Marie und Jost: Ein Schicksal zwischen Leben und Tod?

WEIMAR. (fgw) Jetzt liegt er vor, der Folgeband von Silvia Stolzenburgs Barock-Roman „Die Meisterbanditin“. Mehr als in jenem steht hier die Liebe zwischen Marie und Jost im Mittelpunkt; eine Liebe, die unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht.


Die Handlung führt den Leser in den November des Jahres 1721. Marie und Jost hatten einen Mordanschlag auf die Mätresse des württembergischen Herzogs, die Gräfin Wilhelmine von Grävenitz, verhindern können. Jost wurde dabei allerdings schwer verletzt. Aus Dankbarkeit schenkte die Gräfin den beiden jungen Leuten ein eigenes Haus in der Neben-und Lieblings-Residenz Ludwigsburg. Und dort schaut Marie immer wieder nach der silbernen Schatulle, die sie im Auftrag eines hohen Offiziers gestohlen, aber selbst behalten hatte. In dieser befindet sich aber kein wertvoller Schmuck. Doch eines Tages entdeckt Marie da ein Geheimfach, in dem sich einige unverständliche Briefe und ein Siegel befinden. Welchen Wert haben diese und warum hatte sie unbedingt dieses Kästchen stehlen sollen? Marie weiß sich keinen Rat.

 

Inzwischen sind zwei Monate scheinbaren Glücks ins Land gegangen, da beauftragt die Grävenitz Marie erneut mit einem Spionage-Auftrag. Sie soll nach wie vor herausfinden, wer alles gegen die Mätresse intrigieren würde. Anlaß dafür ist der Besuch des Markgrafen von Baden-Durlach beim Herzog. Des Markgrafen Schwester ist die Ehefrau des Herzogs... Doch bevor Marie ihren Auftrag richtig übernehmen kann, wird Jost von markgräflichen Gardisten verhaftet und des Mordes beschuldigt. Denn vor fünf Jahren tötete Jost einen badischen Soldaten, der seine Schwester brutal vergewaltigt hatte. Doch wie konnte man ihn so viele Jahre danach identifizieren? Diese Frage wird erst später und eher nebenbei beantwortet.

 

Marie fleht die Grävenitz um Hilfe an, doch diese zeigt sich hartherzig. Und just zu dieser Zeit erblickt Marie bei der Grävenitz den Offizier, der sie einst mit dem Diebstahl beauftragt hatte. Nun ahnt Marie erste Zusammenhänge. Da aber ihr Flehen ungehört bliebt, entscheidet sich Marie zu einer tollkühnen Befreiungsaktion. Diese gelingt sogar. Marie und Jost fliehen nun, unbedingt auch mit der Schatulle im Gepäck. Jetzt wird aber nicht nur nach Jost gefahndet, sondern ebenfalls nach Marie... Zusätzlich setzt die herzogliche Mätresse noch den bewußten Offizier und Maries Theater-Prinzipal in Marsch.

 

Die beiden jungen Leute gelangen mit etwas Glück nach Stuttgart. Doch wie und wovon sollen sie hier leben? Während Jost sich als Straßenarbeiter verdingt, beträtigt sich Marie wieder als Taschendiebin. Und nun überschlagen sich die Ereignisse, wird es lebensgefährlich. Man kann Jost festnehmen, allerdings unter dem Verdacht, ein mehrfacher Kindesmörder zu sein. Maries erneute Befreiungsversuche scheitern bereits im Ansatz. Da sie aber inzwischen von den Beauftragten der Grävenitz aufgespürt werden konnte, weiß sie sich keinen anderen Ausweg, als diese erneut um Hilfe zu bitten. Als Tauschobjekt für Jostens Freiheit bietet sie die Schatulle an.

 

Wird die Gräfin darauf eingehen? Zunächst einmal aber wird nun Marie schwer mißhandelt, verrät jedoch nichts. Sie erträgt vieles, denn sie weiß: Wenn sie schwach wird, ist das Leben ihres Jost keinen Pfifferling mehr wert. Ihr eigenes auch nicht. Es bleibt dramatisch. Zumal der Prinzipal auch noch mit Marie abrechnen will. Können Marie und Jost wieder fliehen? Und wohin?

 

Dieses Buch gibt auf seine Weise Einblicke in das keinesfalls romantische höfische Leben jener Zeit. Von ehelicher Treue halten die achso christlichen Fürsten nichts. Aber auch deren Affairen mit Mätressen sind selten von langer Dauer. Wobei diejenige des württembergischen Herzogs mit der Grävenitz doch eine Ausnahme darstellte. Denn diese war nicht bloß Geliebte, sondern mehr noch die eigentliche Regentin des Ländles. Zu den angesprochenen Einblicken zählen nicht minder die Verhaltensweisen der diversen Höflinge und Lakaien.

 

Es geht also überaus spannend zu in diesem historischen Kriminalroman. Doch hier wäre vielleicht ein „weniger" ein „,mehr" gewesen. Aus Sicht des Interessenten ist die Verwicklung Maries und Jostens in die Stuttgarter „Verbrecherwelt" - dazu in solch kurzer Zeit - etwas zu überbordend. Und an einer Stelle gibt es sogar einen stolzenburg-untypischen Schnitzer, wenn die Autorin von Kilometern spricht. Später ist dann allerdings doch richtig von Meilen die Rede.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Silvia Stolzenburg: Die Flucht der Meisterbanditin. Historischer Kriminalroman. 284 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2019. 15,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2530-1

 



 
23.09.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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