Jupp Schulte ermittelt aus Gefälligkeit privat in Hasselt

WEIMAR. (fgw) In der Reihe der unveränderten Neuausgaben der Krimi-Reihe um den Detmolder Hauptkommissar Jupp Schulte ist jetzt auch der im Jahre 2001 erst-erschienene dritte Band „Stürmerfoul“ erschienen. Darin geht es um einen letztlich überaus komplexen Fall, der Schulte – ohne dienstlichen Auftrag – in die belgische Provinzstadt Hasselt führt. Und das auch noch über Silvester.


Bereits vorab darf ein Fazit gezogen werden: Es ist wieder ein echter Reitemeier/Tewes, die beide gemeinsam über ein einmalig gutes und über Jahre anhaltendes unnachahmliches Erzähltalent verfügen, geworden:

 

Verstehen sie es doch immer wieder, eine spannende, an Überraschungen und unerwarteten Wendungen reiche, Kriminalhandlung zu würzen mit einem wahren Feuerwerk aus Wortwitz, Humor, Esprit und Situationskomik, aus Lokalkolorit und skurrilen Figuren sowie als Zugabe noch mit 'ner Prise Erotik.

 

Und wie bei Reitemeier/Tewes üblich, sind aktuelle Verbrechen stets mit mindestens einem in der Vergangenheit verknüpft. Daher weiß der Leser, daß der scheinbare Unfall eines Tierarztes im Jahre 1987 in Wirklichkeit ein Mord war.

 

Im Jahre 2002 ereignen sich mehrere Dinge fast gleichzeitig. Da wird zunächst in Hasselt in einem Bus aus Lemgo ein Fahrgast vermißt; der Bus war von Fans des Handballvereins TBV gechartert worden. In Detmold freut sich derweil Maren Köster über eine Erbschaft; hatte ihr doch eine Tante ein Häuschen in Lemgo vermacht. Maren und ihre Kollegen Braunert und Lohmann bekommen es - es ist kurz vor Weihnachten - mit Fällen von Schutzgelderpressung zu tun. Bei den Tätern soll es sich jedoch nicht um die italienische Mafia, sondern um sehr junge Jugendliche handeln.

 

Und Jupp Schulte? Der freut sich auf ein gemeinsames Weihnachtsfest mit seinen beiden Töchtern. Doch die sagen kurzfristig ab, weil sie doch lieber was mit den jeweiligen Liebsten unternehmen wollen. Just in dieser (Ver-)Stimmung wird bei ihm der Detmolder Journalist Rodehutskors vorstellig und meldet einen Kollegen als vermißt. Dieser sei nicht mit dem Fan-Bus aus Hasselt zurückgekehrt. Da der Kollege an einer brisanten Enthüllungsstory gearbeitet habe, läge vielleicht ein Verbrechen vor. Aber - Schulte darf nicht im Ausland ermitteln. Doch Rodehutskors hat nun mal beim Kommissar was gut. Also nimmt Schulte eigenmächtig seinen Resturlaub und begleitet den Journalisten nach Belgien. Was ihm gar nicht so schwer fällt, denn die großzügig bemessenen Spesen trägt der Detmolder Zeitungsverlag.

 

Just zu dieser Zeit bekommt Schultes Paderborner Freund und Kollege Potthast einen Mordfall auf den Tisch. Bei Toten handelt es sich um einen 67jährigen Rentner, einen früheren Futtermittelhändler. Und ein gewisser Joachim Struckmeier erlebt sein „blaues Wunder" am PC: Man erpreßt ihn zur Mitarbeit ohne das Was zu erwähnen, ansonsten werde sein PC außer Gefecht gesetzt...

 

Unterdes häufen sich die Schutzgelderpressungen in Detmold, wobei diese Angelegenheit immer verworrener wird. Wer sind diese Jugendlichen? Warum packen die Opfer, u.a. ein Pizzabäcker mit dem sprechenden Namen Giovanni Panini, nicht aus?

 

Die Spurensuche in Hasselt erweist sich für Schulte und Rodehutskors schwieriger als erwartet. Aber zum Ausgleich tauchen beide in die Welt der Gastronomie ein. Wo gerade Schulte überaus skurrile Typen trifft, die ihm doch irgendwie helfen können. Als Paradiesvogel erweist sich auch der Chefredakteur der dortigen Zeitung. Irgendwie müssen die beiden Deutschen, die bei ihren Recherchen auf ein Chemiewerk, das auf Düngemittel spezialisiert ist, stoßen, auf der richtigen Spur sein. Denn erst wird Rodehutskors, dann auch Schulte von schwergewichtigen Schläger-Typen bedroht. Wenn sie nicht abreisen würden, dann... Mit einem Trick wollen die beiden das Problem lösen, so daß Schulte untertauchen und insgeheim weiterermitteln kann. Dabei hilft ihm die Rezeptionistin ihres Hotels. Sie vermittelt Schulte nicht nur eine neue Bleibe; sie schenkt ihm dazu noch eine sehr erotische Silvesternacht.

 

Aber die Typen haben sich doch nicht völlig austricksen lassen und es gelingt Schulte in letzter Minute diese - vorläufig - auszuschalten und so seiner Bettgespielin und sich das Leben zu retten.

 

Langsam kann sich Schulte vieles zusammenreimen, hat er doch einige Herren, die zuvor mit dem Chemie-Unternehmen leitend verbandelt waren, befragen können. Doch ohne wirklich Stichhaltiges zu erfahren. Und eher zufällig stößt er dann auf einem Hausboot auf die Leiche des vermißten Enthüllungsjournalisten. Da die Typen ihm aber weiter auf den Fersen sind, denunzieren die ihn umgehend bei der Polizei, so daß Schulte unter Morverdacht gerät. Und ausgerechnet der paradiesvogelartige Redakteur kann Schulte retten und und unbeschadet nach Detmold bringen. Dort erwartet den Kommissar aber ein Donnerwetter durch Behördenchef Erpentrup. Donnerwetter, das ist noch untertrieben. Schulte unter Mordverdacht und dann auch noch unbefugt zu Ermittlungen ins Ausland gefahren. Doch die belgische Polizei kann Schulte entlasten. Scheinbar fügt sich wieder alles. Offen bleibt aber, wer den Enthüllungsjournalisten getötet hat und vor allem warum. Schulte darf dann sogar die belgischen Kollegen unterstützen.

 

Maren und ihre Kollegen kommen derweil lange mit dem Fall der Erpressungen nicht weiter. Bis einer der jugendlichen Täter ermordet wird. Und das ausgerechnet am Rande einer TBV-Sportveranstaltung. Offenkundig wird, daß die Möchtegern-Erpresser der echten Mafia in die Quere gekommen sind. Just zu dieser Zeit teilt das LKA den Detmoldern zu allem Überfluß auch noch mit, daß deren Computersystem gehackt wurde. Aber genau dieser Umstand trägt dazu bei, daß Maren die Erpressungsserie aufklären kann.

 

Potthast ist - auch dank eines neuen Kollegen mit einem „von" vor dem Namen - doch etwas vorangekommen. Vor Jahren soll es einen Futtermittelskandal gegeben haben. Das zumindest geht aus kryptischen Aussagen einiger Bauern hervor, die im Zusammenhang mit dem toten Rentner befragt worden sind.

 

Und nun berühren sich die Fälle, die von Schulte und Potthast bearbeitet werden. Ein Mosaikstückchen nach dem anderen fügt sich langsam zusammen. Wirtschaftskriminalität an sich und dazu ein spezieller Futtermittelskandal. Vor allem wird klar, warum der Enthüllungsjournalist an der Sache dran war. Er hatte übrigens jemand ganz anderen im Visier, wie Schulte bald erfahren muß. Die Hinweise verdichten sich in Richtung eines Politikers... Doch dieser Herr ist mehr als aalglatt und kann weitere Ermittlungen abblocken.

 

So vergehen einige Monate ergebnislos. Doch in Verbindung mit dem Politiker kommt nun aber das Thema „Spielervermittler" auf den Tisch. Das endlich führt zum Erfolg. Diesen sogar mit, wie es im Klappentext heißt, Showdown in einem entscheidenden TBV-Spiel. Die letzten Seiten klären daher auch auf, warum dieser fulminant-rasante Krimi „Stürmerfoul" getitelt wurde.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Jürgen Reitemeier & Wolfram Tewes: Stürmerfoul. Kriminalroman. 368 S. Taschenbuch. Pendragon-Verlag. Bielefeld 2020. 13,90 Euro. ISBN 978-3-86532-708-6

 



 
30.06.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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