Ludwig Pfau: ein linksliberaler und antiklerikaler Literat

WEIMAR. (fgw) Der pensionierte Heilbronner Lehrer, Autor, Kabarettist und Kommunalpolitiker Erhard Jöst hat jetzt unter dem Titel „Freiheit ist das schönste Fest“ eine Neuausgabe der Gedichte von Ludwig Pfau herausgebracht.


Wer war Ludwig Pfau, der eigentlich nur rund zehn Jahre lang Gedichte geschrieben hat? Pfau wurde 1825 in Heilbronn als Sohn eines Gärtners geboren. Sein Ausbildungsweg war nicht geradlinig: kurze Gärtnerlehre,, danach Sprach- und Kunststudien, abgebrochenes Philosophiestudium, lebenslange publizistische Tätigkeit (u.a. als Kunstkritiker), Teilnahme an der Revolution von 1848/49, mehrfach politisch verfolgt und inhaftiert. Er verstarb im April 1894 in Stuttgart.

 

Die von Erhard Jöst besorgte Neuausgabe richtet sich nach der noch von Pfau herausgegebenen „Ausgabe letzter Hand" von 1889. Der heutige Leser trifft somit auf eine eher altmodische deutsche Schriftsprache mit dem eigenwilligen Pathos des 19. Jahrhunderts. Doch beim Lesen stellt er bald fest, daß die Inhalte noch richtig „frischen Wind" atmen, daß nicht wenige der angesprochenen Themen - insbesondere die politischen Aussagen - nach wie vor in deutschen Landen aktuell sind.

 

Auf Leben und Werk Ludwig Pfaus geht Herausgeber Jöst näher im Nachwort zu dieser Gedichtauswahl ein. Er stellt den Lyriker Pfau als unbeugsamen Demokraten und Republikaner linksliberaler Gesinnung vor, der seine Augen auch nicht vor dem Elend der proletarischen Massen (wie z.B. beim Blick auf den schlesischen Weberaufstand) verschloß und der sich so über die gutbürgerliche Beschränktheit hinwegheben konnte. Zugleich war Pfau ein entschiedener Antiklerikaler, denn er bekundet nicht nur einmal: „Das freie Denken ist das höchste Beten." Folglich hat er nicht bloß für die untertänigen Biedermeier, sondern mehr noch für die Pfaffen nur Hohn und Spott übrig.

 

Diese Anthologie ist in drei Abschnitte gegliedert: „Liebe und Leben", „Zeitgedichte" sowie „Sinngedichte". Nicht wenige dieser Texte sind übrigens durchaus geeignet, bei heutigen humanistisch-freigeistigen Veranstaltungen vorgetragen zu werden. Sind doch selbst die Liebes- und Lebensgedichte nicht weltentrückt, so z.B. „Achtzehnhundertneunundvierzig" (S. 22). Antiklerikal-kirchenkritisches findet sich hier in „Huß" (S. 64), „Höchstes Gebet" (S. 73) oder „Glaube" (S. 74).

 

Für Pfaus Gesellschaftskritik und sein politisch und publizistisches Engagement stehen „Zeitgedichte" wie „Der Leineweber" (S. 101), „Der Proletar" (S. 103), „Herr Biedermeier" (S. 108), „Zum 18. März" (S. 128), „Schwarzrotgold" (S.132), „Freiheit, die ich meine" (S. 134), „Lied vom Robert Blum" (S. 135) oder „Weihnachtslied" (S.148). In letzterem heißt es dezidiert: „Die Menschheit muß mit eignen Händen erkämpfen sich ihr irdisch Los."

 

Die überwiegend sehr kurzen „Sinngedichte" sprechen u.a. Themen wie diese an: Gebildete, Theologen, Erbsünde, Weltgeschichte, Philister, Frau Moral oder Honoratioren...

 

Erfreulich ist, daß Herausgeber und Verlag Ludwig Pfaus Gedicht „Freiheit, die ich meine" in vollem Wortlaut zusätzlich auf die hintere Umschlagseite platziert haben. Hieraus sollen die erste und die letzte Zeile zitiert werden: „Die Freiheit ist kein Königsweib (...) Vive, vive la république!"

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Erhard Jöst (Hrsg.): Ludwig Pfau - Freiheit ist das schönste Fest. Gedichte. 200 S. Taschenbuch. Günther Emigs Literaturbetrieb. Niederstetten 2020. 10,00 Euro. ISBN 978-3-948371-67-8

 



 
18.04.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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