereine entstanden, die sich an den Deutschen Freidenkerbund anlehnten, ihm aber in organisatorischer Hinsicht nicht beitraten.

 

Vertreter von zwölf dieser Vereine, von denen allein neun aus Sachsen und den thüringischen Kleinstaaten kamen, trafen sich 1908 im thüringischen Eisenach und gründeten dort am 6. September den Zentralverband Deutscher Freidenker, der sich ab 1911 Zentralverband proletarischer Freidenker und ab 1922 Gemeinschaft Proletarischer Freidenker nannte.

 

Zuvor hatte sich bereits, nach dem Freidenker-Weltkongress in Rom 1904, im Februar 1905 durch Sozialdemokraten in Berlin eine Sterbekasse mit dem Namen Verein der Freidenker für Feuerbestattung gegründet.

 

Seit 1925 gaben die Freidenker für Feuerbestattung das Verbandsorgan Der Freidenker heraus, sie wandten sich damit stärker der Propagierung der weltanschaulichen und kulturpolitischen Vorstellungen des Freidenkertums zu, und schufen so wichtige Voraussetzungen für die Vereinigung mit den Proletarischen Freidenkern. 1927 fand deren Zusammenschluss zum Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung statt. 1930 gab sich die Organisation den Namen Deutscher Freidenker-Verband (DFV) und bestätigte Max Sievers als Vorsitzenden.

 

In einer Rezension stellt Siegfried R. Krebs die Programmschrift der Proletarischen Freidenker vor. Diese wurde 1926 von dem in Gotha wirkenden Lebenskundelehrer-Ehepaar Anna und Walter Lindemann verfaßt.

 

In Thüringen wirkten darüber hinaus bis 1933 vielfältige bürgerliche freigeistige Vereine, Komitees und Initiativen; zu erwähnen ist hier insbesondere Ernst Haeckels Deutscher Monistenbund, gegründet in Jena am 11. Januar 1906.

 

Zu erwähnen ist daneben unbedingt auch das sogenannte Weimarer Kartell, das auf einer Weimarer Konferenz am 14. und 15. Dezember 1907 formell beschlossen wurde. Diesem Kartell gehörten u.a. folgende Organisationen an:

 

der Deutsche Monistenbund (gegründet 1906), der Deutsche Bund für Mutterschutz und Sexualreform (gegründet 1904/05), der Deutsche Freidenkerbund (gegründet 1881), die Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (gegründet 1892) und der Bund für weltliche Schule und Moralunterricht.

 

Über die Geschichte der proletarischen Freidenker und über den Kampf um die weltliche Schule im seinerzeit preußischen Erfurt geht es zwei Gastbeiträgen über die 1920er Jahre von Günter Schwade (1929-2010).

 

Der Verfasser geht dann selbst auf den Thüringer Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD) und die LAG Laizismus in und bei der Partei Die LINKE ein.

 

Kurz vor dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik entstanden in den damaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl regionale Organisationen des Verbandes der Freidenker (VdF), aus denen dann Anfang der 1990er Jahre der Landesverband Thüringen des Deutschen Freidenker-Verbandes, Sitz Dortmund (DFV) hervorging. Siegfried R. Krebs trat diesem VdF im Jahre 1989 bei. Nach einem Jahr aber verloren sich die Spuren der Organisation in Gera. Erst seit 2008 ist er wieder in humanistischen Organisationen tätig.

 

Ende 2008 gründete sich auf Initiative von Siegfried R. Krebs und Sven Wirzbowitz eine Humanistische Landesgemeinschaft Thüringen, die sich bereits im März 2009 als Thüringer Landesverband des Humanistischen Verbandes Deutschlands konstituierte.

 

Und schließlich riefen der Humanist Siegfried R. Krebs sowie die Freidenker Helga Borchert und Uwe Schenke Anfang 2011 zur Gründung einer Landesarbeitsgemeinschaft Laizismus in und bei der Partei Die LINKE (LAG Laizismus) auf. Diese fand am 10. September 2011 in Erfurt statt. Bereits am 16. Juni 2012 trafen sich in Erfurt dann Vertreter der LAG in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Thüringen und riefen dort die Bundes-arbeitsgemeinschaft Laizismus der Partei DIE LINKE ins Leben.

 

Zu den in die Anthologie aufgenommenen Dokumenten zählt u.a. ein Grundsatzvortrag von Dr. Karl August Specht aus dem Jahre 1881. Darin postuliert er bemerkenswerterweise, daß „die Weltanschauung des Freidenkers der Humanismus ist". Dokumente aus heutiger Zeit sind das Konzept eines Humanistischen Stadtpazierganges durch Weimar sowie die Kooperationsvereinbarung zwischen den Thüringer Humanisten und dem Humanistischen Freidenker-Verband Ostwürttemberg K.d.ö.R. In einem Überblick werden abschließend Daten, Personen, Fakten der Thüringer humanistischen und freidenkerischen Szene vorgestellt.

 

 

(SRK)

 

Siegfried R. Krebs: Freidenkertum, organisierter Humanismus und Laizismus in Thüringen. 108 S. Verlag freiheitsbaum - edition Spinoza. Reutlingen und Heidenheim 2020. 12,00 Euro. ISBN 978-3-922589-77-8.

 

Das Buch kann direkt beim Verlag bestellt werden: ed.spinoza(at)t-online.de

 

 

 



 
16.09.2020

Von: (SRK)
 
 
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