„Jenes eigene menschliche Maß in Harmonie wiederfinden“

WEIMAR. (fgw) Am 15. November wurde in der „Kleinen Galerie“ im Stadthaus Hermsdorf die Ausstellung „Malerei und Holzkunst“ mit Werken von Ralph Ebersbach eröffnet. Diese Ausstellung ist dort noch bis zum 13. Januar 2018 zu besichtigen. In der Laudatio der Greizer Kunstwissenschaftlerin Heike Karg heißt es u.a.:


Weida Winter 2014 (Bildquelle: www.ralph-ebersbach.de)

Die hiesige Künstlergemeinschaft hat viele Facetten. Heute, hier in der „Kleinen Galerie" von Hermsdorf, heiße ich Sie herzlich willkommen zur Vernissage mit etwa dreißig gemalten Bildern und einigen Holzschnitzarbeiten von Ralph Ebersbach.

 

Ich kenne ihn als geradlinigen beständigen Mitstreiter am Künstlerstammtisch Osterburg Weida. Er ist ein in sich Ruhender von großem Mut, in heutiger Zeit den Weg eines freischaffenden Künstlers zu gehen mit den Vorbildern Carl Spitzweg, Ludwig Richter und Caspar David Friedrich.

 

Woher kommt die naiv-romantische Ernsthaftigkeit des Mannes, Jahrgang 1969, geboren tief im Thüringischen nahebei „dörflicher Idylle", in Scheiditz, wo er mit zwölf Jahren im Elternhaus die erste Tierfigur schnitzt. Der Vater, seinerzeit Bürgermeister und Landwirt, die Mutter mit Bauernmalerei befasst und die Großeltern im gleichen Haus - sie alle gehen achtsam mit dem Gezeigten um. Wolfram Wegener, ein Lehrer, erkennt sein Talent und bestärkt Ralph Ebersbach im bildkünstlerischen Tun. Aus der Liebe zum Holz erklärt sich der zunächst ergriffene Beruf des Tischlers. Doch bleibt es nicht seiner, ihn drängt es immerfort, Bilder zu malen und also wird er 1997 freischaffender Künstler und geht heute ins zwanzigste Jahr damit.

 

Mir kommt beim Betrachten dieser Bilder ein von Erich Kästner geprägter Titel in den Sinn: „Als ich noch ein kleiner Junge war." Wie der „Gebrauchspoet" von „Emil und die Detektive" bleibt Ralph Ebersbach dem tatsächlich ganz normalen Leben eng verbunden und zaubert ein Staunen wie aus Kinderaugen auf die Leinwand. Arbeitet für Auftraggeber und Liebhaber seiner Kunst und verpflichtet sich wie uns Betrachter, wieder genau zu beobachten und jenes eigentliche, eigene menschliche Maß in Harmonie wiederzufinden.

 

Das ist, so meine ich, zutiefst humanistisch. Da ist etwas Lebendiges, Wesentliches, Menschliches, das „scheinbar umständlich" und darum einfach geschildert wird.

 

Wenn ich die aktuellen Diskussionen um Stadt und Land verfolge, um Landflucht und wieder zu schaffende Attraktivität von Dörflichem, um bezahlbares Leben, um bitter vermisste Achtung vor dem Mit-Menschen, der Familie, der Natur und dem Leben, dann meine und verstehe ich diese Bilder als Ausdruck von tiefster Verbundenheit und innerem Aufschluss.

 

Da ist viel Positives in den Bildern, das die Gedanken, Gefühle und Hoffnungen sehr vieler Menschen heute wiedergibt und einer Sehnsucht künstlerische Sprache verleiht. Sehnsucht nicht nach einer vergangenen, so genannten „guten alten Zeit" sondern hin zu einer besseren Gegenwart. Was Ralph Ebersbach uns zeigt, das ist Thüringische Landschaft, sind Dörfer und Städte, sind Natur und Mensch im Einklang und im Wechsel der Jahreszeiten, die den Lebensrhythmus von uns allen berühren.

 

Sommer- und Winterbilder - Und da der Ausstellungszeitraum Winteranfang, Weihnachten und Jahreswechsel umfasst, sind überwiegend Winterbilder zu schauen, führen uns aus Alltagsstress, -bestreben und aus ästhetisch-technisch vervielfältigtem Konsumgut der Einkaufstempel heraus und hin zu Selbstreflexion, die Selbstbesinnung einleiten kann.

 

Wie wollen wir leben, wie arbeiten?

 

Im kommenden Wissenschaftsjahr 2018 soll es nach dem Beschluss der Gremien um Arbeitswelten der Zukunft gehen. Im Internet hat man schon aufgerufen zu Antworten auf Fragen zu den Arbeitsplätzen von übermorgen.

 

„Wir werden Maschinen das Denken und Lachen beibringen!

Wir werden einen Job machen, den die Welt noch nicht gesehen hat!

Wir werden erleben, dass weltweit ganz nah sein kann!"

 

Man wandte sich damit an Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur.

 

Wo bleibt da denn die Kunst, wo bleiben die Menschen?

Alles nur „Wir" oder echte Anteilnahme als Individuum,

das neben dem anderen bestehen und sein eigenes Menschsein leben kann?

 

Menschen sollten Denken und Lachen, ihre Arbeit gerne tun und wissen, dass „Leben" immer ganz nah ist.

 

Darin liegt das Praktische, wie ich das als künstlerisches Vorhaben bei Ralph Ebersbach verstehe.

 

Und wie schrieb Ludwig Richter, einer der Vorbilder von Ralph Ebersbach, in seinen Tagebuchaufzeichnungen:

 

„In der Kunst soll Tiefe und Einfachheit mein Bestreben sein. Es wird doch Seelen geben, die das Gute in solchen gemütlichen, gedankenvollen, aber kunst- und schmucklosen Arbeiten erkennen, schätzen und wohl auch einst ans Licht ziehen werden, ... Ich arbeite ja nicht, um reich zu werden, und Weniges erwirbt man immer."

 

Gerade in der kalten Jahreszeit und an langen Winterabenden zünden wir wieder die Lichter an. Mit Sicherheit wird Deine Personalausstellung, lieber Ralph Ebersbach, eine „naive Reise in eine kleinere Welt" mit erneuerbarer Sicht und einem überraschend unverstellten Blick auf unsere Gegenwart ermöglichen.

 

 

Heike Karg

 



 
16.11.2017

Von: Dr. Heike Karg
 
 
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