Man sollte aufpassen, wenn Öko-„Aktivisten“ zugange sind

WEIMAR. (fgw) Es ist gerade mal erst einige Monate her, daß Harald Jacobsen in einem Krimi („Fördelüge“) seine beide Protagonisten, den Hauptkommissar Frank Reuter und den Privatermittler Henrik Bargen, erstmals gemeinsam agieren ließ. In dem jetzt erschienenen Krimi „Kuttertod“ haben beide wieder miteinander zu tun, auch wenn es anfangs nicht nach Kooperation aussieht.


Jacobsen hat für seinen aktuellen Roman ein sehr aktuelles und überaus brisantes Thema aufgegriffen, den Umgang mit „Sondermüll" jeglicher Art. Ein Umgang, der nicht nur gesetzlichen Vorgaben widerspricht, der nicht nur die Umwelt (und letztlich auch den Menschen) schädigt, sondern der nicht selten im wahrsten Wortsinn über Leichen geht. Und auch die Gegenseite, „grüne" Umweltbewegte, ist nicht selten zimperlich. Nicht selten tummeln sich in diesen Bewegungen vorgebliche radikale Umwelt-„aktivisten", die leider zu oft zutreffend auch als „Öko-Terroristen" bezeichnet werden, werden müssen. Dem Leser begegnen also in diesem Roman sowohl kriminelle Unternehmer als auch solche „Öko-Terroristen", wobei sich letztere für lange Zeit geschickt hinter naiven umweltbewegten jungen Menschen verstecken können. Hinter Menschen, die nicht einmal ahnen, daß sie eigentlich nur ausgenutzt und betrogen werden. Warum und wofür? Auch darum geht es hier...

 

Alles beginnt mit einem Brand auf einem Grundstück, das dem Flensburger Bau-Unternehmer Jansen gehört. Den Feuerwehren wird schon nach wenigen Minuten klar, daß da nicht nur marode Bausubstanz brennt. Nein, alles deutet darauf hin, daß hier in erster Linie sogenannter Sondermüll beseitigt werden sollte. Und als sich dann noch herausstellt, daß bei dem Brand zwei Menschen, die sehr lange Zeit nicht identifiziert werden können, ums Leben gekommen sind, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hauptkommissarin Sonja Martenson und ihre Leute bekommen zu tun, stochern aber fürs erste nur im Dunkeln. Zumal die Staatsanwaltschaft sich zu schnell auf Jansen als Brandleger oder zumindest als Anstifter „eingeschossen" hat. Jansens Rechtsanwalt Kersten beauftragt nun seinerseits Henrik Bargen mit Ermittlungen, die den Unternehmer entlasten sollen. Kerstens anwaltliche Partnerin in Flensburg ist mittlerweile Ulrike Tewes, die in Bargens Leben bislang keine unwesentliche Rolle spielte. Bargen ist aber mittlerweile privat mit Sonja Martenson liiert, so daß der Staatsanwalt den Kriminalisten jedwede Zusammenarbeit mit ihm verbietet.

 

Und dann ist da noch Birte Hallwag, eine sehr junge Umwelt-„aktivistin". Sie, das wird dem Leser direkt mitgeteilt, hat den Brand in Flensburg gelegt. Angeblich um mit einer solchen spektakulären Aktion ein Zeichen gegen illegale Sondermüll-Entsorgung zu setzen. Als sie aber aus den TV-Nachrichten erfahren muß, daß beim Brand zwei Menschen ums Leben gekommen sind, ist sie nicht nur entsetzt - das war ja nicht geplant. Nein, sie gerät in Panik und will ins nahe Dänemark, wo sich ihre Gesinnungsfreunde und vor allem ihr Anführer „Vurm" aufhalten. Am Grenzübergang fährt Birte jedoch einen dänischen Soldaten um, verletzt diesen und sich selbst lebensgefährlich. Nun beginnen die Sonderburger Kriminalisten zu ermitteln, an ihrer Seite Frank Reuter. Aber auch sie kommen nicht voran.

 

Eher fündig wird schon Henrik Bargen und da Reuter der Flensburger Staatsanwaltschaft nicht unterstellt ist, tauschen beide ihre jeweiligen Recherche-Ergebnisse aus. Bargen seinerseits ermittelt erst in Klaipeda (Litauen), wo Jansen ebenfalls unternehmerisch tätig ist. Dort wird er aber niedergeschlagen. Weitere Ermittlungen unternimmt Bargen in Dänemark und Schweden, wo er einem Konkurrenten Jansens auf der Spur ist. Und auch hier wird er wieder niedergeschlagen. Hier trifft er dann auf einen angeblich verschwundenen Enthüllungsjournalisten, der ihn endlich auf die richtige Spur bringen kann. Doch beide leben jetzt gefährlich, denn nicht nur kriminelle Bauunternehmer wollen sie „fertig machen", sondern auch der ominöse „Vurm". Und nicht zuletzt gibt es einen explosiven Brandanschlag auf Bargens Wohnboot, einen alten Fischerkutter...

 

Alles konzentriert sich nun auf die Fragen, wer „Vurm" ist, welches sein eigentliches Geschäftsmodell ist, wer seine Auftraggeber sein könnten, und warum dieser Mann so viele junge naive Menschen in seinen Bann ziehen kann. Und schließlich stellt sich sogar noch die Frage, was eigentlich Ulrike Tewes mit all dem zu tun hat. Sie weiß mehr... Dem Leser wird mehrfach sogar angedeutet, daß das frühere „Fördekartell" doch nicht vollends zerschlagen worden ist...

 

Indizien können zwar alle Ermittler zusammentragen, doch lange mangelt es an gerichtsfesten Beweisen. Wohl auch deshalb, weil die kriminelle Seite über weite Strecken der Polizei voraus ist. Letztlich klärt sich aber (fast) alles auf: eigentlich ist alles ganz „einfach gestrickt" und unlauterem Konkurrenzkampf geschuldet und natürlich der Profitmaximierung. Das polizeiliche Vorgehen beiderseits der deutsch-dänischen Grenze ist nachvollziehbar dargestellt. Und bei all dem bleibt bis zuletzt die Spannung auf hohem Niveau, nicht zuletzt durch die vielen unvorhersehbaren Wendungen.

 

Dazu läßt Harald Jacobsen noch tiefer blicken in gesellschaftliche Verhältnisse, wenn er in Nebensträngen junge, verführbare und verführte Umweltschützer lebensecht zeichnet. Hierzu passen gerade die Porträts/Auftritte von Birtes prominenten Eltern, die sich selbstüberschätzend und extrem demagogisch als Umwelt- und Menschenrechtsanwälte geben, die es aber mehr auf öffentliche Darstellung der eigenen Person abgesehen haben. Die deutsch-dänischen Ermittler nennen das beim Namen, wenn sie insbesondere Birtes Mutter als „mediengeil" bezeichnen.

 

Jacobsen läßt dann auch noch zwischenmenschliche Beziehungen eine Rolle spielen, die sogar zusätzliche Spannungselemente beibringen. So insbesondere Sonjas Martensons Eifersuchtsanfälle wegen Ulrike Tewes.

 

Wenn der Rezensent diesen Roman richtig gelesen hat, dürfte es schon bald eine Fortsetzung geben. Was sollten sonst die kleinen Hinweise auf die „Organisation", mit der Frau Tewes verbunden ist, bedeuten ? Ebenso die Journalisten-Bemerkung, daß es das Kartell doch noch gäbe. Und man möchte ja auch noch wissen, ob Bargen den arg beschädigten Kutter wieder seetüchtig machen kann.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Harald Jacobsen: Kuttertod. Küstenkrimi. 342 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2019. 13,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2492-2

 



 
15.08.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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