Kulinarische Kurzkrimis über Fernost aus deutscher Feder

WEIMAR. (fgw) Kurzfristig, aber gerade richtig für die Vorweihnachtszeit, hat der Bookspot-Verlag ein kulinarisch-literarisches Schmankerl auf den Buchmarkt gebracht: die von Christina Wermescher herausgegebene Anthologie „Mord süßsauer“ mit dem Untertitel „Kulinarische Kurzkrimis aus Fernost“.


Es ist aber ausgerechnet der Untertitel, der dem Rezensenten säuerlich-bitter aufstößt. Denn leider sind die insgesamt 20 Kurzkrimis nicht von Chinesen, Japanern, Indern oder Thais verfaßt worden, was ihnen so echte Authentizität verliehen hätte. Zum anderen hat sich der Verlag die Gelegenheit entgehen lassen, über den deutschen, den europäischen, Tellerrand zu blicken und solcherart dem hiesigen Leser mal Schreibende und deren Werke aus einer trotz allen Tourismus doch fernen Welt nahezubringen.

 

Je zehn Frauen und Männer, einschließlich Christina Wermischer, sind der Einladung letzterer gefolgt und haben Mordsgeschichten für ihre Anthologie beigesteuert. Ja, es geht um diverse Tötungsdelikte, insbesondere aber um Mord. Um Morde aus den verschiedenstens Motiven heraus: Eifersucht oder verschmähte Liebe, Rachsucht, Vertuschung anderer Verbrechen oder Machtkämpfe unter den sogenannten Triaden... Allen Autoren kann bescheinigt werden, daß sie ihr Hand- (ihr Schreib-)werk gut verstehen.

 

Allerdings, und das ist der Kritikpunkt, lernt der Leser dieses „Fernost" nicht wirklich kennen, sondern bekommt nur zu wissen, wie sich (West-)Deutsche asiatische Länder und Kulturen sowie dortige zwischenmenschliche Beziehungen vorstellen. Und gerade die in China handelnden Geschichte sind leider mehr als ideologisch geprägt, ja durch gezeichnete Zerrbilder teilweise direkt abfällig gegenüber diesem Land, seiner Gesellschaftsordnung und den Menschen.Und es spricht auch nicht für deutsche Autoren, wenn sie chinesische Bezeichnungen durch englische Übersetzungen wiedergeben oder wenn sich gar Menschen in der Volksrepublik mit „Mister" ansprechen.

 

Schauplätze sind neben der Volksrepublik China, inklusive ihrer Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, noch Bangladesh, Indien, Japan, Thailand und Vietnam. Leider fehlen hier (Süd-)Korea, Singapur oder die Philippinen.

 

Wenn das Buch aber zu loben ist, dann betrifft das die kulinarische Seite. Denn entweder ist einem Krimi ein ausführliches landes- bzw. regionaltypisches Rezept angefügt oder aber in der Geschichte selbst ist ein Rezept „eingebaut". Alle diese Rezepte sind problemlos nachzuvollziehen, denn hierzulande gibt es ja ausreichend Asia-Läden, in denen man die diversen Zutaten erwerben kann.

 

Allein der Rezepte wegen lohnt sich ein Kauf dieses Buches. Übrigens, als Kochbuch der besonderen Art dürfte es daher sogar ein originelles Weihnachtsgeschenk abgeben.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Christina Wermischer (Hrsg.): Mord süßsauer. Kulinarische Kurzkrimis aus Fernost. 290 S. Taschenbuch. Edition 211 im Bookspot-Verlag. Planegg 2019. 14,80 Euro. ISBN 978-3-95669-107-2

 



 
03.12.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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