Jupp Schulte, aber nicht nur er, ist auf japanischer Drachenjagd

WEIMAR. (fgw) In der Reihe der unveränderten Neuausgaben der Krimi-Reihe um den Detmolder Hauptkommissar Jupp Schulte ist jetzt auch der im Jahre 2005 erst-erschienene fünfte Band „Blechschaden“ erschienen. Hierin dreht sich (fast) alles um verschwundene japanische Kunstdrachen aus dem Detmolder »art kite museum«.


Bereits vorab darf das Fazit gezogen werden, und der Rezensent wiederholt sich hier gerne: Es ist wieder ein echter Reitemeier/Tewes, die beide gemeinsam über ein einmalig gutes und über Jahre anhaltendes unnachahmliches Erzähltalent verfügen, geworden:

 

Verstehen sie es doch immer wieder, eine spannende, an Überraschungen und unerwarteten Wendungen reiche, Kriminalhandlung zu würzen mit einem wahren Feuerwerk aus Wortwitz, Humor, Esprit und Situationskomik, aus Lokalkolorit und skurrilen Figuren.

 

Es gibt in diesem Roman - wie beim Autoren-Duo üblich - nicht nur spannende Fälle (Handlungsstränge), die stets irgendwie zusammenhängen, und entsprechende Momente, sondern immer auch viel Komisches und Kauziges. Das zeigt sich nicht nur in einem längeren Nebenstrang um Bauer Anton Fritzmeier, dessen 80. Geburtstag auf der Tagesordnung steht. Oder in der Person des mittlerweile berenteten Lokalredakteurs hermann Rodehutskors, der jetzt intensiv auf der Suche nach dem Ort ist, an dem sich vor fast 2.000 Jahren die berühmte Hermanns-Schlacht ereignet haben könnte. Oder mit dem erstmaligen Auftauchen von Schultes zweiter Tochter Lena Wiesenhof; als Stichworte sollen hier nur konträrer Ordnungssinn und divergierende Ernährungsgewohnheiten.

 

Es ist ein eiskalter Februar. Helle Aufregung herrscht nicht nur in Detmold, sondern auch in den umliegenden Landkreisen und kreisfreien Städten. Will doch der Bundeskanzler mit seinem Staatsgast, dem französischen Präsidenten, der Gegend einen offiziellen Besuch abstatten. Und für deren Sicherheit sollen nicht nur die zuständigen Bundesbehörden, sondern auch die örtlichen Polizeidienststellen Sorge tragen. Detmolds Polizeichef Klaus Erpentrup ist außer sich: Nichts genaues weiß man; wie soll er denn da seine Leute einteilen?! Und, wenn's Zwischenfälle geben sollte, kann es ihm die Karriere kosten. Rechtzeitig fällt ihm ein, einen Koordinator einzusetzen, den kurz vor der Pensionierung stehenden Kommissar Bernhard Lohmann aus Schultes Dezernat. Und da geschieht das Unfaßbare. In Erpentrups Büro. Lohmann läßt sich da telefonisch mit dem Kanzleramt verbinden, bekommt sogar den Kanzler an den Apparat und begrüßt den lieben Gerhard mit einem „DU"... Erpentrup bekommt fast einen Infarkt. Doch dann kann er aufatmen, über Lohmann bekommt seine Behörde nun genaueste Kenntnis über die Reisepläne. Detmold hat also da die Nase vorne. Was sich auch bald als Vorteil herausstellen soll. Denn in der Region ereignen sich gleichzeitig mehrere Verbrechen.

 

Zunächst wird in Detmold, am Norderteich, eine Leiche aufgefunden. Ein älterer Mann, der erschossen wurde. Also ein Fall für Jupp Schulte und Maren Köster. Wie sich bald herausstellt, handelt es sich um Eberhard Koppsieker. Der Mann war Musiker, sogar Musikprofessor, der einige Zeit in Japan gearbeitet hatte. Seine Kontakte hatte er genutzt, um eine Ausstellung japanischer Kunstdrachen in Detmold auf die Beine zu stellen. Warum aber wurde der Mann erschossen? Schulte tappt lange im Dunkeln.

 

Fast zeitgleich wird nahe Detmold ein Sattelschlepper überfallen, der die Kunstdrachen nach Italien zu einen dortigen Ausstellung bringen sollte. Einer der beiden Fahrer wird dabei erschossen, der andere schwer verletzt. Das alles ereignet sich bei einer Kläranlage. Für den mittels GPS elektronisch überwachten Transport ist eine private Sicherheitsfirma zuständig, deren Leiter, ein Herr Haase, schließlich doch die Polizei informiert. Zuständig ist Paderborn, also übernehmen Hauptkommissar Willi Potthast und Frau Dr. Margarete Bülow, die erblindete Polizeidirektorin. Was sie da noch nicht wissen: Der dort vorgefundene Sattelschlepper ist gar nicht der überfallene. Die Täter hatten die Zugmaschinen ausgetauscht gegen einen entführten anderen leeren Sattelschlepper gleichen Typs. Dessen Fahrer wurden aber nicht getötet. Das Fahrzeug mit der teuren Fracht wird derweil in einer Bielefelder Lagerhalle abgestellt. Allen ist klar: Es handelt sich hier um einen der größten Kunstraube in NRW. Bald wird offenbar, daß es den Entführern nicht um die Kunstwerke geht, sondern nur um ein Lösegeld in Millionenhöhe, das die Hamburger Versicherung des Museums aufbringen soll. Hier kommt nun der Bielefelder Kunstprofessor Dr. Ludwig Bockstiegel ins Spiel. Die Entführer wollen ihn zwingen, als Mittelsmann zur Versicherung zu fungieren. Der wendet sich in seiner Not an den Bielefelder Hauptkommissar Wolf Muffen.

 

Bald schon kristallisiert sich heraus, daß alles kreisübergreifend zusammengehört: Der Mord am Norderteich, die Entführung zweier Sattelschlepper, verbunden mit einem weiteren Mord, und die Lösegeldforderung für die dabei geraubten Kunstwerke. Gemeinsam kann nun gezielter ermittelt werden. So manche Hintergründe können beleuchtet werden, z.B. wer die beiden Professoren - und weitere Museumsmitarbeiter - sind, was es mit der Ausstellung in Detmold auf sich hat...

 

Die Versicherung läßt sich schließlich doch auf die Zahlung der geforderten Summe ein. Aber mit der vom Hintermann aller Straftaten geforderten Übergabe gibt es Probleme. Die ihm gestellte Falle funktioniert auch nicht. Und so entwickelt sich eine rasante Verfolgungsjagd. Als man schließlich sogar drei Täterfahrzeuge stellen kann, ist in keinem einzigen der Koffer mit den Millionen zu finden. Die Jagd geht weiter. Natürlich mit etlichen weiteren Verwicklungen und Lebensgefahr für Jupp Schulte. Auch für Muffen und Bockstiegel, die beide mit der gleichen Schußwaffe verletzt werden, mit der Koppsieker ermordet wurde, Aber es kommt wie es kommen muß: Dieser komplexe Kriminalfall kann durch komplexen Einsatz aller beteiligten Seiten (Detmold, Bielefeld und Paderborn) gelöst werden. Auch wenn es zunächst an Beweisen fehlt, dem Drahtzieher und Mörder seine Schuld gerichtsfest nachzuweisen. Und es wird auch noch offenbar, daß der ermordete Professor Koppsieker nicht nur Opfer ist...

 

Und so löst sich schließlich alles in Wohlgefallen auf, sprich mit der überaus opulenten Geburtstagsfeier Anton Fritzmeiers. Aber auch der hat hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht...

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Jürgen Reitemeier und Wolfram Tewes: Blechschaden. Kriminalroman. 312 S. Taschenbuch. Unveränderte Neuausgabe. Pendragon-Verlag. Bielefeld 2020. 13,90 Euro. ISBN 978-3-86532-710-9

 

 

 

 

 



 
09.05.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ