Manchmal hilft (wohl nicht nur auf Amrum) nur fauler Zauber

WEIMAR. (fgw) Der Bookspot-Verlag legte sich in diesem Jahr ein weiteres Imprint, die „Ladies Lounge“ zu. Erster Gedanke des Rezensenten: Hoffentlich „verzettelt“ sich der Verlag damit nicht zu sehr. Doch zumindest der erste Titel dieses Imprints, Nicola Lux' Amrum-Roman „Manchmal hilft nur fauler Zauber“, läßt hoffen, daß der Verlag seinem Anspruch, gute Unterhaltungsliteratur zu liefern, treu bleiben wird.


Nicola Lux' Amrum-Roman erweist sich recht schnell als eine wirklich gute Krimi-Komödie und nicht wie befürchtet als ein aufgepeppter Lieschen-Müller-Groschenroman für das Digitalzeitalter: Im Plauderton leicht dahingeschrieben und mit einer kräftigen Prise schwarzen Humors plus etwas (aber nur auf den ersten Blick) Mystischem gewürzt. Herausgekommen ist so eine unterhaltsam-vergnügliche Lektüre nicht nur für den (Nordsee-)Strand und anderswo. Etwas widerspältig sind die Gefühle des Rezensenten allerdings ob des der Zeitmode entsprechenden übermäßigen Gebrauchs des Denglish-Kauderwelsches...

 

Vom Inhalt soll hier nicht allzuviel verraten werden, denn schon der Klappentext weckt erste Neugierde: „Eigentlich könnte Anna ein fabelhaftes Leben führen, hat sie doch gerade ihren Traummann geheiratet. Doch der entpuppt sich als echter Widerling, der sie schon während der Hochzeitsfeier mit seiner Sekretärin Vanessa betrügt. Falls sie ihn verlassen sollte, droht er ihr mir herben Konsequenzen für sie und ihre Familie, denn er ist als Kandidat für das Amt des Bürgermeisters auf Anna an seiner Seite angewiesen. Aber Annas verdorbenes Leben wendet sich, als sie von einer unbekannten „Erbtante" ein Haus auf Amrum erbt. Dort hat die als Hexe verschriene Vida Wohnrecht auf Lebenszeit. Die Frauen verstehen sich großartig und Vida ermutigt Anna den ungeliebten Ehemann doch zu beseitigen. Durch einen Trick von Vida stirbt dieser, von der Flut überrascht, schließlich bei einem Wattspaziergang. Nachdem Anna immer mehr Gerüchte zu hören bekommt, erzählt Vida ihr vom „Club der Hexen", indem sie und auch ihre Tochter Toni Mitglied sind. Ein Club, dem Männer nicht in die Quere kommen sollten..."

 

Besagter Traummann (namens Hartmut) ist nicht nur ein skrupelloser Immobilienhai, sondern auch ein aufstrebender Lokalpolitiker von der äußersten Rechten und dazu noch ein Frauenfeind. Frauen sind für ihn nur Objekte, so wie seine Immobilien, die er nur des eigenen Vorteils/Gewinns wegen benutzt.

 

Doch bevor es zum für Hartmut tödlichen Unfall kommt, erfährt die Leserin (ebenso wie der Leser), daß es bereits im Prolog einen tödlichen „Unfall" gegeben hat. Doch es bleibt offen, in welchem Zusammenhang dieser mit Anna steht. Später ist noch zu erfahren, daß Vidas Tochter Toni einst im Alter von 13 Vidas prügelnden Mann namens Jens in Notwehr erschlagen hatte - und zwar im von Anna ererbten Haus.

 

Bald nach Hartmuts „Unfall" geschehen seltsame Dinge auf Amrum bzw. der Nachbarinsel Föhr. Anna erhält Erpresserbriefe mit Bezug auf Hartmuts Tod. Sie vermutet mit größter Gewißheit, daß diese von Vanessa verfaßt worden seien. Was bald kommt, kann man sich denken: Auch Vanessa erleidet einen tödlichen Unfall. Selbstverständlich hat Anna für die Tatzeit ein perfektes Alibi, wie auch schon zuvor sie und Vida im Fall Hartmut. Doch nur kurze Zeit später trudelt ein weiterer Erpresserbrief ein... Also lebt der Erpresser noch; doch wer kann das sein?

 

Währenddessen trifft Anna auf Ingo und zwischen beiden entwickelt sich rasch ein intensives Verhältnis. Sollte Ingo etwa der Traummann sein, der ihr von einer kürzlich aufgefundenen Flaschenpost verheißen worden ist? Ingo meidet jedoch Amrum, trifft sich mit Anna immer nur auf Föhr. Dort werden die beiden eines Tages von Toni beobachtet. Die trifft fast der Schlag: Ist der von ihr erschlagene Jens etwa am Leben, ist er ein Wiedergänger? Was aber nach den Gesetzen der Naturwissenschaften nicht sein kann...

 

Dann ist da noch die neugewonnene Amrumer Freundin Jette, die von ihrem Schwiegervater seit Jahren drangsaliert wird. Da kann es nicht ausbleiben, daß diesem ebenfalls ein Unfall geschieht.

 

Was es aber mit Ingo auf sich hat und wie Vida und Anna reagieren, als sie die Wahrheit erkennen, das soll hier nicht mitgeteilt werden. Außer der Tatsache, daß auch er recht bald einen (selbstverschuldeten )Unfall erleiden wird. Selbstverständlich haben die Frauen wieder perfekte Alibis...

 

Doch dann stößt Anna, als sie von einem Ausflug in ihr Haus zurückkehrt, dort auf einen fremden Mann in Polizei-Uniform? Sie reagiert aus Angst panisch, kann den Mann überrumpeln und will ihn in Kurzschlußreaktion nun eigenhändig zu Tode stürzen. Das wiederum ruft Vida und deren neuen Freund Janne (der zwar Kapitän ist, aber kein Schiffskapitän) auf den Plan...

 

Wie wird die Geschichte weitergehen bzw. ausgehen? Es bleibt spannend. Und es wird auch aufgeklärt, worum es im Prolog ging, was es mit der „Erbtante" auf sich hat und mit einigen ominösen Telefonaten verschiedener Personen.

 

Jedem der mehr als 70 Kapitel hat die Autorin ein passendes Zitat vorangestellt. Ein besonderer Gewinn aber dürfte der Anhang sein, eine Sammlung von 13(!!!) Rezepten; beginnend mit „Tote Tante" über diverse Waffelvarianten und „Rote Grütze" hin zu „Knurrhahn" oder „Kartoffelsalat". Auch die Rezeptur für „Vidas aphrodisierende Badebombe" darf da nicht fehlen. Sie alle spielen im Verlaufe des Geschehens eine tragende Rolle. Wem also die Krimi-Komödie nicht gefallen haben sollte, der hält dann wenigstens ein originelles Back- und Kochbuch in seinen Händen.

 

Daher mein Kompliment, Nicola Lux, für diesen im doppelten Sinne geschmackvollen Auftakt für die „Ladies Lounge"-Reihe.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Nicola Lux: Manchmal hilft nur fauler Zauber. Ein Amrum-Roman. 280 S. Paperback. Edition Ladies Lounge im Bookspot-Verlag. Planegg 2018. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95669-100-3

 



 
25.03.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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