Jesus Christus: Was ist belegte Tatsache, was bloße Erfindung?

WEIMAR. (fgw) Der zweifach promovierte Naturwissenschaftler Harald Specht beschäftigt sich nicht nur mit materiell-gegenständlichen Dingen, sondern intensiv auch mit geisteswissenschaftlichen Themen: Sei es kunsthistorisch oder religions- und kirchenkritisch. Die Betonung liegt dabei auf wissenschaftlicher Beschäftigung, daher stellt er seinem wohl besten Buch „Jesus? Tatsachen und Erfindungen“ einen bekannten Spruch von René Descartes voran: „De omnibus dubitandum – An allem ist zu zweifeln“. Und eben das unterscheidet Wissenschaft von der Theologie, die nur absolute Wahrheiten verkündigen kann und will. Daher kommt der Frage nach der neutestamentarischen Figur „Jesus“ überragende Bedeutung zu. Steht oder fällt doch mit der Antwort die Religion des Christentums, insbesondere die Institution „Kirche“ mitsamt des Machtanspruches der Priesterkaste über Mensch, Gesellschaft und Staat.


Harald Specht geht in seinem Buch der Frage nach, ob dieser Jesus aus Nazareth überhaupt gelebt habe. Gibt es dafür außer den sogenannten Evangelien irgendwelche neutralen, überprüfbaren Quellen und Belege? Denn im Gegensatz zu Theologen und/oder naiven Autoren setzt Specht aus seiner wissenschaftlichen, d.h. unvoreingenommenen Perspektive deshalb die geschichtliche Existenz der Figur Jesus nicht als eine unhinterfragbare absolute Tatsache voraus. Er sagt dazu selbst: „Zeigt sich, daß an der historischen Existenz Jesu eher gezweifelt werden muß, steht weiter zu untersuchen, was zur Erfindung dieser fiktiven Figur führte. Dies mag Irrtümer im Rahmen der Befürwortung eines historischen Jesus klären helfen." (S. 25)

 

Specht beginnt mit Fragen, die sich für ihn aus der Lektüre der Evangelien, einschließlich der differierenden Übersetzungen, ergeben. Nicht wenige Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten waren es, die ihn zu diesem Buch angeregt haben. Ebenso motivierte ihn das unendliche Schriftgut über die Figur Jesus: „...all diesen Büchern [aus der Feder von Theologen oder zumindest gläubigen Christen; SRK], die aus dem Glauben an Jesus Christus heraus verfaßt wurden, ist das Anliegen gemeinsam, Jesus Christus bedingungslos als historisch gegeben vorauszusetzen." (S. 14) Fragen würden von solchen Autoren überhaupt nicht gestellt.

 

Quellenstudium und Analyse

Für den Wissenschaftler Specht sind Fragen das Grundlegende und so nennt er sein erstes Kapitel auch „Fragen über Fragen - Die vorliegenden Quellen". Gleich eingangs seiner Spurensuche heißt es deshalb: „Hat Jesus jemals gelebt? Oder ist er nur ein Phantom? (...) Gibt es von Jesus überhaupt greifbare Spuren in der Geschichte?" Und - „wer sagt was"? Er faßt das allseits Bekannte zusammen, womit eigentlich das Buch schon zu Ende hätte sein können: „Richtig ist, daß uns von Jesus eigener Hand keinerlei schriftlicher Nachlaß noch anders geartete Zeugnisse überkommen sind. Von seiner Person fehlt jegliche gegenständliche Spur. Auch von seinen Zeitgenossen haben wir keine Indizien, die direkt auf Jesus aus Nazareth verweisen würden. Somit gibt es weder schriftliche Dokumente noch irgendwelche archäologischen Befunde oder sonstige Artefakte, die auf eine geschichtliche Existenz des Menschen Jesus schließen lassen würden." (S. 18)

 

Dennoch bleibt Specht objektiv neugierig und will tiefer in die Materie eindringen. Dazu teilt er seine Prämissen für eine wissenschaftliche Spurensuche mit. Auch hier beginnt er mit eigentlich simplen Fragen, die aber zu jeder Vita, zu jedem Dokument, zu jeder Interpretation eines historischen Dokumentes gehören: „Was also ist Wahrheit? Welche Fassung ist dichterische Freiheit? Was ist Geschichte und was dogmatische Absicht? (...) Wieso spricht man eigentlich von dieser Dreifaltigkeit Gottes, obwohl die christliche Religion sich doch eindeutig als monotheistisch bezeichnet?" (S. 31)

 

Spurensuche in christlichen Quellen

So ist das zweite, mit rund 270 Seiten längste, Kapitel überschrieben. Hier geht Specht zunächst auf die sogenannten vier kanonischen Evangelien ein, läßt aber auch die anderen, die sogenannten apokryphen, nicht außer acht. Bei Textvergleichen fällt - nicht nur Specht - auf, daß in all diesen Quellen „irgendetwas nicht stimmen kann". Akribisch und bis ins Detail gehend wendet er sich daher den Texten und ihren diversen „Auslegern" in Vergangenheit und Gegenwart zu.

 

Wichtig ist für ihn die von Theologen vermittelte „traditionelle Lebensgeschichte des Jesus", die so eingängig und stimmig erscheine, daß sie schon daher nicht stimmen könne. Ferner geht es um Paulus und die Frage, ob der überhaupt ein wichtiger Zeuge sei, zumal dieser mit Jesus niemals zusammengetroffen sei. Specht nimmt in der Analyse seriöse religionswissenschaftliche Forschungen zur Kenntnis und schlußfolgert daraus: „Die Person des Apostels Paulus als auch sein umfangreiches Schriftwerk waren seinen Zeitgenossen offenbar völlig unbekannt." (S. 53) Und dabei gilt doch eben jener Paulus als Begründer der christlichen Religion/Kirche...

 

Aber irgendetwas muß doch an der Figur Jesus Wahres und Reales dran sein? Worauf gründen denn sonst all die Evangelien, Epistel und sonstigen Texte, der Glaube?

 

Aber, so Specht, „für die Suche nach dem Menschen Jesus ist das Johannes-Evangelium aber nicht von Belang, wird doch Jesus hier einzig als übernatürliches Licht- und Himmelswesen dargestellt. Sämtliche Bezüge zu einem irdischen Menschen fehlen. Ebenso verhält es sich mit anderen Texten des Neuen Testaments..." (S. 58)

 

Fragen über Fragen tun sich auch auf beim Jesus-Geburtstag. Specht beginnt diesen Abschnitt so: „Es ist bekannt, daß unsere moderne Zeitrechnung ihren Startpunkt zu Christi Geburt setzt. Daß Jesus aber NICHT im Jahre 1 u.Z. geboren wurde, ist den meisten Menschen ebenfalls bewußt, hat sich doch der römisch-christliche Mönch Dionysius Exiguus im Jahre 525 (!) schlicht vertan, als er versuchte, aus Angaben des Alten und Neuen Testaments das Geburtstag von Jesus zu ermitteln. (...) Unbestimmt ist auch der Tag der Geburt. Bekanntermaßen wurde das offizielle Datum seiner Geburt vollkommen willkürlich einige Jahrhunderte (!!!) später festgelegt. (...) Das heute von vielen Christen als Jesus' Geburtstag begangene Weihnachten ist sicher nicht der wirkliche Tag der Geburt [sollte es denn tatsächlich diesen Jesus gegeben haben; SRK]. Ganz bewußt hat die Kirche dafür den 25. Dezember ausgewählt, den Tag, der im Römischen Reich als Fest der unbesiegbaren Sonne (sol invictus) Tradition hatte. Papst Julius I. erklärte dieses Datum im Jahre 350 (!) zum Geburtstag von Jesus Christus." (S. 77 - 78)

 

Und noch eine Frage: „Wie hieß Jesus Christus wirklich? Jehoschua, Jeschua, Jeschu oder wie? (...) Und was verbirgt sich hinter dem Namen 'Jesus Christus', der eigentlich kein Name ist?" (S. 88 - 89) Specht gibt hier kurz Erklärungen und klärt auf: „Die uns bekannte Schreibweise 'Jesus' kam aber erst im 17. Jahrhundert weithin in Gebrauch..." (S. 91) Dies dürfte wohl den meisten Menschen, einschließlich der Kirchenmitglieder, unbekannt sein. Wissenswertes wird ebenfalls im Abschnitt „Chrestos, Chrystos, Christos oder Christus? - Oder gar KRST?" vermittelt. Welcher „Laie", egal ob „gläubig", andersgläubig oder religionsfrei, hat sich eigentlich bisher mit diesen Begrifflichkeiten und ihrer Verwendung in den christlichen Kirchen beschäftigt („Nachdem die Kirche im 3. Jahrhundert den Namen 'Jesus' und den Titel 'Christus' zu einer untrennbaren Einheit verschmolz, sehen viele Menschen heute in dieser Kombination sogar einen Eigennamen." / S. 102)?

 

In weiteren Abschnitten geht es um Geburts- bzw. Herkunftsort und familiäre Herkunft (hier die unterschiedlichsten Ahnenreihen). Auch hier geistern viele Namen, Bezeichnungen, Begrifflichkeiten, Sinnbilder („Weihnachtsgeschichte" bzw. „Krippenspiel") und Lokalitäten (Nazareth, Nazarener etc. oder Bethlehem und „Geburtsgrotte") durch die christliche Literatur. Aber, so alle seriöse wissenschaftliche Forschung, fast alles sei nur freie Erfindung in späterer Zeit durch fromme Kleriker... Angesprochen werden neben der Vaterschaft von Jesus auch seine Mutter „Maria" (Hure oder Heilige, „junge Frau" oder „Jungfrau") sowie das Taufproblem Jesus - Johannes.

 

Desweiteren wendet Specht sich dem Weg und Wirken, den Reden und dem Handeln der Figur Jesus zu: „Goldene Regeln oder Utopien?" Welche Belege gibt es für alles? Immerhin sind doch die Evangelien erst Jahrzehnte von Nichtaugenzeugen niedergeschrieben worden... Was ist mit der sogenannten Bergpredigt und was mit der angeblich originär christlichen Nächstenliebe? Aufgeklärte und selbst denkende Menschen wissen heute, daß die sogenannte Goldene Regel der Ethik (Nächstenliebe) als große ethische und kulturenübergreifende Weisheit weitaus älter als das Christentum ist, schon lange vor und außerhalb von diesem entwickelt wurde.

 

Und was hat es mit dem „Reich Gottes" auf sich, das von Jesus verkündet worden sein soll? Dazu gibt Specht einen kurzen Überblick über die politischen und religiösen Verhältnisse im damaligen Vorderen Orient unter römischer Herrschaft mit vielen jüdischen Wanderpredigern und Endzeit-Sekten.

 

Specht macht ferner auf die vielen Ungereimtheiten und frommen Legenden aufmerksam, die sich um Leidensweg, Todesurteil und Kreuzigung von Jesus, seinen Todestag sowie seine angebliche Auferstehung ranken. Außer den Evangelien gebe es dafür keinerlei Belege, die Legenden widersprächen sogar den seinerzeit üblichen römischen und jüdischen Regularien. Und, selbst in diesen so wesentlichen Fragen widersprächen sich diese Evangelien... Wichtig ist für Specht noch die Frage, wofür dieser Jesus eigentlich zum Tode verurteilt worden sei. Ironisch-sarkastisch heißt es bei Specht hierzu u.a.: „Darauf folgt ein verhörartiges Gespräch bei Pilatus. Verlauf und Inhalt dieser Einvernehmung sind sicherlich frei erfunden. Wer auch hätte den Inhalt dieses Frage- und Antwort-Spiels unter vier Augen der Nachwelt übermitteln sollen?" (S. 268)

 

Fakten oder Fiktionen?

Auf das 3. Kapitel „Jesus in nichtchristlichen Quellen" soll hier nicht weiter eingegangen werden, darauf und die negativen Befunde ist bereits in einer anderen Besprechung (Hermann Detering) ausführlich eingegangen worden.

 

Drastisch fällt, nicht nur bei Specht, das Fazit des Studiums christlicher Quellen aus: Sämtliche Evangelien im Neuen Testament seien weitgehend spätere Erfindungen und das Ergebnis historischer Knittelei unter fiktivem Namen! Sie seien alles andere als historische Dokumente, schon gar nicht Belege für die Vita eines konkreten Menschen. Vielmehr, Schwindel, Betrug und Fälscherlust machtgieriger Kleriker hätten im Laufe von Jahrhunderten alle Texte „passend" gemacht und wenn das nicht möglich war, hätten eifrige Theologen für immer andere wohlfeile Auslegungen parat gestanden. Und „so gelang es später der Kirche nur dadurch die Massen des Abendlandes zu gewinnen, indem sie die christliche Botschaft dem jeweils herrschenden Niveau allgemeiner Bildungslücken anpaßte. Das Vereinfachen, Hinbiegen und Zurechtrücken der Lehre erfolgte dabei sowohl durch Vernichtung unliebsamer Schriften als auch über den Weg von der 'Interpolation' bis zur unbekümmerten Abänderung der Texte. Wo etwas fehlte, half das Plagiat, wo etwas störte, vernichtete man, wo etwas unpassend war, wurde dreist verändert." (S. 335)

 

Und so sei der behauptete Mensch „Jesus" nur das blasse Abbild einer frommen Legende. Wie auch heute noch jeder Gutgläubige sich seinen eigenen „Jesus Christus" (als erster Pazifist, Veganer oder Feminist) stricke, dafür gibt Specht auf den Seiten 350 ff. einige Beispiele.

 

Dennoch habe es schon immer Zweifler an den frommen Legenden gegeben, wobei die meisten nur das angeblich einzig wahre Urchristentum von seinen Verfälschungen befreien wollten und noch immer wollen. Trotz aller eigenen Zweifel und Erkenntnisse und trotz der seit etwa 200 Jahren betriebenen wissenschaftlichen „Leben-Jesu-Forschung" können sich diese Zweifler nicht von diesem Glauben lösen. Denn irgendwas müsse ja trotz allem an der Sache und der Botschaft dran sein... Specht geht dann im einzelnen auf diese Forschung ein und stellt deren wichtigste Köpfe vor.

 

Aber, es gibt auch Gegenbewegungen und das gerade im 21. Jahrhundert, wie auf S. 390 ff. vorgestellt.

 

Die Erfindung von Christentum und Kirche

Das fünfte Kapitel befaßt sich mit der „Erfindung Jesu", also den Ursachen und Gründen für das Entstehen einer neuen Religion im römischen Herrschaftsbereich. Wobei das Christentum zunächst noch mit den Kulten der Isis und des Mithras konkurrieren mußte. Specht geht hier auf Gemeinsamkeiten ebenso ein wie auf die spirituellen und kultischen Quellen (und sogar Mythen), aus denen sich das Christentum bis heute dreist und ungeniert bediene und diese für eigene Zwecke ummodele: „Gleich einem leicht verdaulichen Menü besteht das Christentum aus vielerlei Zutaten. Die Aneignung fremder Lehrinhalte und Kultpraktiken war typisch für den sich entwickelnden synkretischen Glauben. Was sich hier und da bewährt hatte, floß nun in das Christentum ein. Man nahm von Ägypten und Hellas, von den Heiden wie von den Juden." (S. 452)

 

Er beschreibt aber auch, wie differenziert und widersprüchlich die einander sogar bis aufs Messer bekämpfenden christlichen Urgemeinden waren. Ein „urkommunistisches" und monolithisches Urchristentum habe es nie gegeben. Der Kampf um die Vorherrschaft habe es erfordert, sich „zu legitimieren und sich auf Urkunden zu berufen, die von Christus und den Aposteln selbst herrühren sollten." (S. 469) Also mußte man sich selbst die erforderlichen Dokumente erschaffen...

 

Weiter heißt es: „Was aber ist handfester und glaubwürdiger als die schlichte Geschichte von einem Menschen, der gelebt und gelitten hat? Von dem man glaubt, über seine Geburt, sein Wirken und seinen Tod Bescheid zu wissen und für alles Augen- und Ohrenzeugen zu haben? Die Geschichte des Jesus aus Nazareth gab dieses handfeste und greifbare Menschenbild und eine für den antiken Menschen glaubhafte Geschichte, die aufgrund ihrer Einfachheit und Übersichtlichkeit mit argloser Gottgläubigkeit aufgenommen wurde." (S. 470)

 

Was außerdem zur „Erfolgsgeschichte des Christentum" beitrug, das hat Harald Specht dann in sechs Punkten zusammengefaßt (S. 481 - 493).

 

Das alles funktionierte problemlos auch im feudalen Mittelalter und sogar noch in unserer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Man schaue sich da doch nur mal die mediale Hysterie zur Weihnachtszeit an. Priester, Konzern- und noch mehr die Staatsmedien wie auch die „Mainstream-Politik" (einschließlich der sich re-christianisierenden LINKEn) üben sich in missionarischem Propaganda-Eifer... Letzteren sei Spechts Buch besonders anempfohlen: (S. „Das oft tradierte Märchen vom seligen Urchristentum als einer 'bekennenden, singenden und tanzenden' Großgemeinde, wo sich alle in Liebe und aufopfernder Nächstenliebe begegneten, ist sicher falsch und eher durch dasjenige von den 'streitenden, interpolierenden und fälschenden Gemeinden' zu ersetzen." 471)

 

Sieben Thesen und ein Fazit

Sein sechstes und letztes Kapitel hat Harald Specht mit dem Sprichwort „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende" überschrieben. Gleich in seiner ersten These heißt es: „Einen Menschen aus Fleisch und Blut mit Namen Jesus aus Nazareth, wie er uns in den kanonischen Evangelien des Neuen Testaments gezeigt wird, hat es nie gegeben. (...) Die Berichte über seine übernatürliche Geburt und göttliche Abkunft sowie seine Auferstehung nach dem Tode brauchen nicht widerlegt zu werden." (S. 576)

 

In den weiteren Thesen werden die biblische Schriften gewürdigt („Weder die Apostel Paulus und Petrus noch die im Neuen Testament so unterschiedlich gezeichnete Jüngerschar von Jesus haben existiert." / S. 576), der historische Rahmen für die Herausbildung des Christentums, der seinerzeitige Wettbewerb der zahlreichen Mysterienkulte, die erfolgreichsten Mittel für das Anwachsen der Gemeinden, die notwendige „Personifizierung des Christos-Gedankens durch Erfindung der Person des Jesus" als das entscheidendes Mittel im Machtkampf sowie die spätere „Trivialisierung und Verwischung der Glaubensinhalte" beschrieben. Und als Fazit nennt Specht, daß „der einzige Unterschied zwischen Jesus und seinen Vorbildern darin besteht, daß man ihm neben seiner Rolle als Gott auch die eines lebenden Menschen dazuerfand." (S. 579)

 

Abschließend geht er noch kurz auf pro-Jesus-Argumente, die keine sind, ein, wie dieses: „Wie können sich so viele Menschen zweitausend Jahre lang irren?" (S. 580) Dieses Hauptargument für eine Geschichtlichkeit von Jesus diene schlichten Gemütern gleichzeitig als letzte Antwort... Spechts ausführliche Antwort auf den Seiten 583 - 585 sollte man sich sehr genau zu Gemüte führen. Ähnlich ist es auch mit dem Argument, daß wahrer Glaube keiner belegbaren Zeugnisse bedürfe...

 

Worum es Theologen bei der Verteidigung „ihres" Jesus geht, kann man salopp so zusammenfassen: Wenn es keinen Jesus gegeben hat, dann gibt es letztlich auch kein Christentum und vor allem kein Daseinsrecht für die Macht-Institution Kirche und damit wird insbesondere die wohlbestallte Priesterkaste überflüssig.

 

Aufgrund der Fülle der von Specht zusammengetragenen Fakten können leider nicht alle angemessen gewürdigt oder zumindest gestreift werden. Dieses Specht-Buch besticht, wie bei ihm üblich, durch seine tiefgehende Analyse, die komplexe Betrachtungsweise und das Hinterfragen von Dogmen sowie durch seine Wissenschaftlichkeit und zugleich Allgemeinverständlichkeit. Weiterführende Literatur kann der geneigte Leser dem Quellenverzeichnis entnehmen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Harald Specht: Jesus? Tatsachen und Erfindungen. 654 S.m.Abb. kart. Engelsdorfer Verlag 2010. 19,90 Euro. ISBN 978-3-86901-898-0

 

 



 
24.12.2016

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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