Machos Suizidbuch: oberflächlich und enttäuschend, schade!

WEIMAR. (fgw) „Die Frage nach dem Suizid ist das Leitmotiv der Moderne“, so postuliert es der österreichische Philosoph und Kulturwissenschaftler mehrfach im Text. Dieser besteht aus einem sehr lesenswerten Einleitung, 13 Kapiteln sowie einem resümierenden Nachwort.


In der Einleitung führt er u.a. aus: „Während der Suizid noch in der Antike mit Ehre assoziiert werden konnte, erschien er spätestens seit Beginn der Herrschaft der christlichen Religion als Schande und finales Versagen, (...) als schwere Sünde, als Verbrechen, das streng bestraft wurde." (S. 7) Im weiteren geht er auf historische Entwicklungen, Wertewandlungen und ebenso auf Begriffliches ein, wie Selbstmord, Freitod, Suizid. Der Frage „Wem gehört mein Leben?" geht er im gleichnamigen ersten Kapitel nach: „Die Frage, ob der Suizid erlaubt sei oder verboten, läßt sich daher in die Frage transformieren, wem unser Leben eigentlich gehört." (S. 36) Dazu führt er eine Seite zuvor Bemerkenswertes und hierzulande eher Unbekanntes aus: „... am 3. November 2006 hat das schweizerische Bundesgericht den Suizid zum Menschenrecht im Sinne des Artikels 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention erklärt."

 

In den nachfolgenden Kapiteln geht es u.a. um den Suizid vor der Moderne, den sogenannten Werther-Effekt, Suizide in der Schule, in Krieg und Holocaust, um Praktiken des politischen Suizids und den suizidalen Terrorismus oder Orte des Suizids. Im Mittelpunkt seiner Darlegungen stehen aber vor allem und immer wieder Suizide unter Künstlern und die Behandlung des Themas Suizids in den verschiedenen Künsten mit z.T. ausführlichen Buch- und Filmbeschreibungen. Dies alles ist leider zu breit angelegt, teils überfrachtet, ja ausufernd und kommt nicht selten modisch unverbindlich und geschwätzig daher.

 

Neugierig macht dagegen das knapp 40 Seiten lange Kapitel 13 „Debatten um Sterbehilfe und assistierten Suizid." Und gerade dieses ist unbefriedigend und enttäuschend den bundesdeutschen Leser, kommt doch die DGHS hier mit keinem Wort vor! Dafür wird spärlich auf Schweizer Sterbehilfeorganisationen hingewiesen. Und erst recht fehlen hier die tatsächlichen Debatten des Jahres 2015 zur politisch beabsichtigten und dann herbeigeführten Verschärfung des Strafrechtes in Deutschland. Auch kein Wort hier zum Paragraphen 217 StGB und den tatsächlichen Debatten nicht nur in der Politik. Schade!

 

Im Nachwort faßt Macho seine Leitthesen, sieben an der Zahl, noch einmal kurz zusammen, bleibt aber auch hier an der Oberfläche.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Thomas Macho: Das Leben nehmen. Suizid in der Moderne. 532 S. m. Abb. Hardcover m.Schutzumschl. Suhrkamp-Verlag. Berlin 2017. 28,00 Euro. ISBN 978-3-518-42598-5

 



 
30.06.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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