Ist ja irre, der Chiemsee-Krimi: Ich bin hier bloß der Mörder

WEIMAR. (fgw) Der Rezensent bekam dieser Taget den bereits sechsten Band von Heinz von Wilks „Stocker-Saga“ in die Hände. Und wie bereits bei allen Bänden um den „Auer Max“ ist er auf Anhieb davon begeistert, auch wenn sich ihm die Vorgeschichte(n) zu diesem Band nicht ganz erschließen mag. Aber eine Frage bzw. zwei Fragen kann der Rezensent ohne Wenn und Aber nach den Auer-Bänden und nur einem Stocker-Buch sofort beantworten.


Was macht den Reiz der Krimis des Rosenheimer Autors Heinz von Wilk aus? Sind es die originellen „Stories", also das „Was"? Nein, originelle Kriminal-Geschichten mit verblüffenden Lösungen kann jeder gute Autor zu Papier bringen. Was Heinz von Wilk auszeichnet, was seine Bücher einzigartig macht, das ist das „WIE"!

 

Manche nennen seine Geschichten „abgefahren", seine Figuren „schräg". Das stimmt durchaus. Der Rezensent fühlt sich bei jedem von-Wilk-Buch zum einen an die britische Film-Erfolgsserie „Carry-on" (dt. Ist ja irre!) erinnert. Und zum anderen an Johannes Mario Simmels „Es muß nicht immer Kaviar sein".

 

Die von-Wilk-Krimis sind wie die „Carry-on"-Filme eine geniale Mischung aus Klamotte, Komödie, Groteske und Parodie, dazu spannend durchkomponiert. Und zugleich sind sie so geschrieben, so wie es einst in analphabetischen Zeiten die von Dorf zu Dorf wandernden Märchenerzähler taten. Diese schmückten ihre Geschichten (mit den unerhörten Begebenheiten) immer wundersamer aus. Und wie diese löst sich Heinz von Wilk immer wieder aus der Rolle des bloß Erzählenden. Er schlüpft dann an bestimmten Stellen als Ich-Erzähler in die Rolle eines Erklärenden und/oder Kommentierenden, spricht dann seinen Leser direkt mit „du" an. Und wie Simmel fügt er als solcher auch regelmäßig ausführliche Rezepte ein. Rezepte, die einem sofort das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen.

 

Worum geht es nun im sechsten Stocker-Buch? Wer ist dieser Albin Stocker? Da der Rezensent die vorhergehenden Bände nicht kennt, möchte er ihn hier als Privatier und Problemlöser charakterisieren, der sich mit all seinem Einfallsreichtum gegen das Verbrechen engagiert. Bei einem der Fälle ist sein Partner Zeno getötet wurden. Das hat ihn tief verletzt und er sinnt auf Rache. Doch er weiß nicht, wer diesen Mord verübt und wer ihn in Auftrag gegeben hatte. Und nun kommt ihm justament der Zufall zu Hilfe. Ein Münchner Clan-Chef bietet ihm an, ihm diese Namen zu liefern! Unter der Voraussetzung, daß er dessen Sohn für einige Zeit verstecke. Dieser würde sich in Lebensgefahr befinden, weil er zufällig Zeuge eines Gespräches unter kriminellen Großkopferten geworden sei. Das ist schon seltsam genug. Daß aber dieser Vorschlag über einen grundehrlichen Hauptkommissar übermittelt wird, das ist ein gutes Beispiel für das Absurdistan der von-Wilk'schen Geschichten. Stocker sagt sofort zu. Und stößt dabei auf ein Netzwerk einflußreicher Politiker und bestechlicher Polizisten, die allesamt mit mächtigen Unterweltbossen verbandelt sind. Wie sich herausstellen wird, sind diese in den illegalen internationalen Waffenhandel verstrickt.

 

Es gelingt dem Hauptkommissar, den Sohn des Clanchefs zu Stocker zu bringen, der ihn seiner ehemaligen Kneipe unterbringt. Die Gegenspieler haben zumindest den Transport mitbekommen und fingieren einen Verkehrsunfall. Der Kommissar wird auf dem Rückweg schwer verletzt, kann aber ins Krankenhaus eingeliefert werden. Da Stocker und der Clanchef der Polizei mißtrauen, organisiert letzterer einen rundum-Personenschutz in der Klinik; was natürlich im realen Leben undenkbar wäre. Mit Hilfe eines anderen Polizisten und durch Auskünfte des Clan-Sohnes kommt Stocker bald auf die richtige Spur. Und da gibt es weitere Anschläge in der Klinik, auf Stocker (und dessen Geliebter) selbst und schließlich auf das Lokal-Versteck. Wie Stocker das alles abwehren kann, wie er mit Verstand und gekonnter List, erst den Mörder in allen Fällen und dann schließlich auch noch den Drahtzieher aufspüren und mattsetzen kann, das mag sich ein jeder selbst mit Schmunzeln erlesen.

 

Nebenbei sei auch noch dies bemerkt: Stocker hat sein Lokal einer Kampf-Lesbe überschrieben, die ihm auch eine gute Mitstreiterin ist. Doch nicht nur das! Der Sohn des Clanchef ist schwul! Was natürlich bei einem Balkanesen absolut nicht geht. Außerdem will er das Imperium seines Vaters nicht erben, sondern Koch werden. Und wieder wird es grotesk und absurd, aber auch humoristisch und ironisch: denn die Lesbe und der Schwule tolerieren einander nicht nur und bringen auch keine Opfer-Ansprüche vor, wie es gendermäßig sein müßte... Nein, sie kappeln sich eingangs, turteln dann immer öfter miteinander (er nennt sie „Torte") und verlieben sich bald unsterblich ineinander.

 

Wenn dieses Buch mit einem einzigen Wort bewertet werden müßte, dann gibt es für den Rezensenten nur eines: KÖSTLICH!

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heinz von Wilk: Ich bin hier bloss der Mörder. Oberbayern Krimi. 236 S. Taschenbuch. Emons-Verlag. Köln 2021.12,- Euro. ISBN 978-3-7408-1154-9

 



 
22.04.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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